seines Glasverschlages in den ebenerdigen Geschäftslokalitäten nicht zu erblicken , aber » am Namenstage der Faulenzer « , wie er den Sonntag nannte , gönnte auch er sich eine kleine Erholung . Da kam er gegen Abend staubig wie eine Ofenfigur aus seiner Höhle hervorgekrochen und nahm Platz in einer der Mauernischen des Torweges , die wohl ursprünglich zur Aufnahme einer Statue oder einer Blumenvase bestimmt sein mochten . Er zündete seine Pfeife an und meinte nun , er schmauche im Freien . Regelmäßig stellte sich Bozena bei ihm ein , er nickte ihr zu und sagte : » Muß mir ein bißchen die Bummler ansehen . « - » Muß Ihnen ein bißchen helfen « , erwiderte sie . In Wahrheit aber machten sich beide aus den Bummlern nichts . Gewöhnlich erschien Bozena in ihren Hauskleidern , die Festgewänder legte sie nach dem Kirchenbesuche ab , und sich nach beendetem Tagewerk noch einmal in Staat zu werfen , war ihr nicht der Mühe wert . Auch in ihrer Einfachheit gefiel sie ihren zahlreichen Anbetern nur zu wohl und hatte ohnedies genug zu tun , die Zudringlichsten in respektvoller Entfernung zu halten . Herr Weberlein war nicht wenig erstaunt , als sich Bozena eines Sonntags prächtig angetan zum Nachmittagsgeplauder einfand . Sie kam langsam , in Gedanken versunken , die Treppe herab . Ihre rechte Hand glitt das Geländer entlang , den Rücken der linken hielt sie fest an den Mund gedrückt . Das runde Häubchen mit den flatternden Bändern saß wundergut auf dem reichen Haar mit seinem schwarzblauen Glanze . Eine Korallenschnur umfaßte den kräftigen und geschmeidigen Hals , über die Brust war ein schneeweißes Tuch gekreuzt . Kurze , bauschige Ärmel ließen die wohlgeformten Arme frei . Ein Rock von broschiertem , dunkelgrünem Damast fiel in schweren Falten bis zu den Knöcheln nieder , eine seidene Schürze , bunt gestickte Strümpfe und glänzende Schnallenschuhe vervollständigten den halb städtischen , halb ländlichen nagelneuen Anzug . Der Tausend ! sie war schön und majestätisch anzusehen in dieser Pracht , die mächtige Gestalt . Weberlein betrachtete sie vergnügt , kauerte sich tiefer in seine Nische und murmelte : » Sauber ! Sauber ! « Bozena stand nun vor ihm und grüßte mit einem Anfluge von Verlegenheit . » Sapperlot « , sprach der Alte , » das ist ja schön von Ihnen , daß Sie sich auch einmal mir zu Ehren in Parade versetzt haben . « » Ihnen zu Ehren doch nicht « , antwortete sie . Er schlug ein Schnippchen , als wollt er sagen : Sie haben gut leugnen , ich weiß , was ich weiß . Bozenas Gesicht bedeckte sich mit hoher Röte , und sie sprach leise , aber resolut : » Es ist heut Tanz beim Grünen Baum , da geh ich hin . « Der Blick , den Weberlein jetzt auf sie warf , bewies , daß es möglich sei , zugleich Mitleid und Verachtung auszudrücken . Sein unproportioniert großes Kinn bewegte sich ein paarmal hin und her in der hohen , halbmilitärischen Krawatte , in der es endlich zur Hälfte verschwand , und er rief : » Sie sind , scheint mir - närrisch ! « Bozena erwiderte nichts . Sie hatte die Arme gekreuzt , lehnte sich an die Wand und blickte stumm und trotzig vor sich nieder . Auf dem Platze wurde es immer lebendiger . Dem heißen Sommertage war ein erquickender Abend gefolgt ; ihn zu genießen strömte die schöne Welt der Stadt der Promenade zu . Unter denen , die am Hause vorüberkamen , dünkten sich nur wenige zu vornehm , um dem Vertrauensmanne Herrn Heißensteins einen Gruß zuzurufen ; so mancher blieb stehen und wechselte mit ihm einige Worte . Auch Bekannte Bozenas kamen - stille Verehrer , die es nicht auszusprechen wagten , wie begehrenswert ihnen die rüstige Jungfrau mit ihrem Fleiß und Geschick und mit ihren , wie man wußte , ansehnlichen Sparpfennigen erschien ; kühne Bewerber , die sie heimzuführen hofften , wenn nicht gleich , so doch sicherlich dann , wenn einmal Fräulein Rosa wegheiraten würde aus dem väterlichen Hause . Auch einige hübsche Mädchen , bestens geschmückt zum heutigen Tanze , fanden sich ein und vergrößerten den Halbkreis , der sich um Bozena gebildet hatte wie um eine Audienz erteilende Königin . So war schon eine ziemlich zahlreiche Gesellschaft im Torwege versammelt . Und jetzt trat aus dem gegenüberliegenden , vom Kreishauptmann Grafen Kühnwald bewohnten Hause ein junger Mann , auf den sich sofort die allgemeine Aufmerksamkeit richtete . Die Mädchen stießen einander an und kicherten , die Männer zuckten die Achseln ; ein Schreiberlein in einem schäbigen Rocke , den nur der Umstand zum Sonntagsrocke stempelte , daß er einst schwarz gewesen war , sagte mit einem Ausdruck von schlecht verhehltem Neide : » Da kommt Bernhard der Pfau ! « » Dann wird auch die Gräfin nicht weit sein « , ließ eine Mädchenstimme sich vernehmen . Und wirklich , die sogenannte Gräfin schritt eben über den Platz . Sie war eine stattliche Bauerntochter , die reichste und umworbenste aus dem nahen Dorfe , das gleichsam die Vorstadt Weinbergs bildete . Begleitet von ihrer Sippe begab sie sich zum Tanze . Der junge Mann näherte sich ihr und schien eine Frage an sie zu stellen . Die Dorfgräfin nickte gnädig und setzte ihren Weg fort , indessen er auf das Haus Heißenstein zuschritt . Ein schlanker Bursche war ' s , in der kleidsamen Montur eines herrschaftlichen Büchsenspanners , im dunkelgrünen Rock mit Aufschlägen von Samt , silbernen Wappenknöpfen und Achselschnüren , ein schmuckes Mützchen auf den braunen , dichten , kurz gehaltenen Locken . Seine Haltung war vornehm und frei , das Gesicht fein geschnitten ; Siegesgewißheit in jeder Miene und Bewegung , kam der Bursche heran , und kindische Freude an sich selbst leuchtete ihm aus den Augen . Er grüßte die Gesellschaft mit der herablassenden Freundlichkeit eines gutsituierten Mannes gegen geringe Leute . Dem Kommis gegenüber äußerte er