sehr am Herzen liege , daß ich für den Knaben in jedem Betrachte sorgen würde , und ich verließ sie , sehr zufrieden , sie so fügsam gefunden zu haben . Ja , ich war ihr dankbar , recht eigentlich dankbar dafür , daß sie mir erleichterte , was mir selber so schwer fiel . Ich hatte aber nicht berechnet , daß sie nicht über den Augenblick hinaus zu denken pflegte , wenn ich bei ihr war . Der Baron wollte die ihn drückende Angelegenheit gern wie ein Geschäft behandeln und zum Abschluß bringen . Aber wie sehr er sich auch dazu zwang , der Zwiespalt zwischen seiner Vernunft und seiner Empfindung , zwischen seinen Absichten und seinem Gewissen verrieth sich immerfort , und er hatte Pauline vielleicht nie zärtlicher im Herzen getragen , als in dieser Stunde , in der er sich für immer von ihr loszumachen strebte . Paulinen ' s Knabe ist natürlich protestantisch , wie die Mutter , bemerkte der Caplan , der den Baron bei den Thatsachen festzuhalten wünschte und der es damit verrieth , daß er von den Vorgängen in Rothenfeld wohl unterrichtet sei . Ja , sprach der Baron , aber ich bekenne Ihnen ehrlich , ich wünschte , daß es anders wäre ; denn der Katholicismus kommt mit seinen Lehren dem Bedürfnisse der Schwachen , der Leidenden doch weit mehr , ich möchte sagen , sichtbarer , faßbarer zu Hülfe , als der Protestantismus es thut . Und auch hier trage ich eine Schuld . Es hätte mich nur ein Wort gekostet , den Knaben unserer Kirche zu übergeben ; aber die Mutter würde ohne Zweifel dem Kinde dann nachgefolgt sein . Ich habe dies zu thun versäumt , und jetzt gäbe ich doch viel darum , wenn die arme Pauline unserer Kirche angehörte . Ist sie denn überhaupt eine religiöse Natur ? fragte der Geistliche . Sie war es ganz unstreitig ! Indeß die zelotische Strenge des Neudorfer Pfarrers hatte sie so beängstigt , daß ich sie , um sie zu beruhigen , nur leider von der Kirche entwöhnen mußte . Das ist jetzt in der That ein großes Unglück für sie und für mich . Wenn Pauline Katholikin wäre , wenn sie einer Kirche vertrauensvoll angehörte , wenn sie sich aussprechen , beichten , Rath und Trost finden , ja , selbst büßen könnte , so würde das in diesem Augenblicke eine Wohlthat , es würde die größte Hülfe , es würde eine Rettung für sie sein . - Und ihr zu helfen , mir zu helfen , das ist es , was ich jetzt von Ihnen zu fordern genöthigt bin , mein alter Freund ! schloß der Baron im Tone bittender Herzlichkeit . Der Caplan zögerte zu antworten ; er ging offenbar mit sich zu Rathe . Und was verlangen Sie von mir ? Was wünschen Sie , daß ich für Pauline thue ? fragte er danach . Gehen Sie zu ihr , mein Freund ! Zeigen Sie ihr , daß Sie Alles wissen , suchen Sie ihr Vertrauen zu gewinnen . Seit die alte Margarethe todt ist , hat sie Niemand mehr gehabt , der Theil an ihr genommen hat , sagte der Freiherr . Der Vorzug , den ich ihr einräumte - Sie kennen ja die Menschen - machte sie unbeliebt . Man mißgönnte ihr denselben von der einen Seite , und warf von der anderen den Stein auf sie . Man mißtraute ihr und beneidete sie . Sie war also , mehr als gut ist , auf mich allein angewiesen . Stellen Sie ihr die Dinge vor , wie sie liegen . Machen Sie ihr meine und ihre Lage klar . Was Sie ihr sagen , wird uneigennütziger , milder scheinen , als meine Vorstellungen , und wird darum eindringlicher wirken . Sagen Sie ihr , daß sie , schon um ihrem Knaben eine gute Zukunft zu bereiten , sich früh mit ihm von hier entfernen müsse . Mit einem Worte , bester Freund ! er ging auf den Caplan zu , ergriff seine Hände und sagte mit einer Bewegung , die er nicht mehr bemeistern konnte : Ich kenne Ihre Grundsätze , aber ich kenne auch Ihre Anhänglichkeit , Ihre Freundschaft für mich . Ich habe Ihre Gewandtheit und Rechtlichkeit vielfach schätzen zu lernen Ursache gehabt , und hier handelt es sich nicht einzig und allein um mich . Ein armes , unglückliches Weib hat Ihren erbarmungsvollen Beistand nöthig , und Pauline liegt mir mehr am Herzen , als mir lieb ist . Beruhigen Sie sie um meiner Ruhe willen . - Und vor allen Dingen machen Sie , daß sie sich entfernt , denn ich bin das zu thun nicht im Stande - und fort muß sie ! Er wandte sich danach schnell ab , verließ das Zimmer , und der Caplan blieb allein zurück . Er sah dem Freiherrn gedankenvoll nach . Immer der Alte , sagte er endlich , indem er eine Prise nahm , seinem Herzen wie seinen Sinnen und seinen Phantasmen unterthan . Eben so leicht geneigt , sich die Zügel schießen zu lassen , als sich dessen anzuklagen und sich davon freizusprechen . Wann wird die Stunde endlich für ihn schlagen ? Er blieb wie in Gedanken vor den Bildern stehen , welche die Hauptwand des Zimmers schmückten . Sie stellten die Eltern und die verstorbene Schwester des Freiherrn vor . Er betrachtete das Portrait der Letzteren lange und liebevoll . Nur Etwas von ihrem klaren , festen Sinne , und welch ein Anderer wäre auch er geworden ! rief er aus . Dann entfernte er sich ebenfalls , und nur die hellen Sonnenstrahlen belebten das schöne , würdige Gemach . Zweites Capitel Noch an demselben Abende ließ der Caplan sich den kleinen Wagen anspannen , der ihm seit langen Jahren zu seinem Privatgebrauche überwiesen worden war , und fuhr nach dem fast eine Stunde entlegenen Dorfe Rothenfeld hinüber , die Geliebte des Freiherrn aufzusuchen . Vor dem Dorfe