. Da wollte ich glücklich sein - ihm zum Trotz . In solchen Momenten war ich dann so zärllich gegen Dich , wie ich es nur immer gegen ihn gewesen - und es war doch nur eigentlich er , den ich in Dir liebkoste . Ach , ich habe untreu gegen ihn gehandelt , mein Gefühl konnte ihm nie untreu werden ! « Sie hielt wieder inne , von Erinnerungen überwältigt . - Das Nachtlicht flackerte unruhig , die Uhr im Zimmer schlug helltönend Mitternacht . - Nach einer langen Pause begann Amalie auf ' s Neue : » Meine gute Mutter starb , ich wäre verlassen und hilflos gewesen , wenn Du Dich meiner nicht angenommen . Du führtest mich zum Altar . Ich mußte das Schicksal segnen , das mir in Dir diese Stütze gab - aber doch war ich nicht ruhig , nicht glücklich , ich konnte Jaromir nicht vergessen ! - Ach , Johannes , kannst Du mir das Alles vergeben ? Kannst Du mir es vergeben , damit ich ruhig sterben kann ? « » Vergeben ist eine heilige Pflicht , « sagte Johannes aufstehend und feierlich , aber mit gepreßter Stimme . » Ich vergebe Dir Alles ! « » Du vergiebst mir - nur aus kalter strenger Pflicht , nicht aus zärtlichem Herzen , Du vergiebst mir , weil es Deine strenge Tugend Dir so befiehlt - « flüsterte sie vorwurfsvoll , » doch ja , ich verdiene das - Du vergiebst doch - ich danke Dir ! Aber vollende , kröne Dein Werk , wenn ich , mit Dir versöhnt , sterben darf , so versöhne mich auch mit Jaromir , ich habe an ihm unrecht gehandelt , wie an Dir , ich habe ihn unglücklich gemacht , wie Dich - - ! « Johannes sah sie fragend an und schwieg . Nach einer Pause begann Amalie wieder hastig : » Du willst mich nicht verstehen - Jaromir ist hier , ich habe ihn wiedergesehen ! « » Auch noch das ! « sagte Johannes tonlos . » Einige Tage vorher , eh ' ich krank ward , sah ich ihn unter meinen Fenstern vorübergehen - die fünf Jahre unsrer Trennung hatten ihn sehr verändert , er sah blaß und abgezehrt aus , und ein tiefer Gram wohnte in seinen früher so fröhlich glänzenden Augen , Mehrmals des Tages ging er vorüber , immer sah er herauf - aber ich bezwang mich , und verbarg mich immer hinter den Blumen am Fenster - nur ein Mal in der Abenddämmerung warf ich ihm eine geknickte Rose zu , an die ich einen Zettel mit den Worten gebunden hatte : Wir dürfen uns einander nicht nähern , aber mein Herz bewahrte für Jaromir immer dasselbe Gefühl . Er drückte die Rose an seine Brust , bedeckte sie mit Küssen , und obwohl es schon dunkelte , sah ich doch an allen seinen Bewegungen die eines Glücklichen . Am andern Tag ward ich so krank , daß ich das Bett nicht wieder verlassen konnte . - Weiter habe ich ihn nicht gesehen und Nichts von ihm gehört , denn ich wagte nicht , Jemanden nach ihm zu fragen . Nun geht es mit mir zu Ende - ich kann nicht sterben , bis ich ihn nicht noch ein Mal gesehen , bis er mir nicht vergeben . Der Sterbenden darfst Du es nicht verweigern , den letzten Abschied von dem zu nehmen , der dem Herzen , das bald nicht mehr schlägt , Alles war . « » Thue , was Dir Dein Herz gebietet , « sagte er , » Du bist mir für keinen Deiner Wünsche , Deiner Gefühle mehr verantwortlich , seitdem ich weiß , daß ich Deine Liebe nie besessen . - Du betrachtest Dich als eine aus dem Leben Scheidende - aber Du kannst Dich irren ; Du betrachtest den Mann Deiner Liebe als einen durch fünf lange Jahre sich gleich Gebliebenen - und Du kannst Dich auch irren . Bedenke , daß es Dich dann reuen könnte , durch ein Wiedersehen , wie Du es ersehnst , dem Herkömmlichen , dem man Achtung schuldig ist , zuwider gehandelt zu haben . « » Bemühe Dich nicht , mich von meinem Wunsch abzubringen - « fiel sie ihm bitter in ' s Wort , » seiner bin ich gewiß ! Ich habe mich bezwungen , so lang ' ich lebte , dem Tod gegenüber hört dies elende Spiel auf , wie bald das elende Leben . Ich bin eine hilflose Kranke , es steht in Deiner Macht , mir meinen letzten Wunsch nicht zu erfüllen , und mich unversöhnt und qualvoll sterben zu lassen - thu ' es - und mein verzweifelnder , brechender Blick wird ewig vor Deiner Seele stehen - Du wirst - ! « » Spare Deine Worte , « sagte er mild zu der Heftigen , » gönne nun endlich Deinem Körper Ruhe , das viele Sprechen macht Dich matt . Ich will dem Grafen schreiben , daß er zu seiner sterbenden Amalie kommen soll - und er wird kommen . « Aber länger konnte sich Johannes nicht beherrschen , er eilte zur Thüre hinaus in den finstern Vorsaal , riß draußen das Fenster auf und starrte in die Nacht hinaus . Es wäre vergebens , schildern zu wollen , was ihn jetzt so heftig bewegte . Er liebte seine Gattin - und all ' die Stunden , in denen er früher an ihrer Seite glücklich gewesen , sanken vor ihm in Nacht - er war auch um seine Erinnerungen betrogen - ein Betrug waren diese vier Jahre - sie hatte ihn nie geliebt . III. Jaromir » Zu lieben mit dem reinsten , wärmsten Triebe , Bis Dir das Herz im Rausch der Weihe bricht - Und grüßt Dich dennoch keine Gegenliebe , Das ist der Leiden bitterstes noch nicht . « Karl Beck . In einer geschmackvoll meublirten Stube lag im modischen Schlafrock ein