Gardelieutenants eingeschlossen wurde , deren Besitz nicht mit einer Million aufzuwiegen war ! Schnapphahnski hatte nicht so unrecht . Der Besitz einer Schauspielerin hat darin sein Pikantes , daß man in ihr das besitzt , was allen Menschen gehört . In einer Schauspielerin umarme ich gewissermaßen die Lust und die Freude einer ganzen Stadt , eines ganzen Landes , eines ganzen Weltteils . Nichts ist begreiflicher , als daß Herr Thiers eine Rachel liebt - - Dieselbe schneeweiße Hand , die nach dem Fallen des Vorhanges noch vor allen Blicken flimmert : ich darf sie zu süßem Kuß an meine Lippen drücken ; derselbe kleine Fuß , der noch durch das Gedächtnis von tausend Rivalen schreitet : ich darf ihn ruhig und siegesgewiß betrachten , wenn er gleich einem seligen Rätsel unter dem Saum des Kleides hervorschaut oder vor der Glut eines Kamines zu einsamen Scherzen seine lieblichen Formen zeigt . Eine Carlotta , eine Rachel , eine Donna Anna oder eine Donna Maria unter vier Augen ist ein Triumph über die Jeunesse dorée von halb Europa . Konnte es anders sein , als daß unser Lion Schnapphahnski sofort den Entschluß faßte , das Herz Carlottens zu erobern , koste es , was es wolle ? Er machte sich auf der Stelle an die Arbeit . Zur Belagerung eines Herzens gehört der gewohnte Kriegsapparat . Ein paar Tausend Seufzer und einige Hundert Wehs und Achs dringen gleich zitternden Truppen zuvörderst auf den Gegenstand der Blockade ein . Als Faschinen , zum Ausfüllen hinderlicher Sümpfe und Gräben , bedient man sich einiger Dutzend Veilchen-und Rosensträuße . Das Trompetensignal des Angriffs besteht aus einem Ständchen von Flöten und Fiedeln , dem man indes noch eine Aufforderung zur Übergabe in möglichst gelungenen Stanzen und Sonetten vorhergehen läßt . Sieht man , daß mit Güte nichts auszurichten ist , so wirft man einige Brandraketen in Gestalt der glühendsten , verzweifeltsten Blicke und läßt , je nachdem es ist , auch das schwere Geschütz der herzinnigsten Flüche und Verwünschungen mitspielen . Hat man den Angriff eine Zeitlang unerbittlich fortgesetzt , so macht man einmal eine Pause und läßt durch einige Boten , die gleich krummen Fragezeichen um die Mauern der Geliebten schleichen , bei irgendeiner alten Tür- oder Torwächterin die Erkundigung einziehen , ob die hartnäckige Schöne nicht bald Miene mache , das Gewehr zu strecken . Wird dies verneint , so beginnt man das Feuer wütender als je zuvor . Man schwört bei allen Göttern , daß man sich eher selbstmorden , ja , daß man lieber wahnsinnig werden wolle , als von seinem Verlangen abstehen , und man gebärdet sich auch sofort wie ein betrunkener Täuberich und ruht nicht eher , als bis man Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt und sich ruiniert hat an Witz , Leib und Beutel . Schnapphahnski belagerte seine Carlotta mit einer wahrhaft horntollen Beständigkeit . Aber ach , es war alles umsonst . Der edle Ritter seufzte seine besten Seufzer , er warf seine glühendsten Blicke , er erschöpfte » seine ganze Kriegeskasse « , und doch sah Carlotta noch immer von der Bühne hinab in das Parkett , wo stets an derselben Stelle , rein aus Zufall , ein wahrer Adonis von einem Gardeoffizier stand und mit der lebendigen Künstlerin das Kreuzfeuer der verliebtesten Blicke führte . Da sammelte der edle Ritter seine Gedanken um sich wie einen Kriegsrat und beschloß , die Belagerung aufzuheben . Man glaube indes ja nicht , daß Herr von Schnapphahnski ein solcher Narr gewesen wäre , um rein als Geprellter von dannen zu ziehen . Gott bewahre ! Der Mann , der die Gräfin S. auf der Landstraße aussetzte und die Hiebe seines Gegners mit nassen Sacktüchern parierte , er wußte auch jetzt seine Ehre zu retten . Tiefsinnig schritt er Unter den Linden auf und ab , und nachdem er einen Morgen und einen Nachmittag mit sich zu Rate gegangen war , ließ er plötzlich am Abend anspannen und seinen leeren Wagen vor das Hotel Carlottens fahren . Der Wagen stand dort den Abend , er stand die Nacht hindurch , und er stand bis zum Morgen . Ruhige Bürger , die eben nicht ganz auf den Kopf gefallen waren , stießen einander an , wenn sie die Karosse sahen , und blickten dann schmunzelnd hinauf zu dem Fenster der Künstlerin . Naseweise Literaten und spitzfindige Justizräte schauten sogar auf das Wappen und die Livree des Kutschers , indem sie bedenklich die Köpfe schüttelten und dann mit allerlei kuriosen Gesprächen nach Hause schritten . Einige Offiziere stutzten aber erst vollends . - Zufällig war unter ihnen auch jener Adonis aus dem Parkett des Schauspielhauses ! Er weiß nicht , was er sieht , er reibt sich die Augen , er fühlt an seinen Kopf , um sich davon zu überzeugen , ob ihn das Schicksal wirklich mit einem jugendlichen Hornschmuck geziert hat , und den Säbel in der Faust , dringt er dann in Carlottens Wohnung . - - Er findet die Künstlerin mutterseelenallein in ihrem Zimmer - sie empfängt ihren Adonis , wie es einer Venus zukommt . Erst mit dem Morgenrot ist die Karosse Schnapphahnskis verschwunden . Berlin erwacht zu geschäftigem Treiben . Trödler und Eckensteher murren über das Pflaster ; Karren und Droschken rasseln vorüber ; Handwerker und Kaufleute eilen an ihre Arbeit , und fast der einzige Mensch , der erst sehr spät und äußerst langsam in die Stadt hinunterflaniert , das ist wieder niemand anders als unser berühmter Ritter Schnapphahnski . - - Er sieht etwas leidend und angegriffen aus ; seine Augen glänzen feucht-melancholisch , und der schöne Kopf mit dem feinen Hute hängt sinnend hinab auf die seufzerschwere Brust . Da schleicht der Ritter nachlässig scharwenzelnd in den nächsten Salon und wirft sich gähnend auf den Diwan . » Teurer Ritter , auf Ehre , was fehlt Ihnen ? « fragen einige Bekannte , als sie ihren Freund in so weicher , schmerzlicher Stimmung sehen . Keine Antwort . Die Lippen Schnapphahnskis