gar nicht mehr ; man hört nichts von Ihnen ! Nur Ihr schrecklicher Molay vertritt Ihre Anwesenheit in der Gesellschaft , und man weiß doch , daß Sie noch andere Flammen entzünden können , als diesen entsetzlichen Scheiterhaufen , in dem Sie sich leider auch als ein Tendenzmaler gezeigt haben . Ich bin im Atelier des Professor Berg allerdings viel öfter zu finden als in der Gesellschaft , gnädige Frau , antwortete Siegbert . Und wenn ich käme , wenn ich Ihre neuesten Arbeiten belauschte , würden Sie wol für uns arme Sterbliche , die nur bewundern können , ein Auge haben ? Man weiß es ja . Ganz erfüllt Sie nur die Eine , die Einzige , Melanie , die Unvergleichliche , oder wie Sie sie in Ihren Briefen nun anreden mögen , seit sie verreist ist . Melanie ? Sie sprechen von Melanie Schlurck ? Allerdings ist sie verreist , antwortete Siegbert , und seine Wangen überflog ein leichtes Roth ; aber von einem Briefwechsel ist keine Rede . Ich weiß nicht einmal den Ort , wo sie sich befindet . O Sie Heuchler ! Warten Sie ! Warten Sie ! Zur Strafe müssen Sie einsteigen ! Öffne den Schlag , Christian ! Ich muß mit Ihnen plaudern . Gnädige Frau - Fräulein Friederike Wilhelmine von Flottwitz , sagte Frau von Trompetta , auf die junge Blondine zeigend , die neben ihr stumm und ernst im Wagen saß . Und ohne diese ihre Begleiterin weiter zu fragen , nahm sie keinen Anstand , Siegbert aufzufodern , einzusteigen . Wir fahren nach Tempelheide , fuhr sie lebhaft fort , zu Anna von Harder , der Schwiegertochter des alten Präsidenten . Sie lernen dort die edelsten Wesen von der Welt kennen ..... Siegbert war unschlüssig , ob er der Auffoderung folgen sollte . Aber das Gefühl , das ihn schon den ganzen Tag beherrschte und in Spannung gehalten hatte , brach sich ihm in den Worten Bahn : Vergebung , gnädige Frau , ich erwarte heute meinen Bruder Dankmar , ich muß nach der Stadt zurück ..... Ihr Bruder Dankmar ! spottete Frau von Trompetta lächelnd ; immer Kastor und Pollux , David und Jonathan ! Freilich ist bekannt , daß sich die Gebrüder Wildungen in einem Grade lieben , der eigentlich das weibliche Geschlecht eifersüchtig machen sollte , wüßte man nicht , daß es noch eine Melanie Schlurck gibt . Aber ich muß Sie doch sprechen , trotz Ihrer Eile , und so schlage ich vor , machen wir es umgekehrt ; steigen wir aus und eine Viertelstunde begleiten Sie uns . Nicht wahr , Friederike Wilhelmine ? Das junge Mädchen nickte ernst , hob ihre langen herabhängenden blonden Locken , die wie Mähnen schwer sich senkten , in die Höhe , ergriff den Sonnenschirm und war im Begriff , der etwas schwerfälligen , aber doch höchst lebhaften ältern Freundin zu folgen . Siegbert , überrascht von der ihm ganz unerwarteten Zuvorkommenheit dieser ihm nur entfernt bekannten Frauen , öffnete den Schlag und bot ihnen beim Aussteigen die Hand . Frau von Trompetta , eine Vierzigerin , hatte mit ihren runden , genährten Formen bei dieser Operation Vorsicht nöthig . Die Blondine , in weißer Kleidung und sonderbar genug mit schwarzem Gürtelbande , zeigte sich jetzt von schlanker Gestalt . Sie war nicht mehr in erster Jugendblüte , vielleicht schon in der Mitte der Zwanziger . Sie wüßten also nicht , wo Melanie Schlurck ihre Sommervillegiatur hält ? begann sogleich Frau von Trompetta im neckenden Tone . Sie scherzen ! Ein so zärtliches Verhältniß ! Ich wette , Sie waren in Tempelheide , weil Sie wissen , daß die auf diesem Wege zurückkehren muß . So sind Sie unterrichteter als ich es bin , wiederholte Siegbert . Da ich drei Tage lang nicht im Atelier war , höre ich erst von Ihnen , gnädige Frau , bestätigt , daß Melanie wirklich verreist ist . Sie ist auf dem Schlosse Hohenberg , wohin sie den Vater auf Geschäften begleitete , antwortete Frau von Trompetta . Pinsel und Palette wurden bei Seite geworfen , Mandoline und Harfe an die Wand gestellt , rasch und zauberhaft schnell entschlossen , wie in Allem , was sie thut , war auch dieser Reiseplan gefaßt . Das ist der Weg nach dem Schlosse Hohenberg . Genug , Wildungen ! Thun Sie uns den Gefallen ! Sie müssen noch heute mit uns zu Harders kommen . Da ist ein Park , ein chinesischer Pavillon . Da gehen Sie morgen , täglich , wieder hin , bauen sich eine Laube von Tannenzweigen , ein Weidenhüttchen , wie ich einmal aus Shakspeare bei Tieck in der Vorlesung mich entsinne , ein Weidenhüttchen - Tieck sprach das Wort so zart - und werfen , wenn Melanie auf der Rückreise vorüberfährt , ihr Rosen und Vergißmeinnicht zu . Die gute Anna Harder hilft . O Das ist etwas für Anna ! Romantik ! Romantik ! Ach , Sie sollten diese himmlische Seele nicht schon kennen ? Ohne sich auf die Scherze wegen Melanie Schlurck , einer Schülerin des berühmten Professor Berg , Scherze , die ihn mehr zu verwunden , als zu erheitern schienen , einzulassen , bemerkte Siegbert , daß er Anna von Harder seit heute schon zu kennen glaube , und erzählte Alles , was ihm vor einer Stunde vor der Kirche zu Tempelheide begegnet war . O Das ist ja herrlich ! rief Frau von Trompetta . Das ist ja ganz Mittelalter ! Anna als Burgfrau , der labende Becher , Sie der Troubadour ! O so ist sie nun ! Jeder Zug entspricht ihrem seelenvollen Herzen . Ich habe das Bild ganz vor mir . Sie zeichnen , Präsidents speisen . Anna ' s holder Sinn , gehoben von der Nähe des Friedhofs und der Kirche - nicht wahr , sie trug schwarz ? - zart gedenkend des andächtigen Malers , fromm gedenkend der gastfreundlichen Sprüche aus der Bergpredigt des Heilands , und der alte Johann