» Nun , zwölf Jahre allenfalls . « » Nein , dreizehn « , sagte ich . » Ja « , sagte er , » das ist schon alt , da müssen Sie bald regieren . « ( Die Antwort fehlt ) Winckel Liebe Frau Rat ! - Alles , was ich aufgeschrieben habe , das will ich Ihr vorlesen ; Sie kann selbst sich überzeugen , daß ich nichts hinzugesetzt habe und das bloß geschrieben , was meine Augen Ihr aus dem Mund gesogen haben , nur das kann ich nicht begreifen , daß es aus Ihrem Mund so gescheit lautet , und daß meine Feder es so dumm wiedergibt ; daß ich nicht sehr klug bin , davon geb ich häufige Beweise . Also das kann ich wohl zugeben , daß Sie zu den Leuten sagt , Sie wünscht , sie wären alle so närrisch wie ich ; aber sag Sie ja nicht , ich sei klug , sonst kompromittiert Sie sich , und der Wirt in Kassel an der großen Rheinbrücke kann den Gegenbeweis führen . Es war so langweilig , bis unsere ganze Bagage an der Douane untersucht war , ich nahm den Mückenplätscher und verfolgte ein paar Mücken , sie setzten sich an die Fensterscheiben , ich schlug zu , die Scheibe flog hinaus und mit ihr die Mücken in die goldne Freiheit , über den großen stolzen Rhein hinüber ; der Wirt sagte , das war dumm ; und ich war sehr beschämt . Ach Fr . Mutter ! Was ist hier in dem Langenwinkel für ein wunderlich Leben ; das soll schöne Natur sein und ist es auch gewiß , ich hab nur keinen Verstand , es zu erkennen . Eh meine Augen hinüber auf den Johannisberg schweifen , werden sie von ein paar schmutzigen Gassen in Beschlag genommen und von einem langen Feld raupenfräßiger Zwetschen- und Birnbäume . Aus jedem Gaubloch hängen Perlenschnüre von getrockneten Schnitzeln und Hutzeln ; der Lohgerber gegen uns über durchdampft alle Wohlgerüche der Luft ; alle fünf Sinne gehören dazu , um etwas in seiner Schönheit zu empfinden , und wenn auch die ganze Natur noch so sehr entzückend wär und ihr Duft führte nicht auch den Beweis , so wär der Prozeß verloren . Die Orgel klingt auch ganz falsch hier in der Kirche . Man mußte von Fr. bis Winckel reisen , um eine so grobe Disharmonie zu Ehren Gottes aufführen zu hören . Leb Sie recht wohl . Bettine Unser Kutscher wird Ihr eine Schachtel mit Pfirsich bringen , verderb Sie sich nicht den Magen , denn der ist nicht göttlich und läßt sich leicht verführen . Wir waren am letzten Donnerstag mit den beiden Schlossers bis Lorch . Man fuhr auf dem Wasser , Christian Schlosser glaubte die Wasserfahrt nicht vertragen zu können und ging den Weg zu Fuß ; ich ging mit ihm , um ihm die Zeit zu vertreiben , aber ich hab ' s bereut . Zum erstenmal hab ich über den Wolfgang mit einem andern gesprochen wie mit Ihr , und das war eine Sünde . Alles kann ich wohl vertragen von ihm zu hören , aber kein Lob und keine Liebe ; Sie hat Ihren Sohn lieb und hat ihn geboren , das ist keine Sünde , und ich lasse mir ' s gefallen : aber mehr nicht ; die andern sollen nur keine weitere Prätensionen machen . Sie frägt zwar , ob ich ihn allein gepachtet habe ? - Ja , Fr . Rat , darauf kann ich Ihr antworten . Ich glaub , daß es eine Art und Weise gibt , jemand zu besitzen , die niemand streitig machen kann ; diese üb ich an Wolfgang , keiner hat es vor mir gekonnt , das weiß ich , trotz allen seinen Liebschaften , von denen sie mir erzählt . - Vor ihm tu ich zwar sehr demütig , aber hinter seinem Rücken halte ich ihn fest , und da müßte er stark zappeln , wenn er los will . Fr . Rat ! - Ich kenne die Prinzen und Prinzessinnen nur aus der Zauberwelt der Feenmärchen und aus Ihren Beschreibungen , und die geben einander nichts nach ; dort sind zwar die schönsten Prinzessinnen in Katzen verwandelt , und gewöhnlich werden sie durch einen Schneider erlöst und geheiratet . Das überleg Sie doch auch , wenn Sie wieder ein Märchen erfindet , und geb Sie diesem Umstand eine moralische Erläuterung . Bettine ( Die Antwort fehlt ) Ich habe freilich einen Brief vom Wolfgang hier im Rheingau erhalten , er schreibt : » Halte meine Mutter warm und behalte mich lieb . « Diese lieben Zeilen sind in mich eingedrungen wie ein erster Frühlingsregen ; ich bin sehr vergnügt , daß er verlangt , ich soll ihn lieb behalten ; ich weiß es wohl , daß er die ganze Welt umfaßt ; ich weiß , daß ihn die Menschen sehen wollen und sprechen , daß ganz Deutschland sagt : unser Goethe . Ich aber kann Ihr sagen , daß mir bis heute die allgemeine Begeistrung für seine Größe , für seinen Namen noch nicht aufgegangen ist . Meine Liebe zu ihm beschränkt sich auf das Stübchen mit weißen Wänden , wo ich ihn zuerst gesehen , wo am Fenster der Weinstock , von seiner Hand geordnet hinaufwächst , wo er auf dem Strohsessel sitzt und mich in seinen Armen hält ; da läßt er keinen Fremden ein , und da weiß er auch von nichts als nur von mir allein . Frau Rat ! Sie ist seine Mutter , und Ihr sag ich ' s : wie ich ihn zum erstenmal gesehen hatte , und ich kam nach Haus , da fand ich , daß ein Haar von seinem Haupt auf meine Schulter gefallen war . Ich verbrannte es am Licht , und mein Herz war ergriffen , daß es auch in Flammen ausschlug , aber so heiter , so lustig wie die Flammen in blauer