wenig über seine schönen Pferde und prächtigen vergoldeten Harnische freute . Hugh stieg ab , erzählte ihm alle seine Geschichten , worüber sich dessen Hausfrau recht erstaunte und ihn gar sehr lieb gewann . Als das Herr Simon merkte , rief er aus : » Sankt Dionys , Ihr sollt fürder bei mir wohnen , ich will Euch zu lieb einen ehrlich adligen Staat führen und halten , denn ich hab mein Vermögen , seit Ihr weg gewesen , ziemlich vermehrt , so daß ich Eure Güter einlösen kann . So habt Ihr auch viel gute Freunde in dem Lande , die Euch wohl helfen mögen um Eures Vaters willen , daß Ihr zu guter Heirat kommt . « DOLORES : » Den nähme ich schon zum Mann . « » ... Lieber Vetter « , sprach Hugh , » ich habe Eure Rede wohl vernommen und danke Euch fast sehr , daß Ihr meines Nutzens wegen so getreue Nachgedanken habt , bin aber noch keinesweges gesinnt zu der Ehe zu greifen , bedünkt mir noch immer viel besser , einander heimlich lieb zu haben , will mein Glück noch erwarten . « - Dem guten Simon war das nicht recht , auch nicht seiner Hausfrau , die gern Hughs Hochzeit mit einer reichen Base ausgerichtet hätte . DOLORES : » Jetzt erzähle nur recht schnell , mir fällt ein , daß ich den Vögeln kein Futter gegeben . « ... Ja sieh , der Hugh kam gerade zur rechten Zeit nach Paris , wo die Königin von Frankreich von dem Herzoge von Burgund gar sehr mit Kriegesvolk bedrängt wurde , der sie durchaus heiraten wollte , aber sie mochte ihn nicht leiden . So tapfer sich nun Hugh auch hielte und die Stadt verteidigte , so wäre er doch bald verloren gewesen , wenn sich nicht die zehn Söhne in Brabant , die schon herangewachsen waren , alle aufgemacht hätten nach Paris , als sie von ihres Vaters Bedrängnissen gehört hatten . Keiner der Söhne wußte aber vom andern , und so lief jeder seine Straße , bis sie endlich nicht weit von Paris alle zusammen kamen und sich erkannten ; da verschworen sie sich mit einander und fielen wie eine Wetterwolke in das ruhige Lager des Herzogs , das noch im besten Schlafe lag . Als Hugh diese unerwartete Hülfe wahrgenommen , fiel er mit allen Seinen aus und sie machten eine große Niederlage unter den Burgunden und nahmen den Herzog gefangen . Da erkannte Hugh seine Söhne und küßte sie als Vater und die Königin gab dem Hugh ihre Hand ; er war es ( Hugo Capet ) , der das größte aller regierenden Häuser Frankreichs auf den Thron setzte . Sein Vetter Simon verwunderte sich über Hughs besonderes Glück nicht wenig , der war auf einmal reicher , als er sein lebelang mit allem Sparen werden konnte . Vetter Simon ließ es sich auch gefallen , von ihm zu einem Herzoge gemacht zu werden , doch mehr auf Anstiften seiner Frau , denn nach eigenem Begehren . DOLORES : » Eine recht schöne Geschichte . Höre , Klelie , wenn es unser Vater heimlich auch so machte , hör , wenn er der Paswan Oglu wäre , von dem alle Zeitungen schreiben und von dem keiner weiß , ach , wenn das wahr wäre ! « Und bei diesen Worten fielen sie einander mit süßer Freundlichkeit in die Arme und lachten und weinten zugleich und dachten ihres Vaters , und dachten ganz gewiß , der ihnen als Vorbild aller adligen Schönheit und Anständigkeit vorschwebte , müsse irgendwo ein gleiches Glück sich verdienen , und da verloren sie sich in mancherlei Träumen , die wir mit einigen Betrachtungen ersetzen wollen . Wir haben den festen Glauben , daß die periodische Not ganzer Völker , die unter mancherlei Namen meist unerwartet über sie einbricht , ganz notwendig sei , alle eigentümlichen Gesinnungen , Bildungen und Richtungen zu prüfen , die sich im Übermute des Glückes entwickelt hatten , die zufälligen , leeren und störenden Sonderbarkeiten gehen unter , die echte , reine , aus sich selbst lebende Eigentümlichkeit wird bewährt , gestärkt und ihrer selbst gewiß . Die Auswanderungen aus Frankreich in den ersten Jahren der Staatsumwälzung zeigten uns einen großen Teil der gebildetsten Bewohner jenes reichen Landes in diesem Kampfe mit dem täglichen Bedürfnisse ; die mannigfaltige Art , wie sie ihn bestanden , erregte allgemeine Teilnahme ; viele ahndeten auch lange voraus , daß die Zeit in ihrem festen Schritte auch über Deutschland hingehen und die alten Verhältnisse , zu Glück und Beruhigung mühsam auferbaut , niedertreten könnte . Wir sehen hier dieses Bild schon in einer Familie von dem schuldigen auf den unschuldigen Teil einbrechen ; die Schuld des Grafen konnte die Seinen des Überflusses berauben , aber das Notwendige hätte ihnen doch nie gefehlt , hätte der Krieg nicht so zerstörend auf der Gegend gelagert . In solcher Zeit der Not ist wenig davon die Rede , was das Beste für jeden zu tun sei , ihr entgegen zu wirken , sondern hier zeigt sich , was jeder nicht lassen kann , und erklärt sich bei jeder Veranlassung . Mit Sehnsucht brach Dolores auf Veranlassung jener Geschichte in Klagen aus , daß dem Adel die Heiratslust so ganz vergangen schiene ; eine glänzende Heirat sei der höchste Preis einer Frau , alle turnierten darauf . » Nicht alle « , sagte Klelia beleidigt , » lieber wollte ich bis zu meinem Lebensende von meiner Hände Arbeit leben , als eine Heirat suchen . « - » Die Arbeit macht dir gemeine Gesinnungen « , fuhr Dolores heraus . Fünftes Kapitel Graf Karl Da trat der alte Bediente wie gewöhnlich in seinem Sonntagsrocke mit derselben Art zu ihnen ein , wie er in Zeiten des Glücks gekommen war , sie schmeichelten und ärgerten ihn nach alter Art. Aber statt wie gewöhnlich von ihrem Vater zu erzählen und von dem vielen Weine , den er bei