. Er hat eigentlich einen guten Charakter , und im cercle intime kann er reizend sein . Er verändert sich dann nicht in dem , was er sagt , oder doch nur ganz wenig , aber ich möchte sagen , er verändert sich in der Art , wie er zuhört . Czako meint , unser Freund Rex halte sich mit dem Ohr für das schadlos , was er mit dem Munde versäumt . Czako wird überhaupt am besten mit ihm fertig ; er schraubt ihn beständig , und Rex , was ich reizend finde , läßt sich diese Schraubereien gefallen . Daran siehst du schon , daß sich mit ihm leben läßt . Seine Frömmigkeit ist keine Lüge , bloß Erziehung , Angewohnheit , und so schließlich seine zweite Natur geworden . Ich werde ihn bei Tisch neben Lorenzen setzen ; die mögen dann beide sehn , wie sie miteinander fertig werden . Vielleicht erleben wir ' ne Bekehrung . Das heißt , Rex den Pastor . Aber da höre ich eine Kutsche die Dorfstraße raufkommen . Das sind natürlich Gundermanns ; die kommen immer zu früh . Der arme Kerl hat mal was von der Höflichkeit der Könige gehört und macht jetzt einen zu weitgehenden Gebrauch davon . Autodidakten übertreiben immer . Ich bin selber einer und kann also mitreden . Nun , wir sprechen morgen früh weiter ; heute wird es nichts mehr . Du wirst dich auch noch ein bißchen striegeln müssen , und ich will mir ' nen schwarzen Rock anziehn . Das bin ich der guten Frau von Gundermann doch schuldig ; sie putzt sich übrigens nach wie vor wie ' n Schlittenpferd und hat immer noch den merkwürdigen Federbusch in ihrem Zopf - das heißt , wenn ' s ihrer ist . « Drittes Kapitel Engelke schlug unten im Flur zweimal an einen alten , als Tamtam fungierenden Schild , der an einem der zwei vorspringenden und zugleich die ganze Treppe tragenden Pfeiler hing . Eben diese zwei Pfeiler bildeten denn auch mit dem Podest und der in Front desselben angebrachten Rokokouhr einen zum Gartensalon , diesem Hauptzimmer des Erdgeschosses , führenden , ziemlich pittoresken Portikus , von dem ein auf Besuch anwesender hauptstädtischer Architekt mal gesagt hatte : sämtliche Bausünden von Schloß Stechlin würden durch diesen verdrehten , aber malerischen Einfall wiedergutgemacht . Die Uhr mit dem Hippenmann schlug gerade sieben , als Rex und Czako die Treppe herunterkamen und , eine Biegung machend , auf den von berufener Seite so glimpflich beurteilten sonderbaren Vorbau zusteuerten . Als die Freunde diesen passierten , sahen sie - die Türflügel waren schon geöffnet - in aller Bequemlichkeit in den Salon hinein und nahmen hier wahr , daß etliche , ihnen zu Ehren geladene Gäste bereits erschienen waren . Dubslav , in dunkelm Überrock und die Bändchenrosette sowohl des preußischen wie des wendischen Kronenordens im Knopfloch , ging den Eintretenden entgegen , begrüßte sie nochmals mit der ihm eignen Herzlichkeit , und beide Herren gleich danach in den Kreis der schon Versammelten einführend , sagte er : » Bitte die Herrschaften miteinander bekannt machen zu dürfen : Herr und Frau von Gundermann auf Siebenmühlen , Pastor Lorenzen , Oberförster Katzler « , und dann , nach links sich wendend , » Ministerialassessor von Rex , Hauptmann von Czako vom Regiment Alexander . « Man verneigte sich gegenseitig , worauf Dubslav zwischen Rex und Pastor Lorenzen , Woldemar aber , als Adlatus seines Vaters , zwischen Czako und Katzler eine Verbindung herzustellen suchte , was auch ohne weiteres gelang , weil es hüben und drüben weder an gesellschaftlicher Gewandtheit noch an gutem Willen gebrach . Nur konnte Rex nicht umhin , die Siebenmühlener etwas eindringlich zu mustern , trotzdem Herr von Gundermann in Frack und weißer Binde , Frau von Gundermann aber in geblümtem Atlas , mit Marabufächer , erschienen war - er augenscheinlich Parvenu , sie Berlinerin aus einem nordöstlichen Vorstadtgebiet . Rex sah das alles . Er kam aber nicht in die Lage , sich lange damit zu beschäftigen , weil Dubslav eben jetzt den Arm der Frau von Gundermann nahm und dadurch das Zeichen zum Aufbruch zu der im Nebenzimmer gedeckten Tafel gab . Alle folgten paarweise , wie sie sich vorher zusammengefunden , kamen aber durch die von seiten Dubslavs schon vorher festgesetzte Tafelordnung wieder auseinander . Die beiden Stechlins , Vater und Sohn , placierten sich an den beiden Schmalseiten einander gegenüber , während zur Rechten und Linken von Dubslav Herr und Frau von Gundermann , rechts und links von Woldemar aber Rex und Lorenzen saßen . Die Mittelplätze hatten Katzler und Czako inne . Neben einem großen alten Eichenbüfett , ganz in Nähe der Tür , standen Engelke und Martin , Engelke in seiner sandfarbenen Livree mit den großen Knöpfen , Martin , dem nur oblag , mit der Küche Verbindung zu halten , einfach in schwarzem Rock und Stulpstiefeln . Der alte Dubslav war in bester Laune , stieß gleich nach den ersten Löffeln Suppe mit Frau von Gundermann vertraulich an , dankte für ihr Erscheinen und entschuldigte sich wegen der späten Einladung : » Aber erst um zwölf kam Woldemars Telegramm . Es ist das mit dem Telegraphieren solche Sache , manches wird besser , aber manches wird auch schlechter , und die feinere Sitte leidet nun schon ganz gewiß . Schon die Form , die Abfassung . Kürze soll eine Tugend sein , aber sich kurz fassen heißt meistens auch , sich grob fassen . Jede Spur von Verbindlichkeit fällt fort , und das Wort Herr ist beispielsweise gar nicht mehr anzutreffen . Ich hatte mal einen Freund , der ganz ernsthaft versicherte : Der häßlichste Mops sei der schönste ; so läßt sich jetzt beinahe sagen , das gröbste Telegramm ist das feinste . Wenigstens das in seiner Art vollendetste . Jeder , der wieder eine neue Fünfpfennigersparnis herausdoktert , ist ein Genie . « Diese Worte Dubslavs hatten sich anfänglich an die Frau von Gundermann ,