Parteien liebäugeln , wie bisher - persiflirte Alice . Diese Anspielung auf die Thätigkeit bei dem Landtage , - - verletzte den Fürsten . Aber Meister in der Schauspielkunst , lächelte er höchst anmuthig zu diesem Stich und sagte in scherzendem Tone : - Eben darum müssen wir Partei nehmen , schöne Freundin . - Und welche Partei würden Sr. Durchlaucht der Fürst Felix Lizinsky ergreifen - anticipirte sie ihn - vielleicht die , welche die meisten Chancen auf Erfolg hat . - Das zu entscheiden ist eben die große Frage . - - Deren Beantwortung Sie sicherlich nicht von mir erwarten werden . - Und warum nicht ? Denn Sie werden mir gegenüber nicht behaupten wollen , daß Sie weder mit den Mitteln noch mit den Führern der Parteien bekannt genug sind , um den wahrscheinlichen Erfolg voraus bestimmen zu können . - Also warum nicht ? - Vielleicht darum , weil Sie Ihre Ansicht schwerlich nach der meinigen ändern werden . - Das käme auf den Versuch an - der Fürst legte ein gewisses Gewicht auf diese Worte . Alice schüttelte den Kopf . Sie hatten mir eine Bitte mitzutheilen ? Lizinsky runzelte die Stirn und schwieg einige Sekunden . - Dann sagte er - ich sehe , Sie sind unbezwinglich . So will ich den Anfang des Vertrauens machen . - Sie wissen , daß sich hier in Wien in aller Stille ein revolutionairer Verein gebildet hat . Eben jetzt komme ich aus einer Versammlung , fast die ganze Aula hat sich definitiv erklärt . Aber darin liegt auch die Gefahr . Es sind schon zu viele Mitwisser . Es könnte sich leicht ein Verräther unter ihnen finden . - Er hat sich bereits gefunden - sagte kalt Alice . Der Fürst erbleichte . - Woher wissen Sie - ? Alice bat ihn fortzufahren . - - Die Zeit drängt . Die Bewegung beginnt bereits in dem Volke sich durch ein dumpfes Vorgefühl kund zu geben . Der Hof selbst ist noch ruhig , aber die Metternichsche Partei ist schon aufmerksam geworden . - Durch wen ? - fragte Alice mit derselben Kälte , indem sie ihn durchdringend anblickte . Sie mißhandeln mich , Alice , durch ihr maßloses Mißtrauen . Was solls mit diesen Blicken ? Reden Sie ! Wollen Sie mich absichtlich beleidigen ? Das müßte , dächte ich , Ihnen schon Ihre Klugheit verbieten . Alice lachte : Sie haben ein empfindliches Gewissen , theurer Fürst . Ich dachte nur daran , daß die Fürstin Metternich eine schöne Frau ist . - - Lassen Sie das jetzt - so stehen also die Sachen hier in Wien . Höchstens gebe ich noch eine Woche : dann bricht der Sturm los . Vielleicht , ja wahrscheinlich - denn jeder Anlaß muß benutzt werden - schon früher . Wir sind nun aber der Ueberzeugung , daß es hiebei sein Bewenden nicht haben dürfe . Wien allein macht nur eine österreichische , keine deutsche Revolution . Berlin ist das Herz Deutschlands . Hier müßte eigentlich der erste Schlag fallen , allein das wird nach allen Anzeichen und Nachrichten nicht geschehen . Aber Berlin muß rasch folgen ; und - fügte der Fürst leiseren Tones hinzu - es wird folgen . Auch in Berlin sind alle Vorbereitungen getroffen ; das Uebrige aber hängt von der Gestaltung der hiesigen Verhältnisse ab . Heute nun sind diese zum bestimmten Abschluß gekommen . Wollen Sie - dies ist meine Bitte - außer dem , was ich Ihnen eben mündlich mitgetheilt und was ich Ihnen in weiterer Ausführung , besonders in Rücksicht auf den nöthigen Vertheidigungsplan der Stadt , aufgezeichnet , noch einige Briefe an Personen mitnehmen , die theils der einen , theils der andern Partei angehören ? - Gern , doch unter einer Bedingung , nämlich der , daß Sie mir offen sagen , für welche Partei Sie sich schließlich zu erklären die Absicht haben . Denn da ich bereits entschlossen bin , so würde ich mir oder vielmehr meiner Partei möglicherweise durch Uebernahme ihrer Aufträge entgegenarbeiten . - Ich kann diese Bedingung zwar nicht eingehen , doch glaube ich , werden Sie zufrieden sein , wenn ich Ihnen mein Ehrenwort gebe , daß Ihre Befürchtungen in jedem Falle grundlos sind . - Also hatte ich vorher doch Recht mit meinen Vermuthungen . Indeß kommen wir zu Ihren Aufträgen . - Hier ist zunächst der Plan , von dem ich vorhin sprach . Verwahren Sie ihn wohl . Sie übergeben ihn dem Ingenieurofficier Latorp . Sie finden seine vollständige Adresse ebenfalls hier aufgezeichnet . Von ihm werden Sie vielleicht in die nähern Verhältnisse der Berliner Bewegung eingeweiht werden , wenn Sie eine Rolle darin übernehmen wollen . Dann sehen Sie hier ein Packet Briefe , die Sie eigenhändig an die Adresse überreichen müssen . - Als Alice die Briefe ansah , konnte sie ein lautes Lachen nicht unterdrücken . Es fanden sich darunter auch ein Brief an die Herzogin von Nagas und einer an den Probst Bergmann . Sie warf einen raschen Blick auf die Vorhänge des Alkovens , und zog dann die beiden , ihr von Pater Angelikus übergebenen Briefe aus dem Busen , und hielt sie dem Fürsten vor . Dieser sprang erschreckt in die Höhe . - Was ist das ? - rief er fast drohend aus . In diesem Augenblicke gerieth die eine Seite des Vorhangs in eine zitternde Bewegung . Alice legte den Finger auf den Mund . Der Fürst trat einen Schritt zurück und sagte , indem er die Hand an den Säbel legte , mit zitternder Stimme und bleichen Lippen : Wir sind nicht allein ? Zugleich sah er sich in dem Zimmer nach allen Richtungen um und ließ seinen Blick zuletzt auf dem Vorhange ruhen . In dem nächsten Augenblick stürzte er aber auch schon darauf zu und riß ihn mit krampfhafter Hand auseinander . - Er hatte sich getäuscht in seinem Verdacht : der Alkoven war leer . Alice hatte diese Scene