das Aussehen und auch den Gestank von Jauche hat . Ich würde selbst im höchsten Grade des Durstes keinen Schluck von diesem Mistwasser trinken können , wenn ich auch wollte , und ich würde auch gar nicht wollen , weil ich überzeugt wäre , daß ich an dieser Jauche noch eher als infolge des Durstes sterben müßte . Leider wird die alte , wie es scheint , unausrottbare Fabel noch heut in Schul- und anderen Büchern weiter verbreitet ! Unser eigentlicher Weg wäre bei Hit über den Euphrat und dann in gerader Linie durch die Wüste nach Djof und von da nach Haïl , dem Hauptorte des Dschebel Schammar , gegangen . Eine südlichere Linie geht von Hilleh aus um den Nedschef-See herum und später über den Dschebel Daharah direkt nach Haïl . Wir hielten die Mitte zwischen beiden ein , gingen an dem Daharah weit vorüber und suchten das berühmte Wadi Rumem zu gewinnen . Wadi heißt Flußbette und kann nach den dortigen Verhältnissen ein fließendes Wasser , aber auch eine ganz ausgetrocknete Mulde bedeuten . Hier , also südlich vom Dschebel Daharah war es , wo ich mit Halef voranritt und das am Anfange dieses Kapitels erwähnte Gespräch über die abendländischen Eisenbahnen mit ihm hatte . Ich hatte ihm , wie von so vielen unserer Einrichtungen , auch schon wiederholt von unseren Eisenbahnen erzählt ; ich hatte sie ihm beschrieben und ihm ausführlich erklärt , welchen Segen sie bringen und daß sie gar nicht zu entbehren seien . Ich hatte , um ihm das an einem Beispiele zu verdeutlichen , ihn auf die Pferdebahn hingewiesen , welche der so viel und so unschuldig verkannte Midhat-Pascha in Bagdad gebaut hatte , doch das alles vergeblich ! Er , der sonst so kluge und einsichtsvolle kleine Mann , konnte sich aus seinem orientalischen Gesichtskreise nicht herausfinden und hielt alles für unpraktisch oder gar für verwerflich , was nicht mit seinen Gewohnheiten und Erfahrungen übereinstimmte . So war es heut seinem orientalischen Gewissen gradezu als Sünde erschienen , daß es bei uns im Bahnwagen den beiden Geschlechtern erlaubt ist , bei einander zu sitzen . Das war doch ein Verbrechen gegen die allererste und oberste Haremsregel ! Die Sache an sich verurteilte er bloß ; sie brachte ihn nicht in Aufregung ; aber daß ich sie guthieß und mich selbst an dieser Sünde beteiligt hatte , das erregte seinen Zorn und trieb ihn fort von mir ! Ich ließ ihn ohne Sorge zu seiner Hanneh gehen , der er , wie ich wußte , nun sein Herz ausschüttete . Sie pflegte ihm den Turban wieder auf die richtige Stelle zu rücken . Als ich mich einmal umdrehte , sah ich , daß er , neben dem Tachtirwan reitend , sehr angelegentlich mit ihr sprach . Seine Gesten waren dabei äußerst lebhaft ; er schien seinen Standpunkt verteidigen zu müssen , also war anzunehmen , daß sie zu meinen Gunsten sprach . Nach einiger Zeit lenkte er sein Hedschihn wieder an die Seite des meinigen , doch sagte er noch nicht gleich etwas , denn die Strafpredigt , welche er mir vorhin gehalten hatte , war so energisch gewesen , daß es ihm jetzt nicht leicht wurde , in Freundlichkeit wieder einzulenken . Er hustete ; er räusperte sich wiederholt ; endlich begann er : » Sihdi , denkst du noch an eure Eisenbahnen ? « » Nein , « antwortete ich . » Aber du scheinst doch so tief in Gedanken zu stecken . Darf ich erfahren , was für welche es sind ? « » Ich denke an die Unzuverlässigkeit der Freundschaft . « » Das geht natürlich auf mich ? « » Ja . « » Meine Freundschaft ist gar nicht unzuverlässig ; aber sie kann sich nicht gut an die Wagen bei euch gewöhnen , in denen Frauen , Mädchen und fremde Männer beisammensitzen . Das Allerschlimmste ist , daß du selbst auch mit dabeigesessen hast ! « » Glaubst du , daß mir das geschadet hat ? « » Dir ? O nein , gewiß nicht ! « » Oder den Frauen und Mädchen ? « » Denen ? Gewiß auch nicht , denn du bist ein feiner , ein vornehmer Effendi , der sehr gut weiß , wie er sich zu benehmen hat . « » Nun , wenn es weder ihnen noch mir etwas geschadet hat , warum bist du da so erzürnt darüber ? « » Weil - - hm ! - - weil - - weil es sich nicht schickt ! « » Wer behauptet das ? « » Ich ! « » Du ? Das genügt mir nicht . Wer noch ? « » Jeder vernünftige Mann ! « » So ? Ich behaupte aber das Gegenteil , bin also ein unvernünftiger Mensch . Ich danke dir , Halef ! « » Sihdi , so - - so habe ich es nicht gemeint ; so darfst du es nicht nehmen ! Ich kenne dich ja und ich weiß also , daß grad du so viel Vernunft besitzest , daß sie für zehn andere Personen mehr als ausreichen würde . Dich habe ich am wenigsten beleidigen wollen ! « » Nun , wenn ich eine so bedeutende Portion von Vernunft besitze , so bin ich wohl auch befähigt , über unsere Eisenbahnen zu urteilen . Ich nehme an , daß du mit Hanneh darüber gesprochen hast ? « » Ja . « » Was sagte sie ? « » Ich erzählte ihr , was ich über eure Eisenbahnen von dir gehört hatte , und fragte sie nach ihrer Meinung . « » Nun ? Wie lautete diese ? « » Sihdi , ich kann dir fast nicht wiedersagen , was ich aus dem Munde meiner Hanneh hörte , welche doch der Inbegriff der Zusammenfassung aller weiblichen Klugheit ist . Sie gab dir nämlich recht ! « » Das dachte ich ! « » Wirklich ? Du dachtest es ? Warum ? Ich dachte