Stück von dem rötlichen Fleisch hineingelegt ; er hatte gedacht , vielleicht gefalle es dem Herrn droben auf der Weide und er nehme dann gern sein Mittagsmahl gleich dort mit den Kindern ein . Der Peter lächelte fast von einem Ohr bis zum andern , denn er ahnte , daß da drinnen etwas Ungewöhnliches versteckt sei . Nun wurde die Bergfahrt angetreten . Das Heidi wurde ganz von seinen Geißen umringt , jede wollte zunächst bei ihm sein , und eine schob die andere immer ein wenig seitwärts . So wurde es eine Zeit lang mitten in dem Rudel mit fortgeschoben . Aber jetzt stand es still und sagte ermahnend : » Nun müßt ihr artig vorauslaufen , aber dann nicht immer wieder kommen und mich drängen und stoßen ; ich muß jetzt ein wenig mit dem Herrn Doktor gehen . « Dann klopfte es dem Schneehöppli , das sich immer am nächsten zu ihm hielt , zärtlich auf den Rücken und ermahnte es noch besonders , nun recht folgsam zu sein . Dann arbeitete es sich aus dem Rudel heraus und ging nun neben dem Herrn Doktor her , der es gleich bei der Hand faßte und festhielt . Er mußte jetzt nicht mit Mühe nach einem Gespräch suchen wie vorher , denn das Heidi fing gleich an und hatte ihm so viel zu erzählen von den Geißen und ihren merkwürdigen Einfällen und von den Blumen oben und den Felsen und Vögeln , daß die Zeit unvermerkt dahinging und sie ganz unerwartet oben auf der Weide anlangten . Der Peter hatte im Hinaufgehen öfters seitwärts auf den Herrn Doktor Blicke geworfen , die diesem einen rechten Schrecken hätten beibringen können ; er sah sie aber glücklicherweise nicht . Oben angelangt , führte das Heidi seinen guten Freund gleich auf die schöne Stelle , wohin es immer ging und sich auf den Boden setzte und umherschaute , denn da gefiel es ihm am besten . Es tat , wie es gewohnt war , und der Herr Doktor ließ sich gleich auch neben das Heidi auf den sonnigen Weidboden nieder . Ringsum leuchtete der goldene Herbsttag über die Höhen und das weite , grüne Tal . Von den unteren Alpen tönten überall die Herdenglocken herauf , so lieblich und wohltuend , als ob sie weit und breit den Frieden einläuteten . Auf dem großen Schneefeld drüben blitzten funkelnd und flimmernd goldene Sonnenstrahlen hin und her , und der graue Falknis hob seine Felsentürme in alter Majestät hoch in den dunkelblauen Himmel hinauf . Der Morgenwind wehte leise und wonnig über die Alp und bewegte nur sachte die letzten blauen Glockenblümchen , die noch übrig geblieben waren von der großen Schar des Sommers und nun noch wohlig ihre Köpfchen im warmen Sonnenscheine wiegten . Obenhin flog der große Raubvogel in weiten Bogen umher , aber er krächzte heute nicht ; mit ausgebreiteten Flügeln schwamm er ruhig durch die Bläue und ließ sich ' s wohl sein . Das Heidi guckte dahin und dorthin . Die lustig nickenden Blumen , der blaue Himmel , der fröhliche Sonnenschein , der vergnügte Vogel in den Lüften , alles war so schön , so schön ! Heidis Augen funkelten vor Wonne . Nun schaute es nach seinem Freunde , ob er auch alles recht sehe , was so schön war . Der Herr Doktor hatte bis jetzt still und gedankenvoll um sich geblickt . Wie er nun den freudeglänzenden Augen des Kindes begegnete , sagte er : » Ja , Heidi , es könnte schön sein hier ; aber was meinst du ? Wenn einer ein trauriges Herz hierher brächte , wie müßte er es wohl machen , daß er an all dem Schönen sich freuen könnte ? « » O , o ! « rief das Heidi ganz fröhlich aus ; » hier hat man gar nie ein trauriges Herz , nur in Frankfurt . « Der Herr Doktor lächelte ein wenig ; aber das ging schnell vorüber . Dann sagte er wieder : » Und wenn einer käme und alles Traurige aus Frankfurt mit hier herauf brächte , Heidi ; weißt du da auch noch etwas , das ihm helfen könnte ? « » Man muß nur alles dem lieben Gott sagen , wenn man gar nicht mehr weiß , was machen « , sagte das Heidi ganz zuversichtlich . » Ja , das ist schon ein guter Gedanke , Kind « , bemerkte der Herr Doktor . » Wenn es aber von ihm selbst kommt , was so ganz traurig und elend macht , was kann man da dem lieben Gott sagen ? « Das Heidi mußte nachdenken , was dann zu machen sei ; es war aber ganz zuversichtlich , daß man für alle Traurigkeit eine Hilfe vom lieben Gott erhalten könne . Es suchte seine Antwort in seinen eigenen Erlebnissen . » Dann muß man warten « , sagte es nach einer Weile mit Sicherheit , » und nur immer denken : jetzt weiß der liebe Gott schon etwas Freudiges , das dann nachher aus dem anderen kommt , man muß nur noch ein wenig still sein und nicht fortlaufen . Dann kommt auf einmal alles so , daß man ganz gut sehen kann , der liebe Gott hatte die ganze Zeit nur etwas Gutes im Sinn gehabt ; aber weil man das vorher noch nicht so sehen kann , sondern immer nur das furchtbar Traurige , so denkt man , es bleibe dann immer so . « » Das ist ein schöner Glaube , den mußt du festhalten , Heidi « , sagte der Herr Doktor . Eine Weile schaute er schweigend auf die mächtigen Felsenberge hinüber und in das sonneleuchtende , grüne Tal hinab , dann sagte er wieder : » Siehst du , Heidi , es könnte einer hier sitzen , der einen großen Schatten auf den Augen hätte , so daß er das Schöne gar nicht aufnehmen könnte , das ihn hier umgibt . Dann möchte doch