Abenteuer träumt ; und wirklich bereitete sich , während er über sich lächelte , ein ganz artiges Ereigniß für ihn vor . Eine halbe Stunde näher zur Residenz fuhr ebenfalls ein eleganter , von Postpferden gezogener Reisewagen auf der Chaussee . Die Fenster desselben waren geschlossen , Postillon und Diener waren eingeschlafen , die Pferde gingen ruhig den oft gemachten Weg . Plötzlich , als die Straße sich senkte , trat das eine Pferd über die Deichsel und fiel nieder . Das erweckte den Postillon , er zerrte an den Zügeln , um das Thier zum Aufstehen zu bewegen , das sich in vergeblichen Bestrebungen hin und her warf . Man hörte ein leises Knacken und der Postillon erklärte fluchend dem indeß erwachten und abgestiegenen Diener , daß die Deichsel zerbrochen sei . Da fielen zu beiden Seiten des Wagens die Fenster nieder und aus jedem sah ein Frauenkopf hervor . Während aber die eine Dame verwirrte Fragen an den Postillon richtete , befahl die andere , ihr den Wagenschlag zu öffnen , und stieg aus . Sie überzeugte sich bald von der Unmöglichkeit , den Wagen zur Weiterreise herzustellen , erfuhr , daß man etwa in der Mitte der Station , also eine Meile von den beiden nächsten Posthäusern entfernt sei , und faßte den Entschluß , in Begleitung des Dieners bis in das nächste Dorf zu gehen und nachzufragen , wie man sich dort helfen könne . Während dessen hatte sich die andere Dame ganz ruhig in die Wagenecke zurückgelehnt und schien wirklich noch zu schlummern , als die Ausgestiegene sie freundlich zu ermuntern strebte . Komm Eva , komm ! sagte sie , wir wollen uns auf den Weg machen ! Wir müssen vorwärts ! Es hilft uns Nichts . Auf den Weg machen ? - Gehen ? - fragte Eva , wir Beide allein , hier in der fremden Gegend , das ist ja unmöglich ! Der Wille ihrer Freundin mußte aber wohl bestimmenden Einfluß auf sie üben , denn trotz ihrer Einwendungen schickte sie sich an , den Wagen zu verlassen , nachdem sie sich fest in den rothen Plaidmantel gehüllt , die seidene Capotte aufgesetzt und sich überzeugt hatte , daß das Spitzenhäubchen nicht vom Schlafe gelitten hätte . Die ältere der Beiden ließ darauf den Wagen schließen , befahl dem Postillon zur Bewachung desselben zurückzubleiben und schritt dann ruhig , Eva ' s Arm in den ihren legend , von dem Diener begleitet , die Poststraße hinan . Sie schien mit rechter Wonne des schönen Morgens zu genießen , während Eva über den Thau , über Ermüdung und über tausend andere Unbequemlichkeiten klagte , und endlich ganz vergnügt ausrief : Ach Gott sei Dank ! da höre ich ein Posthorn , da kommt gewiß die Schnellpost , da können wir mitfahren , hoffe ich ! Es fragt sich , ob Plätze für uns frei sein werden , wendete die Freundin ein . Nun , wenn die Post voll ist , so sind doch gewiß auch Herren darin , die uns ihre Plätze abtreten . So ungalant wird doch kein Mann sein , daß er in dem großen Wagen vorüberfährt und uns auf der staubigen Chaussee zurückläßt . Schnellpostreisende pflegen Eile zu haben , entgegnete Therese , und kein Gewerbe von ritterlicher Galanterie zu machen . Zudem scheint mir das nicht das Signal der Schnellpost , sondern das einer Extrapost zu sein , und damit werden Deine Hoffnungen noch ungewisser . Das wäre aber schrecklich ! Ich bin so müde von dem Fahren in der Nacht . Ich kann so weit nicht gehen , klagte Eva , von der plötzlichen Heiterkeit wieder in ihre frühere Verstimmung zurücksinkend . Therese sprach ihr Muth ein , Eva hörte es schweigend mit an , und sie gingen auf ' s Neue vorwärts , als das Posthorn abermals und ganz in ihrer Nähe ertönte . Alfred ' s Wagen hielt vor ihnen , er stieg aus und begrüßte sie . Ich habe Ihren Wagen auf dem Wege liegen gefunden , sagte er , und von dem Postillon gehört , daß Sie , meine Damen , mit mir dasselbe Ziel verfolgen . Wollen Sie mir die Ehre erzeigen , meinen Wagen zu benutzen ? Sie sind sehr liebenswürdig , sagte Eva . Sie haben aber in Ihrer Kalesche nur für zwei Personen Platz , was wird aus Ihnen ? fragte Therese . Ich werde mich neben den Postillon setzen , mein Diener mag mit dem Ihrigen uns bis in das nächste Dorf zu Fuß nachkommen . Es würde mir eine Freude sein , Ihnen zu dienen . Mein Name ist von Reichenbach . Der Name schien Therese sehr angenehm zu überraschen . Sie sah Alfred mit sichtlichem Vergnügen an und sagte dann : Wie wäre es , wenn wir Alle bis in das nächste Dorf gingen , dessen Thurm wir schon deutlich sehen ? In der großen Stadt wird uns nicht leicht ein so frischer Morgen zu Theil werden . Finden wir im Dorfe nicht die Möglichkeit , weiter zu kommen , ohne Herrn von Reichenbach zur Last zu fallen , so wollen wir dankbar seinen Wagen bis zur nächsten Station benutzen . Plötzlich , sich an Eva ' s Klagen erinnernd , fragte sie diese : Aber Du möchtest wohl lieber gleich einsteigen , Eva ? Du warst ermüdet . Ich ? Nicht im geringsten ! antwortete diese ganz fröhlich und munter , und in Reichenbach ' s Begleitung machte man sich auf den Weg . Neben den Damen einhergehend , hatte er die Gelegenheit , sie näher zu betrachten . Die ältere von Beiden war groß und schlank , aber nichts weniger als schön . Weiches blondes Haar umgab in breiten Flechten eine edle Stirn , die mit großen , dunkeln Augen dem Gesicht einen anziehenden Charakter gab . Ihr Teint war zart doch farblos . Sie mochte fast dreißig Jahre alt sein und sah ruhig und verständig aus . Ihre sehr einfache Kleidung paßte ganz zu