ist . « Pavel geriet in Eifer : » Ich weiß , daß er kein Hexenmeister ist . « Das Mädchen warf verächtlich die Lippe auf . » Du Dummrian ! Er war drei Tage tot und im Sarge . War er nicht ? Und weiß nicht jedes Kind , daß einer , der drei Tage tot gewesen ist , in die Vorhölle hineingeschaut und dem Teufel eine Menge abgelernt hat ? « Pavel starrte sie sprachlos an , ihm begann zu gruseln . Sie gähnte , drückte die Wange an die emporgezogene Schulter und sagte nach einem Weilchen so nachlässig , als ob sie eine ihr langweilig gewordene , hundertmal erzählte Geschichte wiederhole : » Der alten blinden Marska , die im vorigen Jahr bei uns gestorben ist , hat er auch ein Paar Schuhe geschenkt . Sie hat sie am Abend vors Bett gestellt , und wie sie am Morgen hineinfahren will , tritt sie statt in die Schuh auf eine Kröte , so groß wie eine Schüssel . « Pavel schrie auf : » Das ist nicht wahr ! « Heiß und kalt wurde ihm vor Zorn und Angst , und plötzlich schossen Tränen ihm in die Augen . Vinska streifte ihn mit einem Blick voll Geringschätzung und kehrte in die Stube zurück . An dem Abend suchte Pavel sich des Schlafes zu erwehren , er wollte seinen Schatz bewachen , er betete auch ein Vaterunser nach dem andern , um die bösen Geister zu bannen . Trotzdem sank er endlich doch in Schlummer , und als er am nächsten Morgen erwachte , hatte Vinskas Prophezeiung sich erfüllt - die Stiefel waren verschwunden . 4 Pavel verlor kein Wort über sein Unglück . Als Vinska ihn schelmisch lachend fragte , wo seine Stiefel wären , führte er einen so derben Schlag nach ihr , daß sie schreiend davonlief . Auch die Erkundigungen seiner Schulkameraden fertigte er mit Püffen ab ; die ärgsten erhielt Arnost , der ihn dafür beim Lehrer verklagte . Damit war aber nichts getan , denn es gehörte zu den Eigentümlichkeiten des letzteren , daß er gleich stocktaub wurde , wenn einer seiner Zöglinge sich über den andern beschwerte . Eine Woche verfloß , Pavel erschien nicht mehr in der Schule ; er ging aus freien Stücken in die Fabrik und arbeitete dort von früh bis abends . Mehrmals schickte der Lehrer nach ihm , und da es vergeblich blieb , begab er sich endlich in eigener Person nach der Wohnung Virgils , um den Buben abzuholen . Das Weib des Hirten empfing ihn und verblüffte ihn , bevor er noch den Mund auftun konnte , durch die lauten Ausbrüche ihres Jammers . Nach fünf Minuten war dem Lehrer , als ob er unter einer Traufe stände , aus der statt Regentropfen Schrotkörner auf ihn niederhagelten . Ihm wurde ganz wirr in seinem müden und schmerzenden Kopf . Die Frau rief Gott und alle Heiligen zu Zeugen ihrer Leiden an . Nein , sie hatte nicht geahnt , was sie sich aufhalste , als sie dareingewilligt , das Kind des Gehenkten und der Zuchthäuslerin bei sich aufzunehmen . Viel war ihr im Leben schon begegnet , aber etwas so Schlechtes wie der Bub noch nie . Jedes Wort aus seinem Munde ist Trug und Verleumdung . Erzählt er nicht , daß seine Pflegeeltern ihn abhalten , in die Schule zu gehen , und daß sie den Wochenlohn einstecken , den er in der Fabrik verdient ? Von Entrüstung hingerissen , setzte sie hinzu , die bösen Augen weit geöffnet und bedeutungsvoll auf den Alten gerichtet : » Redet er nicht noch ganz anderen als uns armen Leuten , mit Respekt zu melden , grausige Dinge nach ? « Der Lehrer hatte sein Taschentuch gezogen und drückte es an den kahlen Scheitel . Er kannte die Gerüchte , die über ihn im Schwange waren , und es bildete den Zwiespalt in ihm , daß sie ihn manchmal verdrossen und daß er sich ein anderes Mal einen Spaß daraus machte , sie zu nähren . Heute war das erstere der Fall ; er winkte abwehrend : » Still still ! Halte Sie ihr Maul . « » O Jesus Maria , ich ! « rief das Weib , » ich red nicht ! ich möcht mir lieber die Zunge abbeißen ... Keinen Pfifferling sollten sich der Herr Lehrer mehr kümmern um den schlechten Buben , sag ich nur ... Die schönen Stiefel ! Nicht zwei Tage hat er sie gehabt . « » So , wo sind sie ? « Die Virgilova ( wie sie im Ort genannt wurde ) ergoß sich in einem neuen Redeschwall : Wo die Stiefel geblieben seien , müsse der Herr Lehrer den Juden fragen , dem der Bub sie vermauschelt habe . Der Jud werde freilich nichts davon wissen wollen , zeterte sie , und Habrecht , völlig betäubt , hielt sich die Ohren zu und trat den Rückzug an . Nach einigen Schritten jedoch blieb er stehen , wandte sich und befahl der Frau , Pavel morgen ganz gewiß in die Schule zu schicken . Sie versprach , den Auftrag zu bestellen , und tat es , indem sie Pavel am Abend mitteilte , der Herr Lehrer sei dagewesen und ließe ihm sagen , nicht mehr unter die Augen solle er ihm kommen . Die Ermahnung war überflüssig ; Pavel wich ohnehin dem Schulmeister auf hundert Schritte aus . Der Vinska hingegen lief er nach und gehorchte ihr wie ein knurriger Hund , der , unzufrieden mit seinem Herrn , immer zum Aufruhr bereit ist und sich doch immer wieder unterwirft . Was sie wollte , geschah ; er besorgte ihre Botengänge ; er stahl für sie Holz aus dem Walde , Eier aus den Scheunen der Bauern ; er geriet ganz und gar unter ihre Botmäßigkeit . Indessen , was ihn auch beschäftigte , wohin er auch wanderte - eines vergaß er nicht ; einen Umweg scheute er