mit mir von seinem Glücke sprach , weinte mein Herz im stillen Innern die ersten bittern Thränen herben Desappointements . O , er liebte mich nicht ! Wie konnte er hungern und dürsten gleich einem gemeinen Menschen , der Mann , der eben erst von meinen Lippen den Nektar des ersten Kusses getrunken , der begehrt hatte , ich solle schweigen , damit er nicht der Wonne , dem Glücke erliege ! Und jetzt sprach er selbst ganz heiter von den gleichgültigsten Evenements , lobte den Thee und erzählte von seinen Reisen comme si de rien n ' était , und ich , ich , Diogena , saß an seiner Seite ! und ich liebte ihn ! ich glaubte es wenigstens damals . O , was glaubt nicht ein candides Herz mit sechzehn Jahren ; was glaubt nicht eine Diogena , deren Wappen die Laterne ist , und die den Rechten zu suchen prädestinirt ist von dem unerbittlichen Fatum . Thränen traten mir in die Augen , ich vermochte nicht zu sprechen , ich konnte Nichts entgegnen auf Alles , was mir Graf Mario Gütiges und Bonaventura Zärtliches sagten . Was sie von meinem Vormunde , von seiner zu fordernden Einwilligung zu unserer Verbindung , von meinen Gütern , von meinem Besitz und der Verwaltung desselben sprachen , das verstand ich nicht . Das war ja auch Alles ganz unaussprechlich indifferent gegen das große Eine , unsere Liebe . Aber je länger wir beisammen waren , je mehr Graf Mario mit der Dornefeld über den Zustand meiner Unterthanen zu sprechen anfing , je eifriger hörte auch Bonaventura auf diese Unterhaltung . Er sagte , die Leute seien bis jetzt mit beispiellosem Mangel an Philanthropie , mit Hintausetzung all ihrer Interessen behandelt ; er sehe , daß es ihnen an dem Nöthigsten fehlen müsse ; er sprach von Schulenanlegen , von Hospitälern und Gott weiß , wovon noch - und ich saß an seiner Seite , und all dies wüste Gespräch fiel in meinen ersten seligen Liebestraum hinein , um mich furchtbar schmerzlich zu erwecken . Was kümmerten mich meine Unterthanen und ihr Elend oder ihr Glück ? Was hatte mein prächtiger aristokratischer Egoismus zu schaffen mit den Thränen jener uneleganten , rothhändigen Horden ? Wie durften sie es wagen , ihre bleichen Jammergestalten zu drängen bis in die Seele eines jungen Grafen , eines Bonaventura , der eine Diogena liebte , dem eine Diogena sich gelobt seit wenig Stunden . Ich hätte aufschreien müssen , bei dem ersten Versuche zu sprechen , und um dies zu evitiren , fing ich zu essen an mit einer krampfhaften Vehemenz . Bonaventura sollte nicht sehen , wie tödtlich ich litt ; ich wollte ihm meine furchtbare Alteration nicht zeigen ; ich gönnte ihm nicht , die Regrets zu sehen , die es mir erregte , daß er mich nicht liebte . Aber ich stand noch nicht am Ziele meiner Deceptionen . Mit Entsetzen ward ich gewahr , daß das Essen mir deliciös schmeckte . Ich fühlte , daß ich also Bonaventura nicht liebte , daß ich ihn nicht lieben könnte , nie lieben würde ; denn die Liebe , die ich ersehnte , die erhob den Menschen über solch niedriges Bedürfniß , die emancipirte ihn von allem Irdischen , so weit es sich nicht auf das geliebte Object bezog - und wir soupirten Beide , und wir sollten uns heirathen , und ich hatte geglaubt , diesen Menschen zu lieben . Graf Mario und Bonaventura bemerkten das Changement , das sich in mir apparirt hatte , und mit jenen zärtlichen Soins , deren Naturen wie Bonaventura capabel sind , drang er in mich , ihm den Grund meiner Verstimmung zu enthüllen . Ich schwieg standhaft . Da ich nicht glücklich sein konnte durch ihn , wollte ich wenigstens so elend als möglich werden , denn meine immense Seele strebte instinctiv nach dem Immensen und begehrte alle Radien der Seelenzustände zu durchlaufen . So nahm ich meine Resolution , heroisch mit dem Schmerze , statt mit dem Glücke , den Anfang zu machen . Bonaventura war untröstlich über mein Schweigen , was kümmerte mich das in meiner Abgeschlossenheit ? Ich fühlte , er war nicht der Mann , den ich ersehnt , er war nicht der Rechte , nicht mein anderes Ich selbst . Er war ein Wesen , von dem Fatum in meinen Lebensweg lancirt , um mich leiden zu machen . Ich nahm dies fatalistisch auf mit stolzer Resignation , unbekümmert darum , ob auch Bonaventura litt . Er war nur Nebenperson in diesen Schicksalswirren , deren Mittelpunkt immer eine Frau ist , von der Trempe der Frauen unsers Hauses . Sie sind die Axe , um die sich in stupender Willen- und Anspruchslosigkeit die ganze übrige Welt zu drehen hat . Graf Mario von seiner himmlischen Gräfin Faustine und von meiner Mutter , der wunderbaren Sibylle , an diese capricieusen Alluren der Frauen aus unserer Familie gewöhnt , sagte zu Bonaventura : » Laß sie , mein Sohn , und störe sie nicht . Ihr Geist hat nun einmal seine miraculösen Alluren , und wer eine Diogena zum Weibe begehrt , muß sich bei Zeiten daran gewöhnen . Man muß sie lieben , denn dompliren kann man sie nicht . « » Oder man muß liebenswerth sein und von ihnen geliebt zu werden verdienen , « rief ich mit prächtiger Impertinenz , und eilte auf mein Schlafzimmer , wo ich in bittere Thränen ausbrach . Verwundert hatten mir die Grafen nachgeblickt . Am Morgen war ich müde und abgespannt von der durchweinten Nacht , das machte mich anscheinend milder . Ich ging mit Bonaventura spazieren , ich hörte all seinen Liebesworten , seinen philanthropischen Ideen , die sein ganzes Wesen warm durchglühten , mit der Ruhe zu , mit der ein hoffnungslos Kranker , der seinen Zustand kennt und resignirt hat , auf die Trostesworte seiner Freunde hört . Seine Liebesworte fand ich kalt , seine Menschlichkeitsprincipien , seine Ideen von