ausgeht und nie die Gabe für den Bedrängten . So ein Haus ist ein wunderbar Haus , aber darum ist es auch eine Art heiliger Wallfahrtsort , wohin wandert , wer bedrängten Herzens ist , Not leidet am Leibe oder an der Seele . Zieht aber nun aus einem solchen Hause die Seele , das heißt die Bäurin oder der Bauer , so bleibt das Haus , und wie Kinder immer wieder zum toten Körper ihrer Eltern zurückkehren , forschen , ob die Seele nicht zurückgekehrt , so kommen die Leute immer und immer noch zum Hause , klopfen an die alte Türe , horchen , ob die alte treue Hand , die nie leer ward , nicht wieder da sei , Gaben spendend , begleitet von einem freundlichen Worte . Sind Bauer und Bäurin auch nur neben dem Hause in den Stock oder das Stöcklein gezogen , so gehen doch nur die Bekanntern oder die Bettler von Profession dahin , denn das Stöcklein ist kein Haus , es ist kein Stall daran und acht Milchkühe drinnen , sind nicht Keller , nicht Kammern , gespickt mit allen möglichen Vorräten . Zum Stöcklein gehört der Hof nicht , gehören die unzähligen Obstbäume nicht , gehören alle die reichen Quellen nicht , welche einer guten Bäurin Hand unerschöpflich machen . Es sind wohl Zuflüsse da , aber in bestimmten Grenzen und nach kleinerem Maßstabe . Zieht nun ein Pächter in das Haus ein , in die Schatzkammer des Hofes , den Wallfahrtsort der Armen und Bedrängten , so er , lischt des Hauses Heiligenschein nicht alsobald ; die Menge wallfahrtet noch immer zu demselben nach alter Gewohnheit , achtet nicht der geänderten Verhältnisse , macht ans Haus die nämlichen Forderungen . Die Menge nimmt an , die Guttätigkeit des Hauses sei Pflichtigkeit , welche jeder Bewohner , sei er wer er wolle , zu übernehmen habe . Geschieht dieses nicht vollständig , so spricht eine bedeutende Anzahl : » Ach Gott , da hat es auch böset ! Gottlob , daß ich so alt bin ! Müßte sonst noch erleben , daß die guten Leute alle aussterben . « Eine andere Anzahl aber wird erbittert im Gemüte als wie über versagte Rechte und sagt : Das werde gehen und gehen , bis es endlich zu dem komme , wovon man immer rede , wie man auch von der Fasnacht rede , bis sie komme , daß man selbst zugreifen müsse , wenn man etwas erhalten wolle . Ähnliches geschah in der Glungge . Vreneli war schon unter der Base Almosnerin gewesen , hatte dabei wohl auch unverschämten Bettlern einen Zuspruch gegeben , der ihnen ins Leben ging . Vreneli war jetzt seine eigene Almosnerin , machte wohl die Stücke Brot etwas kleiner als früher , und Kleider oder Leinenzeug konnte es nicht austeilen ; in einer neuen , jungen Haushaltung findet es sich nicht . Das ging bös an . Eine Bettlerin sagte Vreneli ins Gesicht : » Du warst von je ein Wüstes und gönntest keinem Armen was und wirst eher zehnmal schlimmer als einmal besser , von wegen es wird noch immer sein , wie es im Sprichwort heißt : Es ist keine Schere , die schärfer schiert , als wenn ein Bettler zum Herren wird . « Die Meisten jedoch sagten Vreneli ihre Gedanken nicht an den Kopf heraus , aber sie verlästerten es desto jämmerlicher hinterwärts . Da sie nichts Böses wußten , ersannen sie um so Greulicheres ; namentlich machten sie geltend , wie sie den Hof fast um nichts hätten , den Kindern das Brot von dem Munde wegstöhlen ; da sei es kein Wunder , wenn sie auch gegen die Armen wären wie Türken und Heiden . Schlecht sei schlecht und schlechte Leute habe es immer gegeben , aber Leute wie die , ohne Religion , seien doch noch nie erlebt oder erhört worden . Das alles tat Vreneli sehr weh , denn begreiflich wurden ihm alle diese Reden wieder hinterbracht und wahrscheinlich von denen selbst , welche sie gehalten , nur daß sie dieselben dann Andern in den Mund legten . Doch sagte es davon Uli nichts , es verarbeitete das in seinem eigenen tüchtigen Sinn . Es dachte , Klagen trage nicht viel ab , warum ein zweites Herz betrüben , wenn man imstande sei , es alleine zu verwinden ; Hülfe leisten könne ihm Uli nicht , und alle Armen diese Wehtat entgelten lassen wollte es nicht . Uli war wenig zu Hause und hatte den Kopf so voll von Geschäften und Gedanken , daß er gar keine Augen für diese Dinge hatte . Er war es gewohnt , Leute an den Türen zu sehen oder bei Vreneli in der Küche , achtete sich derselben nicht , frug nicht , was sie wollten , dachte gar nicht daran , daß es jetzt über ihn ausging und um seine Sache , ließ Vreneli also ganz gewähren nach seinem Belieben . Der Heuet war vorbeigeflogen wie gewünscht , die Kirschen mit den Sperlingen im Frieden geteilt worden und die Ernte vor der Türe , ehe man sich dessen versah . Die Ernte ist dem Landmann eine wichtige Zeit , eine heilige Zeit , von ihrem Ertrage hängt sein Bestehen ab oder wenigstens sein Wohlergehen . Er erkennt dieses auch an , und als Zeichen dieser Erkenntnis richtet er am Schlusse derselben eine Art von Opfermahlzeit aus , er speiset Arme , speiset und tränket Knechte , Mägde , Tagelöhner , deren Weiber und Kinder und den Fremdling , der da wohnet innerhalb seiner Tore . Solche Mahlzeiten bilden die Glanzpunkte in dem Leben so Vieler ; würden sie aufhören , wäre es über dem Leben gar Vieler , als wenn alle Sterne erlöschen würden am Himmel . Es ist traurig , wenn über einem Leben keine andern Sterne stehen als Mahlzeiten , aber es ist dumm , wenn man ihnen Wert , Bedeutsamkeit absprechen will . Die Ernte war prächtig , das Wetter