, daß Paul anfangen sollte , in die Schule zu gehen . - Die Mutter wurde sehr traurig und bat , ihn doch noch ein halbes Jahr daheimzulassen , damit sie sich nicht allzusehr nach den beiden Ältesten bange , sie wolle ihn selber unterrichten und weiter bringen , als der Lehrer es vermöchte . Aber der Vater wollte nichts davon wissen und schalt sie eine Tränenliese . Paul bekam einen Schreck . - Die Sehnsucht nach der Schule , die ihn früher stets erfüllt hatte , war ganz verschwunden ; freilich , jetzt waren ja auch die Brüder nicht mehr da , denen er nachzueifern hatte . Am nächsten Tage nahm der Vater ihn bei der Hand und führte ihn ins Dorf hinüber , dessen erste Häuser etwa zweitausend Schritt von dem Meyhöferschen Grundstück entfernt lagen . Immerhin ein tüchtiges Stück Weges für einen so kleinen Burschen . Aber Paul hielt sich wacker . Er hatte so große Furcht , vom Vater Schläge zu bekommen , daß er bis an das Weltende marschiert wäre . Die Schule war ein niedriges , strohbedecktes Gebäude , nicht viel anders wie ein Bauernhaus , aber daneben standen allerhand hohe Stangen mit Leitern und Gerüsten . » Daran werden die faulen Kinder aufgehängt , « erklärte der Vater . Pauls Angst erhöhte sich noch ; als aber der Lehrer , ein freundlicher , alter Mann mit weißen Bartstoppeln und einer fettigen Weste , ihn zu sich aufs Knie nahm und ihm ein schönes , buntes Bilderbuch zeigte , da wurde er wieder ruhig , nur die vielen fremden Gesichter , die von den Bänken her nach ihm hinstarrten , schienen ihm nichts Gutes zu bedeuten . Er erhielt den letzten Platz und mußte zwei Stunden lang Grundstriche auf die Schiefertafel malen . In der Zwischenpause kamen die großen Jungen an ihn heran und fragten nach seinem Frühstücksbrote , und als sie sahen , daß es mit Schlackwurst belegt war , nahmen sie es ihm fort . Er ließ sich das ruhig gefallen , denn er glaubte , es müsse so sein . Beim Nachhausegehen prügelten sie ihn , und einer stopfte ihm Nesseln in den Halskragen . Er glaubte , auch das müsse so sein , denn er war ja der Kleinste ; aber als er die Häuser des Dorfes hinter sich hatte und einsam auf der sonnbeglänzten Heide daherging , da fing er zu weinen an . Er warf sich unter einem Wacholderbusch nieder und starrte zum blauen Himmel in die Höhe , wo die Schwalben hin und her schossen . » Ach , wenn du doch auch so fliegen könntest ! « dachte er , - da fiel das » weiße Haus « ihm ein . Er richtete sich auf und suchte es mit den Augen . Wie das verzauberte Schloß , von welchem die Mutter in ihren Märchen zu erzählen wußte , strahlte es zu ihm herüber . Die Fenster glitzerten wie Karfunkelsteine , und die grünen Büsche wölbten sich ringsum wie eine hundertjährige Dornenhecke . In seinen Schmerz mischte sich ein Gefühl des Stolzes und des Selbstbewußtseins . » Du bist nun groß , « sagte er sich , » denn du gehst ja in die Schule . Und wenn du jetzt die Wanderschaft antreten wolltest , kann niemand etwas dagegen haben . « Und dann kam wieder die Angst über ihn . Der böse Bulle und die tollen Hunde - man kann ja nicht wissen . Er beschloß , sich die Sache bis zum nächsten Sonntage zu überlegen . Aber das » weiße Haus « ließ ihm fortan keine Ruhe . Jedesmal , wenn er über die Heide ging , fragte er sich , was denn eigentlich an jenem Wege Schlimmeres wäre als an dem nach der Schule . Freilich , die Fahrstraße - die lief durch einen dunklen Fichtenwald , und in solchen Wäldern hausen allerhand Zwerge und Hexen , auch Wölfe kommen nicht selten darin vor , wie die Geschichte vom Rotkäppchen zeigt , aber wenn er quer über die Wiese ging , dann behielt er das Heimathaus stets in den Augen und konnte des Rückweges sicher sein . Der Gang erschien ihm wie eine Ehrenpflicht , die er jetzt , da er » groß « sei , zu erfüllen habe , und wenn die Angst aufs neue in ihm erwachte , schalt er sich einen Feigling . Dies Wort galt in der Schule als eine große Beschimpfung . Als der Sonntag kam , war er entschlossen , die Fahrt zu wagen . Er schlich sich um den Zaun herum und lief , so rasch er laufen konnte , über die väterlichen Wiesen in der Richtung nach dem » weißen Hause « zu . Dann kam ein Zaun , der mit leichter Mühe zu überklettern war , und dann ein Stück fremden Heidelandes , auf dem er noch nie gewesen war . Aber auch hier gab es nichts Gefährliches . Das Heidekraut glänzte im Sonnenschein , die welken Katzenpfötchen knisterten zu seinen Füßen , ein warmer Wind strich ihm entgegen . Er versuchte zu pfeifen , aber er mußte noch immer die Luft einziehen , um einen Ton zu erzeugen . Darüber schämte er sich , und ein kleinmütiges Gefühl bemächtigte sich seiner . Dann kam ein sumpfiges Moor , das wiederum seinem Vater gehörte . Der sprach oft davon . Er ging mit dem Gedanken um , Torf darin zu stechen , aber er wollte die Sache nur im Großen beginnen , und dazu fehlten ihm die nötigen Gelder . Paul sank bis an die Knöchel im Sumpfe ein , und jetzt erst kam er auf den Gedanken , daß er die neuen Stiefel vielleicht beschmutzen würde . Er erschrak , denn er erinnerte sich der Worte der Mutter : » Schone sie sehr , mein Junge , ich habe sie von meinem Milchgelde abgespart . « Auch den schönen Samtrock trug er , weil es eben Sonntag war . Er besah die glänzenden Seidenschnüre