noch einmal sagen , deshalb können sie alles geben , weil sie alles haben und nichts brauchen . « » Aber sie müssen sich doch kleiden . « » Kleiden ? I bewahre . Die kleiden sich nicht . Sie haben ein Kleid , und das dauert dreißig Jahre . Sie ziehen sich bloß an ; natürlich , denn auf Eva im Paradiese sind sie nicht eingerichtet ... Aber da kommt ja die Leber ; riecht köstlich , delikat . Und nun , Kinder wollen wir teilen : Mutter Mittelstück , weil das das weichste ist , Therese rechte Spitze , ich linke Spitze , Sophie und Manon ... « » Ach , Leo , mache doch keine Komödie . Du weißt ja doch , daß du das Ganze kriegst . So warst du immer , du willst dich nett machen , wo du nicht beim Worte genommen wirst . « » Gib hier nicht Aufschlüsse über meinen Charakter , Sophie , gib mir lieber eine Semmel zu der Leber , sie ist sonst zu fett . Und mit der Verwandtschaft hab ich doch recht ; keine Stiftsdame , keine Muhme , keine Base , keine Tante , kaum eine Cousine , wenigstens keine richtige - man möchte rasend werden , sagt Mephisto irgendwo . Kennst du Mephisto , Mutter ? « » Natürlich kann ich ihn . Ihr Poggenpuhls denkt immer , ihr habt die Weisheit allein und alles wie durch Inspiration . Denn von der Schule her habt ihr doch eigentlich gar nichts . Und nun gar du , Leo . Wenn ich an deine Zensuren denke . Mit Wendelin war das was andres . Aber warum ? weil er ins Püttersche schlägt . « » Ach , Mutter , du bist schon die Beste ; wenn wir dich nicht hätten ! Und ich glaube auch beinahe , daß uns die Pütters über sind . Bloß in einem sind sie uns ganz gleich , sie haben auch nichts , und das ist mein Schmerz . Ach , Mama , nirgends Geld , nirgends Rückendeckung , und dazu jung und ein Leutnant ; - eine ganz verdeubelte Geschichte . Und dabei habe ich euch aufgefordert , mit zu Helms zu kommen und dann in die Reichshallen . « » Er ist unverbesserlich « , lachte Sophie . » Was soll das nun wieder ! Erstens bist du unser Gast , der nichts als die Honneurs zu machen braucht . Und das Ritterliche wirst du doch wohl für uns übrig haben . « » Gott , Mädels , seid ihr gut . Und so aufgeklärt und begreift , daß es nicht anders sein kann , und ich bleibe in eurer Liebe und Achtung . Das hoffe ich wenigstens , sonst würde ich es nicht annehmen . Und nun , denk ich , gehen wir . Mama , du kommst doch mit ? « » Nein , Leo . Eine Person mehr macht schon immer was aus . Und dann mein Mantel , wenn wir in einem Lokal sitzen , ist auch nicht mehr gut genug . « » Ach , das ist ja gleich , Mutter . « » Und dann hab ich so leicht das Reißen hier , und man weiß nie , welchen Platz man kriegt und ob es nicht gerade zieht . Und wenn ich den Zug kriege , dann krieg ich auch meinen Rheumatismus und muß ins Bett . Und wenn ich den Rheumatismus nicht kriege , dann krieg ich meine Kolik , und das ist noch schrecklicher . « Viertes Kapitel Leo , der den Weihnachtsmarkt und Helms und die Reichshallen wirklich besucht und sich dann schließlich vor dem Bartensteinschen Hause von den beiden jüngeren Schwestern , die er bis dahin begleitet , verabschiedet hatte , war bald nach neun wieder zu Haus , wo er nun , so ging wenigstens sein Plan , mit der Mutter und Therese weidlich plaudern und über seine Berliner Eindrücke berichten wollte , denn er gehörte zu den Glücklichen , die , sowie sie den Fuß auf die Straße setzen , immer was erleben oder sich wenigstens einbilden , was erlebt zu haben . Er traf es daheim aber anders als erwartet : Therese war in die Stadt gegangen , um noch ein paar Kleinigkeiten für den Geburtstagstisch der Mama zu kaufen , und diese selbst , wie er von Friederike gleich auf dem Korridor erfuhr , war schon zu Bett . » Hm « , brummte er und schickte sich , weil ihm nichts andres übrigblieb , eben zu stillem Meditieren in einer Sofaecke an , als die Mama ihm sagen ließ , er solle nur an ihr Bett kommen und ihr was erzählen . Das war ihm denn allerdings erheblich lieber , als , wie er sich ausdrückte , » unter Betrachtung seines Innern « auf Therese zu warten . » Ist dir schlecht , Mama ? « » Nein , Leo , schlecht eigentlich nicht . Ich habe mich nur hingelegt , weil ich morgen doch ein bißchen bei Kräften sein will . Nimm dir einen Stuhl und rücke ran und dann hole die Lampe , daß ich dich immer vor mir habe . Denn du hast ein gutes Poggenpuhlsches Gesicht , und wenn dann was kommt , was nicht stimmt , so kann ich es dir immer gleich ansehen und mir meinen Vers danach machen . « » Ach , Mama , du denkst immer , ich mache Flausen ; aber es ist nicht so schlimm damit . Ich habe nicht mal Talent dazu ; ich übertreibe bloß ein bißchen . « » Ist schon recht . Und du warst auch immer mein Liebling , und die andern haben es dir auch gegönnt . Aber du bist so leichtsinnig und denkst immer , es wird sich schon finden . Und sieh , das ängstigt mich . Was finden ! Wie soll sich denn was finden , wo soll es denn herkommen ? Es ist ja