fast vorausgesehen - freundlich war sie beeilt , sie zu unterbrechen : » Ich wollte , Du hättest Recht , Elmerice , und ich hätte Deinen Vater gekannt , den Du so lebhaft vor meine Seele führst . Wohl hatte mir Deine Mutter stets seinen hohen Werth gerühmt , und ich hielt ihn so in meinen Gedanken fest ; doch hast Du mit Deiner kindlichen Liebe ihn noch schöner , bedeutender gezeichnet , als die stets bescheidene Freundin , die sich eines solchen Glücks kaum zu rühmen wagte und mich über tausend Dinge , die mir wichtig schienen , zu erfahren , und eben Deinen Vater angingen , in Ungewißheit erhielt . Die Liebe eines solchen Mannes gewonnen zu haben , wollte sie nie einräumen , so daß es demjenigen , welcher nicht , wie ich , ihr bescheidenes Herz kannte , fast hätte scheinen können , sie nur sei die Liebende gewesen , unberechtigt , von solchem Mann eine Erwiederung zu erwarten . « » Ja , « rief Elmerice lebhaft , » Ihr sprecht es aus , wie es auch mir oft , doch nicht so klar ausgedacht , erschien - ich glaube selbst , meine Mutter hielt es für unmöglich , von solchem Manne geliebt zu sein ! So wunderbar schön stand sie ihm zur Seite , als wolle sie ihm blos abwehren , was ihn verletzen könne . Ach , Frau Gräfin , Ihr werdet das Alles besser wissen , als ich Euch sagen könnte - aber große Leiden muß mein Vater erlebt haben , bevor er sich in die Einsamkeit begrub , wohin ihm meine Mutter folgte . Oft machte sie Andeutungen , die mich ahnen ließen , daß seltene und ungemein harte Verfolgungen ihn trafen . « » Nein , mein theures Kind , « antwortete die Gräfin , » ich bin davon nicht unterrichtet . Wie ich Dir sagte , beobachtete Deine Mutter die größte Schüchternheit in Mittheilungen hinsichtlich ihres häuslichen Lebens , so innig auch sonst der Austausch unserer Seelen war . Von ihrer Liebe zu Deinem Vater erfuhr ich nur , als sie ihm bereits ihre Hand zugesagt . Diese Zurückhaltung überstieg fast das Maaß eines liebenden Mädchens , es trug etwas Geheimnißvolles an sich , und ich gestehe Dir aufrichtig , daß sie sich bemüht , mich glauben zu machen , nur sie liebe ihren Gemahl , sie genieße blos seine Achtung , seine Freundschaft . Du weißt , daß Deine Mutter die Cousine Deines Vaters war - er lernte sie bei seinem Vater kennen , sie verließ mit ihm gleich nach ihrer Vermählung Yorkshire , und Herr Eton , Dein Vater , kaufte sich in Schottland an , wo Du geboren und erzogen wurdest . Wenn ich nicht irre , grenzte dies Besitzthum an das Schloß Leithmorin , das dem intimsten Freunde Deines Vaters , dem Lord Duncan , gehörte . « - » Ja , « sprach Elmerice , sich schnell entfärbend , » der kleine Garten unseres Hauses stieß mit dem Parke des Lord Duncan zusammen ; wir haben wie Eine Familie gelebt - nur getrennt , wenn auf dem Schlosse Besuch einkehrte , denn hieran Theil zu nehmen , konnte meinen Vater selbst seine Liebe zu Lord Duncan nicht bewegen ; doch sah er es gern , wenn ich unter der Aufsicht der ehrwürdigen Lady Duncan die Freuden der Geselligkeit kennen lernte . « » Lord Duncan war jedoch bedeutend älter , als Dein Vater , « hob die Gräfin wieder an , der die schnelle Verlegenheit des jungen Mädchens nicht entgangen war ; » er mußte erwachsene Kinder haben . « » Der älteste Sohn von Mylord , « erwiederte Elmerice , » ist bereits seit zwei Jahren vermählt - er hatte noch einen erwachsenen Sohn , Lord Astolf , und Lady Marie , meine liebe Freundin , zwei Jahre älter als ich . « » Mein armes Kind , « rief die Gräfin , vvn einer plötzlichen Ahnung berührt - » so viel liebe Freunde , eine so glückliche Lage mußtest Du in Deinem Vaterlande verlassen , um zu einer alten melankolischen Frau zu gehen , die keine andere Anziehungskraft für Dich haben kann , als die Liebe Deiner Aeltern ? Kaum begreife ich Lady Duncan , daß sie Dich zu mir entließ , kaum das grenzenlose Vertrauen Deiner Mutter , Dich dem gewohnten Kreise zu entziehen , und einem Dir sogar bis auf Land und Sprache fremden hinzugeben . « Elmerice schwieg - ihr Köpfchen hing bewegt auf ihrer Brust , unverkennbar lag auf diesen weichen jugendlichen Zügen das feine Lineament des ersten Kummers . - Die Gräfin glaubte sich nach diesem stummen Augenblicke in das Geheimniß ihres Schützlings eingeweiht , und von tiefer Theilnahme ergriffen , drückte sie sanft ihre Hand zwischen den ihrigen . - Elmerice blickte auf - und ihr Schweigen mit dem bittenden Lächeln der Unschuld vertretend , drückte sie schnell die lieben Hände an ihre Lippen . » O , scheltet mich nicht undankbar , « hob sie schüchtern an , » wenn ich nicht schnell Eure Zweifel beantwortete . Nicht verlegen war ich , Euch meine Meinung zu verbergen , nur wie ich sie Euch verständlich ausdrücken sollte , machte mich verstummen . - Nicht unerwartet , « fuhr sie fort , » kam mir diese liebe Bestimmung meiner Aeltern . Mein Vater , der Euch und Ardoise immer im Sinne trug , hatte meiner Mutter das Versprechen abgenommen , mit mir nach Frankreich und in Eure Nähe zurückzukehren , sobald der Tod , den er sich immer nahe glaubte , ihn abgerufen haben würde . Meine ganze Erziehung war darauf eingerichtet , in einem Lande nicht fremd mich zu fühlen , worin er mich später lebend wünschte . Er war der Sprache vollkommen mächtig , die ich durch ihn lernte ; seine Erzählungen beabsichtigten , mich mit Sitten und Gebräuchen dieses von ihm so geliebten Frankreichs , wie mit dessen Geschichte mich so vertraut zu machen