dunkle , traurige Gesicht zu überwinden , welches mich von dieser Verbindung zurückzuziehen schien - ward ich in wenig Tagen Albrets Gattin , denn er verlangte die schnelle Vollziehung unsrer Verbindung mit einem Eifer , den ich für wahre herzliche Liebe zu mir nahm . - Ach ! dies war es nicht ! ganz andre Wünsche , andre Zwecke fesselten ihn an ferne , mir unbekannte Gegenstände und zogen ihn in andre Gegenden , und unsre Verheirathung ward nur darum so beschleunigt , damit er sogleich nach seinen , bei Florenz gelegnen Gütern reisen konnte , wohin ihn ein heftiges Verlangen trieb . Die allen meinen Wünschen zuvorkommende Artigkeit meines Gatten , tröstete mich anfangs über den Mangel an Vertrauen und Herzlichkeit , welchen ich nur allzubald fühlte , und ich schmeichelte mir mit der Hoffnung , ihm durch mein Betragen sein Zutrauen abzugewinnen und selbst an seinem Wesen , vielleicht manches umändern zu können - und erst dann , als ich wahrgenommen , daß er mich zu wenig achtete , um mir seine Geheimnisse mitzutheilen , ja , daß er mich oft als Mittel zu mir unbekannter Absichten brauchte , ist diese Hofnung gänzlich von mir gewichen . Bald nach unsrer Trauung ward mein Vater gefährlich krank , und ich bemerkte mit tiefem Schmerz , daß Albrets Bekümmerniß , mehr dem Verdruß , unsre Reise verzögert zu sehn , als dem Antheil an dem geliebten Alten zuzuschreiben war . Er starb , der zärtlichste der Väter , dem in der liebenden Brust seines Kindes , ein stilles aber unvergängliches Denkmal seiner Herzensgüte und seiner Liebe zurückgeblieben ist . - Mit aller Mühe konnte ich Albrets Einwilligung zu einer Reise zu Dir nicht erlangen , und nur daß er selbst sich gezwungen sah , noch einige nothwendige Geschäfte abzuthun , bestimmten ihn endlich dazu . Da kam ich zu Dir , meine Julie , mit allen meinen Leiden , meinen Sorgen , meinem Wahn und meinen Hoffnungen . Unsre Herzen fanden sich bald wieder ; Deine heitre Stimmung theilte sich mir unvermerkt wieder mit , und Deine ruhige Vorstellungsweise half mir an meiner Lage manche neue , angenehme Seite entdecken . Doch gestehe ich Dir auch , Julie , daß ich Dich oft beneidete , wenn ich Dich traulich an der Seite eines Mannes sah , mit dem Dich nur Neigung verbunden hatte . Eure Thorheiten kamen mir zuweilen belachenswerth vor , ich schalt Dich damals oft , wegen Deiner gänzlichen Hingebung , der sorglosen Nachlässigkeit Deines Betragens , aber ich fand Dich glücklich . In euren kleinen Zänkereien selbst , die oft entstanden , weil ihr euch einander ganz ohne allen Schein , alle Verstellung zeigtet , lag etwas , das mit gefiel . Die Erinnerung an eure Liebe vereinigte euch bald von neuem , und die stille Harmonie eurer Herzen hielt das Band fest , das Leichtsinn und Laune umsonst zu zerreissen drohten . Vielleicht verschönerte sich Dein Glück in meiner Phantasie , aber ich gestehe dies , so oft ich daran dachte , ward ich traurig , und fühlte es mit schmerzlicher Lebhaftigkeit , daß Harmonie sich nicht erkünsteln läßt . Diese bei Dir verlebte Zeit hatte mir jedoch dazu verholfen , daß ich die Reise nach Florenz nun mit neuem Muth und neuer Lebenslust antreten konnte . Der Schmerz über den Verlust meines Vaters war gemildert ; vorige Träume und Wünsche kehrten zurück , und die Phantasie stellte meinem neu auflebenden , ahnungsvollen Herzen in die Ferne manches reizende Gemälde hin . Mit Vergnügen erinnere ich mich noch jetzt der ersten Tage unsrer Reise . Der volle Farbenschimmer des Herbstes war über die Gegend verbreitet , kleine Büsche wallten goldnen Locken ähnlich , die Hügel hinab ; weisse Gewebe flogen über den Boden , und der Himmel war in zarte silberne Dünste gehüllt . Nie bin ich heitrer gewesen , als da , habe nie freier , jugendlicher gefühlt , nie der Tage , die mich erwarteten , mit froherer Zuversicht entgegen gesehn . An den Gedanken , die Welt zu sehen , knüpfte sich alles , was Phantasie , Hang zum Vergnügen und Verlangen nach reiferen Begriffen sich nur wunderbares , liebliches und belehrendes zu denken vermögen . Doch so blieb es nicht lange . Ich dachte oft an Dich , meine gute Julie , und nie hab ' ich Dich schmerzlicher vermißt , nie hat mir ein theilnehmendes Herz so sehr gefehlt , als wenn wir durch neue bezaubernde Gegenden kamen - Gegenden , bei denen ich , obgleich an die liebliche Hoheit meiner vaterländischen Ansichten gewöhnt , in ein tiefes , wonnevolles Staunen gerieth - und Albret bei allem ganz kalt blieb , und meine Entzückungen beinah verächtlich belächelte . Immer schien sein Sinn mit Ungeduld in die Zukunft zu streben ; die meiste Zeit war er still und in sich gekehrt , und nie gieng ihm die Reise schnell genug . Ich suchte alles hervor , was mich über sein Betragen trösten konnte , und gewiß habe ich viele frohe , sehr frohe Momente gehabt . Viel jugendliche Träume , viel Wünsche sind mir erfüllt worden , ich war oft glücklich , nur mein Herz war nie hingerissen , nie befriedigt ! Und Julie ! sollte ich vielleicht diesen Träumen nicht einmal nachhängen ? - aber warum erinnert mich denn Alles daran , daß Liebe das höchste Glück des Lebens ist , warum muß ich allenthalben sehn , wie sie die niedrigste Lage veredeln , und der Dürftigkeit und Abgeschiedenheit selbst ein zauberisches , beneidenswerthes Ansehen leiht ? - Meine Fenster gehen auf der einen Seite in einen benachbarten Garten , den ein Gärtner mit ein paar jungen Töchtern bewohnt . Die Welt wird wohl nie ihren Namen nennen , niemand als die nächsten Nachbarn kennen sie , ihr Anzug , ihre Beschäftigungen verrathen ihren Mangel an allen Gütern des Glücks , aber die Liebe hat sich ihrer angenommen . Bei frühem Morgen , wenn noch alles schläft , schleicht die eine