hatte noch Freude gehabt an meiner neuen Lebensbahn , die sie aber nicht begriff . Das Heimatshaus war den Gläubigern verfallen , sie starb nach jahrelangem Siechtum in einem Ausgedinghäuschen , das einsam zwischen Wäldern stand . Mein Vater zog später ins Mürztal , wo ihm nach mancherlei neuerlichen Drangsalen ein freundlicheres Daheim gegeben wurde . Einige Zeit nach dem Tode der Mutter hatte es den Anschein , als wenn ich das Siechtum von ihr geerbt hätte . Ich kränkelte , konnte auf keine hohen Berge steigen und war schwerfällig in meinen Studien und Arbeiten . Heckenast lud mich auf sein Landgut zur Erholung . Aber dort wurde mir trotz der allerbesten Pflege und liebevollsten Behandlung noch übler , und schon nach wenigen Tagen mußte ich meinem Freunde gestehen , daß ich Tag und Nacht keinen Frieden hätte , daß ich heim müsse ins Waldhaus . Da fuhr Heckenast selbst mit in die Steiermark herein und um reiste , um mich zu zerstreuen , mit mir in Kreuz und Quer durch das schöne Land . In demselben Sommer war es , als mir auf dem Waldwege nach meiner Heimat Alpel etwas Außerordentliches begegnete . Nämlich ein zwanzigjähriges Mädchen aus Graz , das mit seiner Freundin eine Bergpartie nach Alpel machte , um das Geburtshaus des Lieblingspoeten zu sehen . Sie glaubte mich auf einer Reise in weiten Landen und hatte mich vorher auch nicht persönlich gekannt . Die Liebe hat mich in meiner Jugend oft geneckt , und ich sie , wie es in meinen Schriften sattsam zu sehen . Aber als sie plötzlich da war , wirklich erschien - da war sie mir unerhört neu und gewaltig . - Die Folge jener Begegnung auf dem Waldwege ist , daß ein Jahr später ( 1873 ) im Waldkirchlein Mariagrün bei Graz Anna Pichler und ich uns fürs Leben die Hände reichen . Nun kam für mich eine glückliche Zeit . Ich war wieder gesund . Wir führten ein ideal schönes häusliches Leben in Graz . Anna war die echte Weiblichkeit und Sanftmut , und ihre weiche heitere Seele regte mich zu den besten poetischen Schöpfungen an , deren mein begrenztes Talent überhaupt fähig war . In jenen zwei Jahren sind auch » Die Schriften des Waldschulmeisters « entstanden . Nach einem Jahre wurde uns ein Söhnchen geboren , in welchem sich unser Glück zur denkbarsten Höhe steigerte . Im zweiten Jahre kam ein Töchterlein , und zwölf Tage später ist mir mein Weib gestorben . Ich begann wieder zu reisen , aber allemal schon nach kurzer Zeit zog ' s mich zu den Kindern zurück . Ich begann wieder zu kränkeln ; zu größeren Arbeiten fehlte mir die Stimmung , und doch mußte ich nach einer strengeren , zerstreuenden Tätigkeit suchen . Nun fiel mir damals ein alter Lieblingsplan ein , eine Monatsschrift für das Volk herauszugeben , mit der Tendenz , den Sinn für Häuslichkeit , die Liebe zur Natur , das Interesse an dem Ursprünglichen und Volkstümlichen wieder zu wecken . Ich begründete 1876 die Monatsschrift » Heimgarten « und fand an der altrenommierten Firma Leykam in Graz einen tüchtigen Verleger . Mir gelang es , die meisten meiner literarischen Bekannten und Freunde , als Robert Hamerling , Ludwig Anzengruber , Eduard Bauernfeld , Alfred Meißner , Rudolf Baumbach , August Silberstein , Friedrich Schlögl , ja die besten Autoren der Zeit überhaupt zu Mitarbeitern des neuen Blattes zu gewinnen , das heute noch besteht , geleitet von meinem Sohne Hans . Zu einer weiteren Tätigkeit veranlaßten mich verschiedene Körperschaften des In- und Auslandes , die mich einluden , in ihren Kreisen Vorlesungen aus meinen Werken in steirischer Mundart zu halten , womit ich schmeichelhafte Erfolge erzielte . Das wirkte ermunternd auf meinen Gemütszustand . ( An dreißig Jahre lang hielt ich nachher solche Vorlesungen , die endlich wegen sich steigernder Kränklichkeit aufgegeben werden mußten . ) Trotz der unterschiedlichen Obliegenheiten und Aufgaben war ich unstet und haltlos . Die Freude an meinen wohlgearteten , gedeihenden Kindern hatte zu viel Schmerz in sich . Den kleinen Haushalt führte mir eine meiner Schwestern . Vielen Dank schulde ich den Eltern meiner verstorbenen Gattin , welche mir in dieser harten Zeit liebevoll beigestanden sind . Auf tatkräftiges Anraten Heckenasts entschloß ich mich 1877 , unweit von dem mehr und mehr in Wald verfinkenden Alpel mir und den Kindern ein neues Heim zu schaffen . Ich baute in Krieglach ein kleines Wohnhaus , wo ich die Sommermonate zuzubringen pflege , während ich die Winter stets in Graz verlebe . Die Sorgen und das Vergnügen , sowie die kleinen körperlichen Arbeiten , welche das neue Häuschen verursachte , taten mir wohl . Im Jahre 1878 erfolgte der Tod meines Freundes Gustav Heckenast , nach welchem ich meine Vereinsamung neuerdings hart empfand . Ich hatte ihn jährlich mehrmals in Preßburg besucht , wohin er übersiedelt war ; er kam zu mir nach Steiermark , oder wir gaben uns in Wien ein Stelldichein . Auch standen wir in lebhaftem Briefwechsel , und seine Briefe enthalten Schätze von Herzlichkeit und Weisheit . In meiner Betrübnis über den neuen Verlust mied ich die Menschen und strebte am liebsten den finsteren Wäldern zu und schaute andererseits doch wieder nach Genossen und Freunden aus . In der Haltlosigkeit eines unsteten Gemütes war mein Tun und Lassen nicht immer zielbewußt , woraus mir manches Leid entstand - mir und anderen . - Da nahm es eine neue Wendung . In Krieglach lebte den Sommer über die Familie Knaur aus Wien , die mir mit großer Freundlichkeit entgegenkam und der ich gerne nahte . Die Anmut , sowie die Vorzüge des Geistes und des Herzens der Tochter Anna veranlaßten in mir neuerdings die Sehnsucht nach einem verlorenen Glücke . Anna wurde ( 1879 ) mein Weib , und so hat sich der Kreis der Familie wieder geschlossen , dessen Wärme und Frieden für meine Existenz , sowie für meine geistige Tätigkeit das erste Bedürfnis ist . Das Bild eines neuen