; » aber es thut mir leid für dich , du hast das Kind gewiß sehr gern gehabt . « » Wie ihr eigenes , « sagte Marie am Fenster , und unter dem Dunkel des Vorhanges glänzten ihre feuchten Augen hervor . Einige andere Tänzerinnen in der Nähe , namentlich die blonde Elise , welche ihrer Freundin gefolgt war , hatten diese Unterredung theilweise gehört und traten nun mitleidsvoll näher . Bald war Clara von allen Damen umringt , die sich im Zimmer befanden , und es war ein eigener Anblick , wie die vorhin noch so lachenden Gesichter der jungen lustigen Tänzerinnen auf das dürftige Todtenhemdchen niederschauten . Um dasselbe herum stand nun so plötzlich ein lautloser Kreis , glänzend in Spitzen , Atlas , Silberstoffen und falschen Brillanten . Dabei contrastirte die Stille hier im Zimmer auffallend mit dem Lärmen in den andern ; dort wurde geplaudert , gelacht , auch wohl ein lustiges Lied gesungen und zwischen hinein blätterten die Castagnetten und hörte man hin und wieder das taktmäßige Auftreten der Füße , wenn die Eine oder die Andere irgend einen Pas versuchte . » Aber warum nähst du schwarze Schleifen auf das Kleid ? « fragte nach einer längeren Pause Therese , indem sie sich niederbeugte und das Kleidchen mit der Hand berührte . » Man nimmt ja gewöhnlich Rosaband ; auch sind die hier von Baumwollenzeug . « Clara blickte in die Höhe und versuchte zu lächeln , aber es wollte ihr nicht recht gelingen . » Schwarz ist ja die Farbe der Trauer , « sagte sie , » und dann hatte ich diese Bänder schon ; Roth ist so theuer . « » Du hast sie von einem Kleid heruntergetrennt , « fuhr die Andere fort , nachdem sie genauer hingesehen . - - » Ich will das nicht leiden . « Dabei richtete sie sich stolz in die Höhe . » Dein Schwesterchen soll nichts Schlechteres haben , als die anderen Kinder . - Allons ! « wandte sie sich an die Andern , » sucht rothes Atlasband zusammen , aber eilt euch . - Wie viel Schleifen brauchst du ungefähr ? « » Laß nur gut sein , Therese , « bat Clara , » meine Liebe zu dem armen Kind ist nicht geringer , wenn ich auch schwarze Schleifen hinnähe . « » Aber es muß einmal so sein , « entgegnete Therese eigensinnig , » du hast ja kaum mit deinem schwarzen Band angefangen . Macht , daß wir rothe Schleifen bekommen ! « Schon auf den ersten Ruf hin waren mehrere der Tänzerinnen zu ihren Schränken geeilt , und eine brachte das Verlangte herbei . Therese durchschritt alle Zimmer und rief nach rothem Atlasband . » Wozu ? « fragten mehrere Stimmen . » Zu welchem Zweck ? « Und kaum hatte die Tänzerin erklärt , um was es sich handle , so wurden bereitwillig Schränke und Schachteln geöffnet und jede der glänzenden Nymphen , der strahlenden Göttinnen und edlen Ritterfräuleins beeilte sich , ihre rothe Schleife zu bringen , so daß Clara kaum mit dem Annähen fertig werden konnte . Wie wohl that ihr übrigens diese Theilnahme und wie erfreut war sie , als nun das Kleidchen fertig war und nicht mehr so düster in Schwarz und Weiß aussah , sondern freundlich und rosig , wie es für das liebliche Gesichtchen des verstorbenen Kindes paßte . » Wann wird dein Schwesterchen begraben ? « fragte die blonde Tänzerin , die jetzt in den Kreis trat , in ihrer Hand einen kleinen Kranz haltend von künstlichen Orangenblüthen , fast ihr einziges und bestes Eigenthum , das sie aber gerne hingab , um das Köpfchen der Verstorbenen damit zu zieren . » Wann wird es begraben ? « wiederholte sie . » Denn es versteht sich von selbst , daß wir Alle mitgehen . « » Natürlich , « sagte Therese , » da wird gewiß keine fehlen . Und an Blumen bringen wir mit , was wir auftreiben können ; die jetzt gewachsenen und blühenden sind freilich theuer , aber es thut nichts , sollte es auch ein gemachter Strauß sein . Es hat die gleiche Wirkung , wenn es nur vom Herzen kommt . « » Es soll mich freuen , « erwiderte Clara , » wenn ihr auf den Kirchhof kommen wollt ; das Begräbniß ist übermorgen um zehn Uhr . « » Verlaß ' dich darauf , es fehlt keine , « versetzte Therese bestimmt . Und damit nahm sie das fertig gewordene Kleidchen in die Höhe und Alle betrachteten die wohlgelungene Arbeit . In diesem Augenblicke ertönte eine Klingel dreimal und heftig ; es war das Zeichen für die Tänzerinnen , auf die Bühne zu kommen , weßhalb die Schränke eilfertig zugeschlossen wurden . Jede trat noch einen Augenblick vor den Spiegel , streckte den Oberkörper so weit als möglich in die Höhe , zog den Tanzrock herab , betrachtete prüfend die Schuhe , ob nirgendwo ein Fehler zu entdecken sei , und darauf flatterte die leichte Schaar die Treppen hinab und rauschte auf die Bühne , wie ein anderes wildes Heer . Drittes Kapitel . Sclavinnen . Wie meistens vor einem größeren Ballet ein kleines Lustspiel gegeben wird , so auch am heutigen Abend . Es geschieht das , um den ersten Hunger des Publikums zu stillen , um den Zuspätkommenden genügende Zeit zu lassen , ihre Plätze einzunehmen , und um Alle , oftmals durch einige Langeweile , empfänglicher zu machen für den nun folgenden Spektakel , für Decorationen , Costüme , Tänzer und Tänzerinnen . Hiezu wird meistens ein harmloses Lustspiel gewählt , an dem man nicht viel verliert , wenn man auch erst in der Mitte desselben in ' s Theater kommt ; es hat gewöhnlich eine einfache Decoration , damit man hinten genugsam Platz hat für die Zurüstungen , sowie eine Stelle , wo sich das Corps de Ballet aufhält und wo die Solotänzerinnen die verzweifeltsten Anstrengungen machen