Kindern , oder vielmehr die Kinder spielten mit Charlotte . Sie zupften sie vom Herde fort . Malwine wollte ihr etwas ins Ohr sagen , derweil kletterte das Fritzchen heimlich auf den Herd und schüttete die Salzmetze in die Kasserolle . Malwine fing plötzlich an zu lachen und ätschte das Mädchen aus , Fritzchen war mit einem Satz vom Herde auf ihrem Rücken und umschlang ihren Nacken mit den Armen . Sie sträubte sich , schimpfte und suchte den Alp los zu werden , die Kinder tobten , sie schlug . Eine charmante Erziehungsscene , dachte die Geheimräthin und unwillkürlich entschlüpfte es ihren Lippen : » Es wäre eigentlich nicht so übel , wenn der liebe Gott die Kinder zu sich nähme ! « » Warum den inkommodiren ! « sagte eine Stimme dicht hinter ihr . Ein Fremder , in seinen Mantel geschlungen , der vom Regen triefte , stand auf der Stufe neben ihr . Sie hatte ihn nicht bemerkt , als er vom Hofe die Treppe heraufkam . Auch erlaubten ihr die hereinbrechende Dunkelheit und der Mantelkragen nicht , das Gesicht zu sehen , als er im Vorbeigehen den Hut lüftete . Es lag etwas Unheimliches für sie in der Begegnung . Wer lässt sich gern in seinen Gedanken belauschen . » Wenn nur keine schädliche Substanz in dem Gefäß war , « setzte der Fremde hinzu . » Wie meinen Sie das ? « » Der Muthwille der Kinder könnte unschuldige Personen in Verdacht bringen . « » Das einzige Unglück wäre doch nur , daß er heut Abend eine versalzene Suppe auf den Tisch bekommt , « bemerkte die Geheimräthin , die , schnell zu sich gekommen , ihre Unruhe nicht merken ließ . » So treffe ich den Geheimrath zu Hause , was mir sehr angenehm ist , « entgegnete der Fremde , noch einmal den Hut anfassend , um die Treppe hinaufzusteigen . » Dies ist nicht der eigentliche Weg zu ihm , « konnte die Geheimräthin sich nicht enthalten zu bemerken . » Auf der Vordertreppe begegnen Sie der Bedienung , um sich melden zu lassen . « » Meine Botschaft kommt wohl gelegener über die Hintertreppe . « » Auch wenn er zu Hause wäre , zweifle ich , daß ihm überhaupt Besuch gelegen kommt , da er selbst im Begriff ist , einen zu machen . « » Ich weiß es , « entgegnete der Fremde , » und wenn auch nicht mein Besuch , wird ihm doch mein Rath nicht ungelegen kommen . Ich habe die Ehre , mich der Frau Geheimräthin gehorsamst zu empfehlen ! « » Seltsam ! « sprach die Geheimräthin für sich , als der Fremde mit sichern , leichten Schritten die Treppe hinaufgestiegen war . » Er kennt mich . Wer ist er ? Er kommt gewiß in der Angelegenheit - was kann er aber für Rath bringen ! « » An der Hofthür stürzte ihr ein gewaltiger Platzregen entgegen . Ihre Kutsche hielt auf der Straße vor der Hausthür . Sie überlegte , ob sie einen Versuch machen sollte , durch die wahrscheinlich schon verschlossenen Bureaus sich einen trockneren Weg nach dem großen Hausflur zu suchen , als ihr Bedienter mit einem Regenschirm ihr entgegen trat . Auf ihr Befremden darüber , da sie beim Ausfahren keinen mitgenommen , antwortete der Diener , der fremde Herr , welcher eben durchgegangen , habe ihm den seinen zurückgelassen , mit der Bemerkung , ihn für die Frau Geheimräthin zu benutzen , damit sie über den Hof in ihren Wagen könne . « » Kennt Er den Herrn ? « fragte sie beim Einsteigen . » Ich habe ihn nie gesehen . « » Seltsam ! « wiederholte die Geheimräthin nachdenkend . Nicht alle Gedanken drücken sich auf dem Spiegel des Gesichts aus , und in einer dunklen Kutsche , nur erhellt von einem ungewissen Laternenlicht , wenn der Regen gegen die Fenster schlägt , lässt sich auf diesem Spiegel noch weniger lesen . Dem Dichter ist es indeß zuweilen vergönnt , eine andere Sonde in die Brust zu senken , wie er ja auch Geister und Träume citirt , wo er der Vermittler zwischen dem Reich des Unsichtbaren und des Sichtbaren bedarf . Sie sann dem Fremden nach . Seine äußeren Umrisse waren ihr verwischt , nur war es ein blasses Gesicht mit scharfen , tiefliegenden Augen , dessen konnte sie sich entsinnen . Sie hatte ihn noch nie gesehen . Doch es waren damals viele Fremden in Berlin ; auch hatte der Ton seiner Stimme etwas Ausländisches . Aber was wollte er bei ihrem Schwager ? Wirklich einen guten Rath geben ? Wenn auch der Geheimrath nicht eben persönliche Feinde hatte waren doch Viele , die auf sein einträgliches Amt lauerten . Weshalb sollte sich ein Fremder gedrungen fühlen , gerade ihrem Schwager zu helfen ! Aber sie vertiefte sich im Aufzählen , wer wohl ihm auf den Dienst lauern könnte , bis ein leises Gelächter aus ihren feinen Lippen brach . Die Geheimräthin fragte sich , woher denn ihr eigener Antheil an dem Geschick des Geheimrathes kam ? - Achtete sie ihn ? liebte sie ihn ? Oder weil er der Bruder ihres Mannes war ? Was war ihr ihr Mann ? - Ein Mann , der sich in seiner Bücherstube vergrub , wo die Welt umher für ihn lachte ! Man hätte jetzt eine Röthe sehen können über ihr blasses Gesicht steigen . Und um eine solche Familie Sorge und Anstrengung , darum Intriguen , damit eines ihrer Mitglieder nicht zu Schaden komme ! Sie kam sich selbst in dem Augenblick so ordinair vor . Die Kutsche hielt vor ihrem Hause . Der Diener öffnete den Schlag . Er schien aus ihren Mienen ihre Bestimmung lesen zu wollen . Sie warf einen Blick auf die erleuchteten Fenster : » Herr Geheimrath erwarten Frau Geheimräthin zum Piquet . « - Sie hatte schon einen Fuß auf dem Tritt und blieb einen kurzen Augenblick