nicht rund - sie waren alle feine kleine Striche - nur wenige dickere Striche - nur wenige dickere Striche sah ich . Kühle Lüfte wehten um meine Stirn - und ich wurde wieder ruhiger . Die feinen kleinen Striche - waren wie Blut - und der ganze Himmel schwarz - wie die Felsenrand - die weit hinter mir liegt . Ich suche was mit der linken Hand . Liwûna lächelt und sagt : » Du suchst wieder was ! « » Ich suche ! « sage ich . » Ich will noch mehr - noch Grösseres ! « fahre ich fort . Und Liwûna bittet ihren Kaidôh , weiter zu fliegen . Er fliegt weiter . Und wieder neue , wieder andre Wunderwelten thun sich vor ihm auf ; die sind aber etwas kleiner - denn Kaidôh ist im Sternenwirbel noch mehr gewachsen - ins Ungeheuerliche hineingewachsen . Dem Kaidôh ist so , als wäre er in ein grosses Schneegestöber geraten . Es sind aber nicht Schneeflocken , die ihn jetzt umschweben - es sind grosse Sternwolken aus Schnee- und Eisgestirnen . Kaidôh bemerkt , dass faltige dunkelviolette Sammetkleider seinen riesigen Körper umflattern . Liwûnas Gewänder sind wie Goldschaum und flattern ebenfalls . Die Schneesternlüfte sind so kühl und beruhigend - und Kaidôh bedarf der kühlen Ruhe - ihm ist noch immer so , als tobten grosse Sternscharen durch seine Adern - und durch alle seine Knochen . Wie kleine weisse Federn schweben die Sterne dem unermesslichen Kaidôh um Kopf und Brust . » Das sind , « sagt Liwûna , » sehr leichte Welten , denn sie sind alle sehr alt . Die Sterne fliegen zuweilen wie ein grosser Vogelschwarm in die Höhe , und dann kommt es dem Kaidôh so vor , als flögen ihm rasende Eisklumpen an der Nase und an den Ohren vorüber . Seine Augen sind aber so scharf , dass er die verschiedenen Formen der Schneesterne , wenn sie weiter weg sind , wohl unterscheiden kann ; er sieht auch viele Tiere auf den Sternen . In den Schneesternen glänzt viel blankes Eis , und die Eissterne sind an den Krystallspitzen meist mit Schnee umzogen , als wären sie verschimmelt . Die Sterne haben viele turmartige Auswüchse und Zacken und Zinnen und alle nur denkbaren Formen , die aber gewöhnlich regelmässig sind wie die Krystalle . Alle Schneesterne und auch die Eissterne verstehen es ausgezeichnet , dem grossen Kaidôh auszubiegen , sodass er garnicht mit den Sternen in Berührung kommt . Der Schnee verbreitet ein mattes schweres Dämmerlicht . Kaidôh hat immerfort das Gefühl , etwas vergessen zu haben - und dieses Gefühl macht ihn immer erregter , sodass er ganz heftig wird . Liwûna lacht dazu und fragt spöttisch : » Was suchst du denn ? « » Ich weiss es eben nicht ! « giebt Kaidôh zur Antwort . Da fliegt die grosse Liwûna an ihren Kaidôh ganz nahe heran und flüstert mit leuchtenden Augen : » Ich weiss , was du suchst - du suchst das Weib , das dein Weib sein kann . « Kaidôh zittert , ballt die Faust und schlägt der Liwûna ins Gesicht . Doch der Schlag geht natürlich wieder durch , ohne zu schaden . Und die Liwûna lacht , dass es durch die ganze Frostwelt schallt . Danach spricht sie milde : » Die Wut gegen Andre beruht immer auf einer Wut gegen uns selbst . Du bist wütend , weil du nicht weisst , was du willst . Du weisst eben nicht , was du suchst . Warum fragst du mich also nicht ? Warum musst du gleich deine Wut an mir auslassen ? Wüte doch gegen dich selbst ! « Ich schäme mich , denn die Worte trafen . Ich sage weich : » Verzeih mir ! Führe mich weiter durch das Labyrinth deiner Weisheit . Ich folge geduldig und werde mich schon noch zurechtfinden . « » Das wirst du ! « sagt Liwûna . Und wir verlassen die Sternwelten , in denen so viel Schnee ist , schweben in einen finsteren Raum und bleiben Seite an Seite . Kaidôh hat eine merkwürdige Empfindung , als ob die Liwûna ohne jede Unterbrechung auf ihn einspräche , ihm die Rätsel aller Welten erklärte - doch in einer Sprache , die ihm vollkommen fremd ist . Er horcht eifrig in die Finsternis hinein und möchte verstehen , was er da in seltsamen Lauten hört - doch ihm wird Alles immer unklarer ; nur das Unklare wird ihm klar . Und das schmerzt so , dass er aufstöhnt . Er möchte so gerne lachen über das Alles - vermag aber nicht zu lachen . Nur Liwûna scheint neben ihm zu lachen - das nützt ihm leider Nichts . Die Finsternis ist so schwarz , dass Nichts zu sehen ist - kein Stern - Nichts . Liwûna sagt leise : » Du willst grössere Welten sehen - suchst du die ? Willst du selbst grösser werden ? « Kaidôh wacht auf - wie aus einem hässlichen Traume und ruft » Ja ! Ja ! « Doch er hat nicht das Gefühl , dass Liwûna das Richtige getroffen habe - er fühlt nur , dass er in der Finsternis noch grösser wird - und sieht in der Ferne ein schwaches Licht - das rasch heller und heller wird . Neuen Sternwelten kommen sie auch in der Finsternis näher . Da wird Kaidôh grässlich heftig und so begehrlich - so gierig . Ganz andre Sternwelten leben in dem neuen Licht - die sind die grössten - das Licht in der Ferne wird heller - da kommt aus der Finsternis ein Riesenleib hervor - und dieser Riesenleib besteht aus vielen Millionen bunter Sterne . Der Riese hat Augen über den ganzen Leib und einen Kopf , der aus dunkelgrünen lodernden Flammenwelten besteht - Arme und Beine sind unzählig und wie flüssiges zitterndes Gold - auf dem Perlen herumschwimmen ; diese Perlen rollen auf den goldenen Gliedern in ewiger Unruhe