Entschuldigung bat und seinen Beruf verwünschte , der ihn ganz und gar verlange , und ihm den ruhigen Genuß seiner Häuslichkeit unmöglich mache . Vor seiner Verheirathung hatte der Geheimrath oft mit Clementinen den Plan besprochen , sich von den größeren Gesellschaften fern zu halten , in denen er bisher fast jeden Abend zugebracht und deren er überdrüssig geworden war , und sie war das gern zufrieden gewesen . Statt dessen wollten sie einen kleinen Kreis gewählter Freunde , wenigstens einmal in der Woche , bei sich versammeln , von deren traulichem Umgange sich beide Eheleute viel Genuß versprachen , und den sie am Anfange des Winters wirklich mehrmals eingeladen hatten . Grade an solchen Abenden war dann Meining aber zufällig abgerufen worden , nach einer Stunde zerstreut von dem Bette eines schwer Erkrankten wiedergekehrt , und eine nicht zu beschreibende Mißstimmung hatte sich dadurch der kleinen Gesellschaft bemächtigt , die der Wirthin freundlichste Aufmerksamkeit kaum zu bannen vermochte . Es wurde also auch dieser Versuch bald aufgegeben , denn Meining selbst schien keine Lust daran zu finden . Er erklärte offen , diese Art von Geselligkeit dünke ihn noch viel unbequemer , als die großen Zirkel , in denen man ungestört plaudern und unbeachtet schweigen könne ; ja er fühle entschieden , daß er jetzt , wo er seine Clementine bei sich habe , erst die Sphäre gefunden , in der ihm nach der Arbeit wohl und behaglich werde . Glaube mir , pflegte er zu seiner Frau zu sagen , für mich beginnt in Dir ein neues Leben ; ich arbeite zehnmal mehr und besser als früher , denn ich arbeite nicht für mich allein ; und ich finde nach der Arbeit hier bei Dir mehr Freude und Genuß , als mir jemals die Gesellschaften geboten haben , in denen ich stundenlang im Frack , den Hut in der Hand , Conversation machen und wahre Thorheiten anhören mußte . Wenn Du mir beistimmst , leben wir Beide nur für uns allein . Clementine willigte ein . Ihre geselligen Verbindungen lösten sich fast ganz auf , sie sah es ziemlich gleichgültig an , weil Meining ' s Zufriedenheit ihr letztes Ziel war , und sie selbst in der Ehe mehr und Anderes gesucht hatte , als ein glänzendes Leben in der Gesellschaft . Ihre ungewöhnliche geistige Regsamkeit , die Meining an dem Mädchen so interessant gefunden , war in der Zurückgezogenheit , in der sie lebten , doppelt groß geworden ; der Kreis ihrer Gedanken hatte sich in den neuen Verhältnissen erweitert ; sie fühlte sich berechtigt und werth , auch das geistige Leben ihres Mannes zu theilen und zu verschönen , und sehnte oft den Abend herbei , um mit Meining ein paar Stunden plaudern zu können , weil sie hoffte , er würde , wie als Bräutigam , Lust daran finden , er würde ihr die Ereignisse des Tages mit jener sicheren Klarheit , die ihm so eigenthümlich war , erzählen , ihr seine Gedanken darüber mittheilen , ihre Ansichten hören und berichtigen - mit einem Worte , er würde sie wie einen Freund betrachten , wie den vertrautesten Freund , dem jeder Gedanke enthüllt werden muß , weil er ihn versteht , weil er ihn liebt , um des Freundes willen , der ihn gedacht hat . Dazu kam es aber nur sehr selten . Clementine schmerzte das . Sie konnte sich des Gedankens nicht entschlagen , daß Meining ihre geistigen Eigenschaften jetzt weit weniger als früher schätze , daß er diese an seiner Gattin leicht entbehren , vielleicht gar nicht einmal vermissen würde . Er bedurfte nur einer sorglichen Frau , einer freundlichen Gesellschafterin , mit der er sich , wenn er nicht zu müde war , über unbedeutende Dinge heiter unterhielt , die er wirklich sehr lieb hatte und der er gern viel Freude bereitet haben würde , hätte er vor übergroßer Beschäftigung nur die Zeit gefunden , an Das zu denken , was sie freuen könnte . Vor Allem aber fühlte er sich sehr froh , ein so behagliches Haus und eine Frau zu besitzen , die jedem seiner Wünsche mit der größten Bereitwilligkeit zuvorkam . Er pries sich glücklich , grade diese Frau gewählt zu haben , er zweifelte nicht , daß sie sich zufrieden fühlte , weil er es war und es noch immer mehr wurde , je länger sie mit einander lebten . Ganz anders sah es aber nach Jahresfrist in der Seele seiner Frau aus . Sie konnte nie jenen Sonnenaufgang an ihrem Hochzeitstage vergessen ; und es schmerzte sie tief , daß trotz der Treue , mit welcher sie das Versprechen jener Stunde gehalten , ihr das Glück nicht zu Theil geworden war , das sie sich damals erhofft . Es schmerzte sie , daß das Leben , ohne unsre Schuld , so weit zurückbleibt hinter Dem , was es sein könnte , daß es uns nicht vergönnt ist , Das zu werden , wozu die Fähigkeit in uns liegt . Sie konnte den Wunsch nicht aufgeben , mehr von der Seele und dem Herzen ihres Mannes zu besitzen , als jene ruhige Neigung , die er für sie hegte . Es war zuerst ihr Aeußeres gewesen , das ihn angezogen ; er hatte dann ihren guten Willen , ihr wohlwollendes Herz und einen sittlichen , zuverlässigen Charakter in ihr erkannt , und diese Eigenschaften schätzte er an ihr . Aber jener Schätze von Liebe und Hingebung , deren sie sich bewußt war , bedurfte der ruhige , ältere Mann nicht . Er war kein leidenschaftlicher Liebhaber , wie Robert , der heute die Geliebte kränkte und ihre Nachsicht erforderte , während seine Liebe morgen ihre Thränen trocknete und eine Versöhnung herbeiführte , die durch den gehabten Schmerz nicht zu theuer erkauft wird . Es verstimmte sie , daß Meining ihre Theilnahme an seinem geistigen Leben kaum zu begehren schien , und obgleich sie sich ihm aus Ueberzeugung freudig unterordnete , hätte sie es doch gern gesehen ,