nehmen - das wäre schon gut , aber - so plötzlich , so ohne weiteres ? Ich bin ihm Dank schuldig , er hat immer Rücksicht auf mich genommen , mich nie ohne Arbeit gelassen , immer gut und rasch bezahlt . « » Rasch ja , gut - nein . Mache dir keine Sorgen . Ich habe den Herrn bereits darauf vorbereitet , daß er jetzt seine beste Arbeiterin verliert . Wie leid ihm ist , mag Gott wissen , aber begreiflich muß er ' s finden , daß du dich von nun an für niemanden mehr plagen wirst als für mich , was soviel heißt als für dich selbst , denn - nicht wahr ? ... « Er war plötzlich in heiße Verlegenheit geraten und stockte . » Oh « , nahm er bald wieder das Wort , » da hätte ich beinahe vergessen ! Der Herr bittet dich nur noch um einen letzten Freundschaftsdienst . Du möchtest so gut sein , diese Uhr anzusehen . Ist sehr fein , sagte er , hat dein Lieblingsechappement . « » Duplex also . « » Jawohl . Er weiß gerade keinen Arbeiter , dem er sich getraut , sie in die Hand zu geben . Überdies hat ' s Eile . Morgen abend möchte er sie wiederhaben . « Gottfried stellte ein hölzernes , mit Messing eingelegtes Kästchen vor Lotti hin . Die wandte demselben den Blick eines teilnehmenden Arztes für einen Patienten zu und fragte : » Was fehlt denn ? « » Weiß nicht « , erwiderte Gottfried , » aber ich glaube , nicht viel . Der Herr hat mir eine lange Geschichte erzählt , er hat die Uhr von einem , der sie aus Leichtsinn oder aus Not losschlug , um ein Spottgeld . Will sie jetzt sehr teuer verkaufen , deshalb sollst du die Herstellung besorgen . Er schwatzte ein langes und breites , ich habe nicht zugehört . Es wäre auch überflüssig gewesen , nachdem ich wußte , was mich dabei anging . « Lotti , die das Kästchen nicht mehr aus den Augen gelassen , hatte es geöffnet und dann auch - mit seltsamer Spannung und Hast - die Uhr , welche darin gelegen . Unverwandt starrte sie den Namen F. Alexi & amp ; Sandoz frères auf der Küvette und die Zahl an , die darunterstand . » Verkauft - wie sagtest du ? - aus Leichtsinn oder aus Not « , sprach sie gepreßten Tones . » Freilich , freilich « , versetzte er , lehnte sich tiefer in das Fenster zurück , sah auf den Boden nieder und schien ernstlich und scharf nachzudenken . » Du wirst mich doch heute im Geschäft besuchen ! « rief er plötzlich aus . Lotti nickte bejahend ; sie hatte bereits begonnen , die Uhr zu zerlegen . » Das Schild ist noch nicht aufgemacht « , fuhr Gottfried langsam und zögernd fort , » aber fertig ist es schon . Es wird nicht aufgemacht , bevor du die Erlaubnis dazu gibst . « Er hielt inne , er wartete , aber vergeblich . Lotti schwieg , und so hub er denn nach abermaliger Pause von neuem an : » Denk nur , welche Freiheit ich mir genommen - denk nur - ich habe auf das Schild schreiben lassen ... wie gesagt , oder nicht gesagt , auf jeden Fall , wie selbstverständlich - es kann geändert werden , wenn du es wünschest ... « Jetzt erst wagte er es wieder , sie anzusehen . Sie war ganz versunken in ihre Arbeit - eine unbegreiflich schwere Arbeit für sie , die Meisterin ! Ihre sonst so sichere Hand zitterte , ihr Gesicht war hochgerötet , eine mühsam unterdrückte Erregung gab sich in ihrem ganzen Wesen kund . Was ist ihr denn ? dachte Gottfried . - Ahnt sie , was er ihr zu sagen hat , und versetzt sie das in eine Befangenheit , die aussieht wie Bestürzung ? Wär ' s doch so ! dann nimmt sie wenigstens die Sache ernst , und er braucht nicht zu fürchten , mit einem Scherze heimgeschickt zu werden , das Ärgste , was ihm geschehen könnte , dem alten Menschen . Ihre sichtbare Unruhe befreit ihn von dieser Sorge und zugleich von aller Ängstlichkeit . Er atmet auf und spricht mit einem gewissen unbeholfenen Humor , dabei aber höchst bedeutsam und nachdrücklich : » Es wäre schade , wenn an dem Schilde etwas geändert werden müßte ; es ist sehr hübsch ausgefallen ... Macht sich wirklich gut , auf glänzend schwarzem Grund , das G. & amp ; L. Feßler ... G. und L .... Gottfried und Lotti ... « Ihre Stirn glühte , ihre Wangen brannten , sie beugte sich tiefer über ihre Arbeit und wiederholte mechanisch und ausdruckslos : » Gottfried und Lotti ? « Nein ! Ihre Gedanken waren nicht bei ihm . In der Weise hätte sie ebensogut fremde Namen ausgesprochen . Die Worte , die sie vernommen , waren an ihr Ohr gedrungen , die schüchterne , inständig bittende Frage , die in ihnen lag , nicht an ihr Herz ... Jetzt trat von allen Pausen , die während dieses Gespräches gemacht wurden , die längste ein . Still war ' s im Zimmer , nichts hörbar als das Ticken der vielen Uhren und endlich ein tiefer , tiefer Seufzer aus Gottfrieds Brust . Lotti erhob den Blick und sah trotz des feuchten Schleiers , der sich vor ihre Augen gelegt hatte , den Ausdruck leidvoller Enttäuschung in seinen Zügen . » Was ist dir , Gottfried ? « sprach sie . » Du hörst mich nicht an « , entgegnete er unmutig . Sie nahm sich mit Gewalt zusammen : » Doch , ich habe alles gehört . « » Hast du ? Wirklich ? und - hast nichts einzuwenden ? ... Es ist dir recht - du weißt ... « » Es ist mir recht , gewiß .