ist der zweite in der Bresche . Wütend packt er einen der Invaliden , er muß ihm die Eingänge zu den Gefängnissen zeigen , und ohne auf die übrigen Ereignisse zu achten , ist sein einziges Streben , die Türen dieser höllischen Behälter zu öffnen . Werkzeuge sind schnell gefunden , auch hülfreiche Arme in Menge . Man befreit eine ziemliche Anzahl der unglücklichen Schlachtopfer tyrannischer Willkür , doch findet sich kein Leo . Endlich weicht eine besonders stark befestigte Tür , und mein Vater stürzt dem freudeschwindelnden Victor in die Arme . » Freiheit « ist das erste Wort , welches aus beider Brust sich hervordrängt , das zweite » Klara ! « - » Lebt sie ? « ruft mein Vater . » Sie ist hier ! « schreit mein Oheim , und so machen sich beide , fest umschlungen , unaufhaltsam Bahn durch die teilnehmende Menge . Sie erreichen fast atemlos Klaras Wohnung . Meine Mutter lag blaß und erschöpft im Bette , ich ruhte an ihrer Brust . Seit wenig Minuten hatte ich das Licht der Welt erblickt . Mein Vater stürzte kniend an dem Bette nieder . In sprachloser Freude hing er an den Lippen der Geliebten und überströmte ihre Hände mit Tränen und Küssen . Dann nahm er mich in seine Arme und drückte mich , gewaltsam schluchzend , an sein Herz . Plötzlich hob er mich hoch in die Höhe und rief laut und feierlich : » Virginia , Virginia ! du teures Pfand der neuen Freiheit ! Roms Virginia sprengte durch ihren Tod Roms Bande ; du verbürgst mir durch den Augenblick deiner Geburt die Freiheit deines Vaterlandes und knüpfest mich mit tausend neuen Banden an dasselbe . « Er legte mich wieder auf das Bett und seine Rechte segnend auf meine Stirn . Victor kniete tief erschüttert neben ihm und legte ebenfalls seine Hand , wie zum Schwur , auf mein Haupt . » Freiheit und Vaterland ! Freiheit und Gleichheit ! « sprach er mit hohem Ernste . » Vaterland , Freiheit und Gleichheit ! « sprach mein Vater ihm nach . Dann schlugen beide Männer kräftig die Hände ineinander und umarmten sich . Lächelnd und selig sah meine Mutter auf dies erhabene Schauspiel herab . Sieh , Adele , so wurde ich geboren . Könnte ich es jemals ertragen , daß man den 14. Julius mit Schmähungen belegt ? würden die Deinen mein Fest jemals mit gutem Herzen feiern wollen ? Nein , Virginia , die erstgeborne Tochter der Freiheit , muß in einem freien Lande sterben . Von diesem Zeitpunkt an waren meine Eltern auf immer vereinigt und glücklich . Die Begebenheiten , die den Thron erschütterten , hatten ihr Glück gegründet . Konnte die dankbare Erinnerung daran sie jemals verlassen ? konnten sie jemals vergessen , daß die Despotie die ersten frischesten Blüten dieses Glückes abgestreift ? - Mein Vater teilte nunmehr seine Zeit zwischen den Freuden seiner Häuslichkeit und den ernsten Bemühungen für das öffentliche Wohl . Er erneuerte seine früheren Verbindungen und knüpfte neue . Sein Einfluß wurde bei den Beratschlagungen und Entwürfen von segensreichem Nutzen . Auch auf seine Familie wendete er seine zärtlichste Sorge . Sein edles Herz mochte nur Böses mit Gutem vergelten , und sein überlegener Verstand flößte ihm gegen die Verkehrtheiten der Menschen mehr Mitleid als Zorn ein . Er versuchte , den alten Herzog zu sehn , und hoffte , ihm in dieser Krisis nützlich zu werden . Aber der erbitterte Mann wich allen seinen Bemühungen aus und war einer der ersten , welche die Sache ihres Vaterlandes und seinen heiligen Boden verließen . Nächstdem war meines Vaters erster Weg zu Deiner Mutter . Er hatte diese , seine einzige Schwester , zwar wenig gekannt , aber er liebte sie mit brüderlichem Herzen . Sie war , als er nach Amerika ging , noch ein zartes Kind und befand sich schon im Kloster Saint-Cyr zur Erziehung . Nach seiner Zurückkunft hatte er sie mehrere Male dort besucht und sich ihrer aufblühenden Schönheit und ihres sanften Wesens gefreut . Aber ein Sprachgitter bleibt immer eine Scheidewand zwischen liebenden Geschwistern , welche , wenn auch nicht die Liebe mindert , doch die Vertraulichkeit hemmt . Mein Vater war schon in Chaumerive , als er erfuhr , daß der Herzog Deine Mutter an den Hof gebracht , wo sie vielen Beifall ernte . Um die Zeit seiner eigenen Verheiratung hörte er , sie werde sich mit dem Herzog von P. vermählen . Er schrieb ihr , sie antwortete ihm zwar zärtlich , doch sehr schüchtern und deutete auf den Zorn des Oheims und auf die Beschränkung , worein ihre nahe bevorstehende Verbindung sie zu versetzen drohe . Sie pries ihn glücklich , als Mann sein Schicksal einigermaßen selbst bestimmen zu können , und wünschte ihm herzlich Glück , doch warnte sie ihn zugleich mit mädchenhafter Furchtsamkeit . Zu dieser geliebten Schwester flog nun mein Vater . Sie empfing ihn mit der lebhaftesten Freude , aber ihr Herz beklemmten ängstliche Sorgen . Ihr Gemahl hatte ihr wenige Stunden zuvor angekündigt , daß die Prinzen entschlossen wären , über die Grenze zu gehen , in Hoffnung , daß der größere Teil des Adels ihnen folgen werde und daß man von dort aus den Anmaßungen des dritten Standes vernichtend begegnen könne . Er hatte ihr befohlen , sich reisefertig zu halten , um ihm zu folgen . Sie befand sich im neunten Monat ihrer Schwangerschaft , liebte ihre Umgebung und fürchtete den unbekannten rauhen Norden . So sank sie weinend in die Arme ihres bekümmerten Bruders . Der Herzog , Dein Vater , trat kurz darauf ins Zimmer . Die Begrüßung der beiden Schwäger war kalt und förmlich . Mein Vater lenkte sogleich das Gespräch auf das Interesse der Zeit , der Deinige wich ihm mit stolzer Höflichkeit aus oder sprach mit wegwerfender Anmaßung ab . Jener beschwor ihn zwar , wenigstens Rücksicht auf seine kränkelnde Gattin zu nehmen , fand aber kein Gehör .