, und die Selektaner thaten sich gütlich an Alkohol und Nikotin . Sie waren alle bei einander , nur Einer fehlte , der mit dem Schnurrbart , Wenzel Fliczek . Sie sitzen alle recht sorglos und im süßen Genusse des Verbotenen bei einander , da thut sich die Thüre auf und Fliczek schreit herein : Fenster auf ! Lichter aus ! Der Alte kommt übern Hof ! Dann , wie die Lichter ausgelöscht sind , flüstert er leise zu jemand Unsichtbarem hinter ihm : Schnell , da ' nein , unters Katheder ! Willibald war gerade daran , als Letzter zum Fenster hinauszuspringen . Da , aber , wie eigen das war , drehte es ihn um . Was denn nur ? Unters Katheder ! Er duckte sich dort in die Ecke . Da , wie es raschelt ! Und neben ihm , hart neben ihm drückt sich was Weiches . Gott oh Gott ! Was mag das sein ! Wie warm ! oh , und wenn tausend Direktoren kämen ! Die süße Angst ! - Wer bist denn Du ? - Sei doch stille ! Der Direktor ... ! Herrgott , wie weich und warm ! - Rem ! Hm ! Rem ! - Es kommt den Gang herauf . Die Thüre schlägt . - Rem ! Hm ! Rem ! - Jetzt ist er wohl im Zimmer ? Ja , man hört ihn ja schnaufen . Willibald fühlte zwei Arme an seinem Hals und an seiner Seite ein drängendes Klopfen . Gott , was ist das ! Was ist das ! Er kann nicht anders , er muß seinen Mund darauf drücken . Oh , ist das schön ! - Rem ! Rem ! Hm ! Rem ! - Die Thüre wieder zu . Schritte ... fort ... Das Warme neben ihm bewegt sich . Die Arme lassen ihn los . - Wer bist Du denn ? - Wer bist denn Du ? - Ich bin Stilpe aus der dritten Klasse . - Laß mich doch los ! - Nein . Wer bist Du denn ? - So laß mich doch ! - Nein . Wer bist Du denn ? - Die Josephine . - Buschkleppern seine ? - Ja doch ! Laß mich doch ! - Du ! Du ! Und er hängt sich fest an sie , und es ist ihm , als wenn er schwerer und größer würde . - Aber so laß mich doch , ich muß fort . Nein , er kann nicht loslassen . Er wühlt sich mit seinem Kopf in all das Weiche , Warme , was um ihn ist . Da , jetzt hat er ihren Kopf in den Händen und drückt ihn mit aller Kraft . - Du , das thut ja weh ! Aber sie geht nicht . Sie läßt sich noch eine Weile so halten . Dann kommen auch ihre Hände an seinen Kopf , und nun fühlt er ihr Gesicht an seinem . Ach , wie die Lippen weich sind . - Du beißt mich ja ! Himmel was ist das ! Sie küßt ihn . Gott ! Gott ! Gott ! Jetzt ist sie fort . Noch eine Weile liegt er unterm Katheder . Dann taumelt er auf und rennt in den Schlafsaal . In seinem Bette weint er . Und stammelt ihren Namen . Schläft , naß von Thränen , ein . Wie er am Morgen aufwacht , ist alles verändert um ihn herum . Er möchte vor Gefühl . Josephine ! Josephine ! Das ist der Mond ! Das ist er ! Dann wird ihm angst . Er möchte fort . Ausreißen . Nach Hause . Sich verstecken . Gottlob , daß Sonntag ist . Er singt in der Kirche so laut , daß der Inspektor ihn anrüffelt . In sein Gesangbuch , auf seinen Kirchenplatz , überall hin schreibt er Josephine . Und das Wort schiebt sich in ihm hin und her , und nach dem Schema von Nun danket alle Gott schreibt er in unbeholfenen Versen die Erlebnisse dieser Nacht . Das war die erste Regung . Denn von nun ab wollte er - ein Dichter werden . Fünftes Kapitel So ein kleiner Junge , der Dichter werden will , ist ein merkwürdiges Phänomen . Es verlohnt sich wohl , es näher zu betrachten . Es ist keineswegs dasselbe , wie wenn etwa Einer in Prima anfängt , die Papierleyer zu schlagen . Da pflegt meist Nachahmungstrieb und Ehrgeiz der Hauptgrund zu sein , und die Fälle sind selten bemerkenswert . Schon , weil sie , selbst in unsrer Zeit noch , gar zu häufig sind . Aber wenn die Verse so früh flügge werden , wie bei unserm Stilpe , dann liegt die Sache tief und verdient Beachtung . Bloß Nachahmung ist es nicht , Ehrgeiz steckt gar nicht dahinter , - was also ist es wohl ? Es wird das Beste sein , wir studieren die wunderliche Erscheinung an dem Knaben Willibald . Zuerst die Bemerkung , daß vor der Szene unter dem Katheder sich nichts in ihm geregt hat , was als Hinweis auf das plötzliche Verswesen ausgelegt werden könnte . Höchstens , daß er sehr gerne im Gesangbuch las , ohne daß ihn Frömmigkeit dazu veranlaßt hätte . Er las , weil es ihm gut klang . Aber es kam ihm dabei durchaus nicht der Gedanke , auch mal so was Klingendes zu machen . Er dachte überhaupt nicht daran , daß das etwas gemachtes sei . Er nahm es wie eine Blume , wie einen Baum und freute sich dran . Und nun , nicht wahr , es ist doch sonderbar : Kaum , daß er eine kleine Josephine neben sich gefühlt hat , setzt er sich hin und schreibt Verse . Und nicht dies blos , er empfindet plötzlich , wenn auch verworren und wie aus drängenden Nebeln : Dies , das Verseschreiben , ist ein unerhörtes Glück , ein Ziel über allen Zielen .