ehrwürdigen Mädchen gute Nacht wünschte , entwischten mir die Worte : » Gott sey Dank , daß der Tag vorüber ist ! « - Sie ergriff mit einer Wärme , die sie mir noch nie gezeigt hatte , meine Hand und sagte : » Schenken Sie mir morgen eine Stunde , liebe Ellen , ich will sorgen , daß sie Ihnen angenehmer verfließe . « Ich wußte ihr für ihre Nachsicht keinen Dank , denn ich hatte mirs mit Hülfe der Miß Arnold nun einmal in den Kopf gesetzt , daß sie kein Recht habe , mich zu meistern ; allein ihr Wesen war bei dieser Bitte so mild , so einnehmend , daß ich höflich ihrer Einladung zu folgen versprach . Nach dem Frühstück , als Miß Arnold , einige Kaufläden zu besuchen , in die Stadt fuhr , forderte mich Miß Mortimer zu einem Spaziergang auf . Nach der Richtung des Wegs , den sie einschlug , errieth ich sogleich , daß sie mich zu der Hütte der Frau führte , welche meine Thorheit gestern in so augenscheinliche Lebensgefahr gebracht hatte ; nur die Schaam hielt mich ab , auf der Stelle umzukehren , und mit einer bittern Empfindung , mich von einer Tugendlehre bedroht zu sehen , trat ich in das Haus . Ich fand es nicht ärmlich noch trostbedürftig ; einige Bücher , reinliches Geräth , die größte Sauberkeit zeugten von einem geordneten hinreichenden Hausstand . Meine Begleiterin unterhielt sich mit der Matrone , die am Feuerheerd mit Spinnen beschäftigt war ; und um meine Verlegenheit zu verbergen , nahm ich die Liebkosungen eines Windspiels an , das bequem auf einem gepolsterten Stuhl der Hausfrau gegenüber gelegen , bald nach unserm Eintritt herabgesprungen war und sich mir genaht hatte . Anfangs beschnupperte es mich nachdenklich , blickte mich an , wedelte mit dem Schwanz , dann setzte es seine Vorderfüße auf meine Knie und gab seine herzliche Freude zu verstehen . Mir selbst schien das Thier auch nicht unbekannt , ich freute mich seiner Freundlichkeit , die auch von den beiden Frauen bemerkt ward . » Ich habe Ihnen Miß Percy mitgebracht « , sprach jetzt Miß Mortimer , zu der Alten gewendet . Diese rief aber mit freudigem Erstaunen : Miß Percy ? O da hat das treue Thier die Tochter seiner Herrin besser wiedererkannt , wie ich ! - Guter Fidele , du sahst sie doch auch nicht mehr seit ... Hier verstummte ihre Stimme in Thränen , und bei dem Namen meiner Mutter zu wärmern Gefühlen erwacht , fragte ich nun mit Theilnahme nach der Bewandniß , die es mit diesem Hunde hätte , dessen ich mich von der letzten Lebenszeit meiner Mutter her jetzt wieder entsann . Frau Wells , die Bewohnerin dieser Hütte , war einst von der geliebten Verklärten , die ihre wohlthätigen Handlungen mit reiner evangelischer Demuth der Welt entzog , aus der bittersten Armuth gerettet worden . Sie hatte ihr Arbeit verschafft , sie hatte wöchentlich mehreremale einige Stunden in ihrer Hütte zugebracht , um ihren Töchtern Kleider machen und Tamburstickerei zu lehren ; und so hatten diese drei Menschen es ihr zu danken , daß ihnen der Segen des Fleißes ein hinreichendes Auskommen verschaffte . Fidele war von meiner Mutter in ihrem letzten Lebensjahr als ein besonders schönes ganz junges Thierchen angenommen worden ; ich erinnerte mich , wie er , vielleicht durch Einwirkung der Stille ihres Krankenzimmers und ihrer steten sanften Gegenwart , schon damals wegen seiner leisen Sprünge und milden Lustigkeit bewundert ward . Dennoch setzte ich mirs in den Kopf , mich vor dem beweglichen Geschöpf zu fürchten , was meinem Vater , dem mein Geschrei bei seinem Anblick verhaßt war , nach meiner Mutter Tod bewog , ihn zu entfernen . In der Ueberzeugung , ihn am besten bei der Frau Wells zu versorgen , deren Anhänglichkeit an die Verewigte ihm bekannt war , ward Fidele ihr übergeben , und die Liebe , mit der sie ihn gepflegt hatte , bewies , wie theuer meiner Mutter Andenken ihr war . Ich hörte mit Beschämung ihrer Erzählung zu . Wie erschien ich dieser Frau neben dem , was meine Mutter für sie gethan hatte ! Mir ward das Herz nicht leichter , wie wir bald darauf den Heimweg antraten , sondern mein Gefühl trieb mich , unter dem Vorwand , mein Taschentuch vergessen zu haben , zurückzugehen und Frau Wells , indem ich ihr meinen Geldbeutel anbot , schüchtern um die Rückgabe des Hundes zu bitten . Sie gestand mir ein Recht auf Fidele , als ehemaliges Eigenthum meiner Mutter , zu und versprach ihn mir durch ihre Tochter zu senden , allein mein Geld wies sie zu meiner großen Beschämung zurück . Wie ich wieder zu Miß Mortimer zurückkam , machte sie einige Bemerkungen über die Verdienste meiner Mutter , die ich fühllos genug gewesen wäre , in einem andern Augenblick als einen stillschweigenden Vorwurf meines Unwerths übelzunehmen , in diesem Moment war aber die schlimme Rinde meines Herzens gespalten , ich hörte sie mit Seufzen an , bat sie aber nach wenigen Minuten , mich heute nicht weiter mit diesen Gegenständen zu unterhalten , weil sie mich schon ganz trübsinnig gemacht hätten . Vielleicht würde der wehmüthig verwundernde Blick meiner würdigen Begleiterin noch länger auf meinem Antlitz geruht haben , hätte nicht Herr Maitland , der eben an dem Gartenhag abstieg , unsre Unterredung unterbrochen . Er wollte sich auch nach dem Befinden der Frau Wells erkundigen ; wie er aber hörte , daß ihr Unfall ohne alle Folgen geblieben sey , gab er sein Pferd seinem Reitknecht und begleitete uns , oder vielmehr Miß Mortimer - denn mit mir sprach er nur grade so viel , wie die Höflichkeit aufs strengste fordern kann - nach Hause . Mein Vater stand an der Thüre des Parks ; so wie Herr Maitland sich nahte , kam er ihm einige Schritte entgegen , reichte ihm die Hand und bewillkommte ihn mit einer Achtung ,