wohl ziemlich eins seyn mögen und vielleicht eben so zusammen gehören , wie Mund und Ohr , da der erste nur ein bewegliches und antwortendes Ohr ist - daß also dieser Tonkünstler übers Meer in ein fremdes Land reisen wollte . Er war reich an schönen Kleinodien und köstlichen Dingen , die ihm aus Dankbarkeit verehrt worden waren . Er fand ein Schiff am Ufer , und die Leute darinn schienen bereitwillig , ihn für den verheißenen Lohn nach der verlangten Gegend zu fahren . Der Glanz und die Zierlichkeit seiner Schätze reizten aber bald ihre Habsucht so sehr , daß sie unter einander verabredeten , sich seiner zu bemächtigen , ihn ins Meer zu werfen , und nachher seine Habe unter einander zu vertheilen . Wie sie also mitten im Meere waren , fielen sie über ihn her , und sagten ihm , daß er sterben müsse , weil sie beschlossen hätten , ihn ins Meer zu werfen . Er bat sie auf die rührendste Weise um sein Leben , bot ihnen seine Schätze zum Lösegeld an , und prophezeyte ihnen großes Unglück , wenn sie ihren Vorsatz ausführen würden . Aber weder das eine , noch das andere konnte sie bewegen : denn sie fürchteten sich , daß er ihre bösliche That einmal verrathen möchte . Da er sie nun einmal so fest entschlossen sah , bat er sie ihm wenigstens zu erlauben , daß er noch vor seinem Ende seinen Schwanengesang spielen dürfe , dann wolle er mit seinem schlichten hölzernen Instrumente , vor ihren Augen freywillig ins Meer springen . Sie wußten recht wohl , daß wenn sie seinen Zaubergesang hörten , ihre Herzen erweicht , und sie von Reue ergriffen werden würden ; daher nahmen sie sich vor , ihm zwar diese letzte Bitte zu gewähren , während des Gesanges aber sich die Ohren fest zu verstopfen , daß sie nichts davon vernähmen , und so bey ihrem Vorhaben bleiben könnten . Dies geschah . Der Sänger stimmte einen herrlichen , unendlich rührenden Gesang an . Das ganze Schiff tönte mit , die Wellen klangen , die Sonne und die Gestirne erschienen zugleich am Himmel , und aus den grünen Fluten tauchten tanzende Schaaren von Fischen und Meerungeheuern hervor . Die Schiffer standen feindselig allein mit festverstopften Ohren , und warteten voll Ungeduld auf das Ende des Liedes . Bald war es vorüber . Da sprang der Sänger mit heitrer Stirn in den dunkeln Abgrund hin , sein wunderthätiges Werkzeug im Arm . Er hatte kaum die glänzenden Wogen berührt , so hob sich der breite Rücken eines dankbaren Unthiers unter ihm hervor , und es schwamm schnell mit dem erstaunten Sänger davon . Nach kurzer Zeit hatte es mit ihm die Küste erreicht , nach der er hingewollt hatte , und setzte ihn sanft im Schilfe nieder . Der Dichter sang seinem Retter ein frohes Lied , und ging dankbar von dannen . Nach einiger Zeit ging er einmal am Ufer des Meers allein , und klagte in süßen Tönen über seine verlohrenen Kleinode , die ihm , als Erinnerungen glücklicher Stunden und als Zeichen der Liebe und Dankbarkeit so werth gewesen waren . Indem er so sang , kam plözlich sein alter Freund im Meere fröhlich daher gerauscht , und ließ aus seinem Rachen die geraubten Schätze auf den Sand fallen . Die Schiffer hatten , nach des Sängers Sprunge , sich sogleich in seine Hinterlassenschaft zu theilen angefangen . Bey dieser Theilung war Streit unter ihnen entstanden , und hatte sich in einen mörderischen Kampf geendigt , der den Meisten das Leben gekostet ; die wenigen , die übrig geblieben , hatten allein das Schiff nicht regieren können , und es war bald auf den Strand gerathen , wo es scheiterte und unterging . Sie brachten mit genauer Noth das Leben davon , und kamen mit leeren Händen und zerrissenen Kleidern ans Land , und so kehrten durch die Hülfe des dankbaren Meerthiers , das die Schätze im Meere aufsuchte , dieselben in die Hände ihres alten Besitzers zurück . Drittes Kapitel Eine andere Geschichte , fuhren die Kaufleute nach einer Pause fort , die freylich nicht so wunderbar und auch aus späteren Zeiten ist , wird euch vielleicht doch gefallen , und euch mit den Wirkungen jener wunderbaren Kunst noch bekannter machen . Ein alter König hielt einen glänzenden Hof . Weit und breit strömten Menschen herzu , um Theil an der Herrlichkeit seines Lebens zu haben , und es gebrach weder den täglichen Festen an Überfluß köstlicher Waaren des Gaume [ n ] s , noch an Musik , prächtigen Verzierungen und Trachten , und tausend abwechselnden Schauspielen und Zeitvertreiben , noch endlich an sinnreicher Anordnung , an klugen , gefälligen , und unterrichteten Männern zur Unterhaltung und Beseelung der Gespräche , und an schöner , anmuthiger Jugend von beyden Geschlechtern , die die eigentliche Seele reitzender Feste ausmachen . Der alte König , der sonst ein strenger und ernster Mann war , hatte zwey Neigungen , die der wahre Anlaß dieser prächtigen Hofhaltung waren , und denen sie ihre schöne Einrichtung zu danken hatte . Eine war die Zärtlichkeit für seine Tochter , die ihm als Andenken seiner früh verstorbenen Gemahlin und als ein unaussprechlich liebenswürdiges Mädchen unendlich theuer war , und für die er gern alle Schätze der Natur und alle Macht des menschlichen Geistes aufgeboten hätte , um ihr einen Himmel auf Erden zu verschaffen . Die Andere war eine wahre Leidenschaft für die Dichtkunst und ihre Meister . Er hatte von Jugend auf die Werke der Dichter mit innigem Vergnügen gelesen ; an ihre Sammlung aus allen Sprachen großen Fleiß und große Summen gewendet , und von jeher den Umgang der Sänger über alles geschätzt . Von allen Enden zog er sie an seinen Hof und überhäufte sie mit Ehren . Er ward nicht müde ihren Gesängen zuzuhören , und vergaß oft die wichtigsten Angelegenheiten , ja die Bedürfnisse des Lebens über einem neuen , hinreißenden