, wie ich da den Mann , durch dessen Hand so viele Menschen starben , wie ich den Koloß da vor uns liegen sah , fühlte ich selbst eine Art Schauder . Doch ermannte ich mich wieder . » Lieben Sie Julie , Herr Obrister - sagte ich , indem ich das zitternde Mädchen zu einem Stuhle führte - so können Sie sich dieser Reise nicht widersetzen . « - Er antwortete mir nur mit einem wüthenden Blicke , rafte sich auf , und verfinsterte , indem er mit seinen klirrenden Sporen an das Fenster trat , das ganze unter seinem Fußtritte bebende Zimmer . » Wann werden Sie reisen ? « - fragte die Mutter . » Morgen - antwortete ich - die Wege möchten sich verschlimmern . « - » Morgen ! - rief der Obriste - das geht nicht ! Morgen ist die Verlobung . « - » Und davon sagtest Du mir nichts ? « - redete ich Julien an.- » Weil ich es nicht wußte « - antwortete sie mit ihrer Flötenstimme . - » Du wüßtest es nicht ! - rief ich - und so wird es Dir angekündigt ! - Julie ! - fuhr ich fort , indem ich ihre beiden Hände ergriff und sie fest gegen meine Brust drückte - Julie ? wirst Du Dich morgen verloben ? « Ich glaube sie sah die Verzweiflung auf meinem Gesichte . - » Nein - antwortete sie - ich werde reisen . « - In diesem Augenblicke schrie die Mutter laut auf : » dem Obristen wird nicht wohl ! « - Wir sahen uns um und er hieng bleich wie eine Leiche über der Lehne des Sopha ' s. Julie wollte sich zu ihm hinneigen ; aber noch ehe sie sich losmachen konnte , rief ich unsern Bedienten : » Friedrich ! dem Herrn Obristen ist nicht wohl ! geschwinde seine Leute ! « » Er wird krank werden « - sagte Julie wehmüthig , als wir in ihre Kammer traten . » Und Du - antwortete ich - würdest auf Dein ganzes Leben elend werden . Was ist schlimmer ? « » O meine Wilhelmine - rief sie , indem sie das Engelgesicht an meine Brust legte - Gott weiß es wie sehr ich Dich liebe , und wie gern ich Dir folge ! aber hätten wir ihn nicht etwas mehr schonen können ? - Sein Kummer ist mir fürchterlich . - Ich bin nicht daran gewöhnt . « - » Liebst Du ihn « - sagte ich , indem ich sie von meiner Brust zurückdrängte und ihr starr in die Augen sah . - » Wilhelmine ! - antwortete sie - Ach Gott ! ich kenne die Liebe nicht ! Aber wenn ich ihn liebe ; so ist die Liebe kein süßes Gefühl . « - » O es ist gut ! es ist alles gut ! - rief ich , und drückte sie wieder fest an mein Herz - Du fürchtest ihn nur , bist an ihn gewöhnt , kannst ihn nicht leiden sehen - das ist es , und weiter nichts . Fort ! fort von hier ! damit Du begreifst , wer Du bist , und von wem Du Dich trennest . « » Aber morgen schon ? « - sagte sie - » Heute , wenn es möglich ist « - wollte ich antworten ; aber ich besann mich geschwinde , und als hätte ich nichts gehört , fing mit ihr an , Kleider und Wäsche zum Einpacken hervorzusuchen . » Spute Dich - rief ich - Du hast so lange keine Bewegung in freyer Luft gehabt . Wir müssen bey dem herrlichen Wetter schlechterdings noch eine Spazierfahrt machen . Meine Leute holen Vormittags den Koffer , und so ist auf morgen alles besorgt . « Die Schlüssel fielen ihr aus den zitternden Händen ; aber ich hob sie wieder auf , schloß zu , und steckte sie zu mir . Nun giengen wir zur Mutter , die wir glücklicher Weise allein fanden . Der Herr Obriste war nach langem Warten endlich davon gegangen ; freilich aber mit der Drohung , gleich nach Tische wiederzukommen . Die sogenannte Spazierfahrt mußte also beschleunigt werden . Friedrich wußte Bescheid und noch vor drey Uhr trabte er neben unserm Wagen auf dem Wege nach P ... » Hier wird uns der Obriste nicht suchen , « - sagte ich , als wir in das Wäldchen kamen - » Aber fahren wir auch zu weit ? « - fragte Julie . » Nicht weiter als nöthig ist - antwortete ich - diesen Abend sind wir in P ... « » O mein Gott ! - rief sie - ohne Abschied von meiner Mutter ! « » Mit dem Abschiede wärest Du nie davon gekommen . « » Was wird der Obriste sagen ? « » Alles was ihm beliebt , - die Hauptsache ist , daß er uns nicht findet . « » Wilhelmine ! Du bist zu rasch gewesen . Man wird es tadeln . « » Immerhin ! bist Du doch frey . - Auch habe ich einen Brief an Deine Mutter hinterlassen . Der Doctor will das Übrige auf sich nehmen . « Und so gieng es nun rasch nach P .... Gestern kamen wir an , und heute sind wir schon eingerichtet . Die Zahl der Brunnengäste ist ansehnlicher als jemals , und die mannichfaltigen Zerstreuungen werden auf Julien vortheilhaft wirken . Lassen Sie bald etwas von sich hören , beste Mutter , und schonen Sie Ihre Augen , aber nicht Ihren Secretair . In der That , ich glaube Reinhold hat das Amt gerne übernommen , und Sie können sich ganz auf ihn verlassen . Julie umarmt Sie tausendmal und Ihre Wilhelmine küßt die liebe mütterliche Hand . Dreißigster Brief Reinhold an Wilhelmine Ihre Frau Mutter ist wohl , und hat seit gestern merkliche Besserung an ihren Augen verspürt . Demohngeachtet wird meine theure Freundin -