viel älter als ich , und , ich muß es nur im voraus sagen , recht häßlich . « » So ! « sagte Friedrich langsam und gedehnt , denn er hatte heimlich andere Erwartungen und Hoffnungen gehegt . Er schwieg darauf still ; Leontin lachte und pfiff ein lustiges Liedchen . Endlich sah man ein schönes , neues Schloß sich aus einem großen Park luftig erheben . Es war das Schloß von Leontins Schwester . Sie stiegen unten am Eingange des Parkes ab und gingen zu Fuße hinauf . Der Garten war ganz im neuesten Geschmacke angelegt . Kleine , sich schlängelnde Gänge , dichte Gebüsche von ausländischen Sträuchern , dazwischen leichte Brücken von weißem Birkenholze luftig geschwungen , waren recht artig anzuschauen . Zwischen mehreren schlanken Säulen traten sie in das Schloß . Es war ein großes gemaltes Zimmer mit hellglänzendem Fußboden ; ein kristallener Lustre hing an der Decke und Ottomanen von reichen Stoffen standen an den Wänden umher . Durch die hohe Glastür übersah man den Garten . Niemand , da es noch früh , war in der ganzen Reihe von prachtvollen Gemächern , die sich an dieses anschlossen , zu sehen . Die Morgensonne , die durch die Glastür schien , erfüllte das schöne Zimmer mit einem geheimnisvollen Helldunkel und beleuchtete eben eine Gitarre , die in der Mitte auf einem Tischchen lag . Leontin nahm dieselbe und begab sich damit wieder hinaus . Friedrich blieb in der Tür stehen , während Leontin sich draußen unter die Fenster stellte , in die Saiten griff und sang : » Frühmorgens durch die Winde kühl Zwei Ritter hergeritten sind , Im Garten klingt ihr Saitenspiel , Wach auf , wach auf , mein schönes Kind ! Ringsum viel Schlösser schimmernd stehn , So silbern geht der Ströme Lauf , Hoch , weit rings Lerchenlieder wehn , Schließ Fenster , Herz und Äuglein auf ! « Friedrich war gar nicht begierig , die alte Schöne kennenzulernen , und blieb ruhig in der Tür stehen . Da hörte er oben ein Fenster sich öffnen . » Guten Morgen , lieber Bruder ! « sagte eine liebliche Stimme . Leontin sang : » So wie du bist , verschlafen heiß , Laß allen Putz und Zier zu Haus , Tritt nur herfür im Hemdlein weiß , Siehst so gar schön verliebet aus . « » Wenn du so garstig singst « , sagte oben die liebliche Stimme , » so leg ich mich gleich wieder schlafen . « Friedrich erblickte einen schneeweißen , vollen Arm im Fenster und Leontin sang wieder : » Ich hab einen Fremden wohl bei mir , Der lauert unten auf der Wacht , Der bittet schön dich um Quartier , Verschlafnes Kind , nimm dich in acht ! « Friedrich trat nun aus seinem Hinterhalte hervor und sah mit Erstaunen - seine Rosa am Fenster . Sie war in einem leichten Nachtkleide und dehnte sich mit aufgehobenen Armen in den frischen Morgen hinaus . Als sie so unverhofft Friedrich erblickte , ließ sie mit einem Schrei die Arme sinken , schlug das Fenster zu und war verschwunden . Leontin ging nun fort , um ein neues Pferd der Schwester im Hofe herumzutummeln und Friedrich blieb allein im Garten zurück . Bald darauf kam die Gräfin Rosa in einem weißen Morgenkleide herab . Sie hieß den Grafen mit einer Scham willkommen , die ihr unwiderstehlich schön stand . Lange , dunkle Locken fielen zu beiden Seiten bis auf die Schultern und den blendendweißen Busen hinab . Die schönste Reihe von Zähnen sah man manchmal zwischen den vollen , roten Lippen hervorschimmern . Sie atmete noch warm von der Nacht ; es war die prächtigste Schönheit , die Friedrich jemals gesehen hatte . Sie gingen nebeneinander in den Garten hinein . Der Morgen blitzte herrlich über die ganze Gegend , aus allen Zweigen jubelten unzählige Vögel . Sie setzten sich in einer dichten Laube auf eine Rasenbank . Friedrich dankte ihr für ihr hülfreiches Mitleid und sprach dann von seiner schönen Donaureise . Die Gräfin saß , während er davon erzählte , beschämt und still , hatte die langen Augenwimpern niedergeschlagen , und wagte kaum zu atmen . Als er endlich auch seiner Wunde erwähnte , schlug sie auf einmal die großen , schönen Augen auf , um die Wunde zu betrachten . Ihre Augen , Locken und Busen kamen ihm dabei so nahe , daß sich ihre Lippen fast berührten . Er küßte sie auf den roten Mund und sie gab ihm den Kuß wieder . Da nahm er sie in beide Arme und küßte sie unzähligemal und alle Freuden der Welt verwirrten sich in diesen einen Augenblick , der niemals zum zweiten Male wiederkehrt . Rosa machte sich endlich los , sprang auf und lief nach dem Schlosse zu . Leontin kam ihr eben von der andern Seite entgegen , sie rannte in der Verwirrung gerade in seine ausgebreiteten Arme hinein . Er gab ihr schnell einen Kuß und kam zu Friedrich , um mit ihm wieder nach Hause zu reiten . Als Friedrich wieder draußen im Freien zu Pferde saß , besann er sich erst recht auf sein ganzes Glück . Mit unbeschreiblichem Entzücken betrachtete er Himmel und Erde , die im reichsten Morgenschmucke vor ihm lagen . Sie ist mein ! rief er immerfort still in sich , sie ist mein ! Leontin wiederholte lachend die Beschreibung von der Häßlichkeit seiner Schwester die er vorhin beim Herritt dem Grafen gemacht hatte , jagte dann weit voraus , setzte mit bewunderungswürdiger Leichtigkeit und Kühnheit über Zäune und Gräben und trieb allerlei Schwänke . Als sie bei Leontins Schlosse ankamen , hörten sie schon von ferne ein unbegreifliches , verworrenes Getös . Ein Waldhorn raste in den unbändigsten , falschesten Tönen , dazwischen hörte man eine Stimme , die unaufhörlich fortschimpfte . » Da hat gewiß wieder Faber was angestellt « , sagte Leontin . Und es fand sich wirklich so . Herr Faber hatte