nicht so unumwunden aussprechen . Wenn ein Fremder Sie hörte , es könnte gemißdeutet werden . “ „ O , ich habe mir bereits verschiedene Male das Vergnügen gemacht , mir einige der ärgsten Bewunderer mit solchen Aeußerungen vom Leibe zu halten , “ versicherte Hugo ganz unbekümmert . „ Ich fühle mich durchaus nicht verpflichtet , als Opferlamm für die Popularität meines Bruders Jedem Rede zu stehen . Wie Reinhold diesen Triumph auf die Dauer aushält , begreife ich nicht . Künstlernaturen müssen in dieser Hinsicht wohl ganz absonderlich organisirt sein , meine Seemannsnerven wären längst unterlegen . “ Lord Elton schien auch heute wieder Vergnügen an der Laune des Capitains zu finden , denn er blieb beharrlich an dessen Seite und war ein zwar schweigsamer , aber sehr aufmerksamer Zuhörer bei all den Bemerkungen , die Hugo wie gewöhnlich schonungslos über alles Bekannte und Nichtbekannte ergoß . „ Wenn ich nur wüßte , weshalb Marchese Tortoni auf einmal in solch einer Kometenbahn durch den Saal bricht , “ spöttelte er . „ Die Thür drüben scheint der Magnet zu sein , der ihn unwiderstehlich anzieht – ah so ! Ja freilich , nun kann ich mir diesen Sturmlauf erklären . “ Die letzten Worte klangen in so unverkennbarem Aerger , daß auch der Lord aufmerksam nach dem Eingange blickte . Dort erschien jetzt Consul Erlau , der Ella am Arme führte ; Marchese Tortoni befand sich bereits an ihrer Seite , und alle Drei traten soeben über die Schwelle . Die junge Frau war in weißer , scheinbar sehr einfacher Toilette , aber man sah es , daß Erlau auch in Bezug auf seine Pflegetochter es liebte , sich als Millionär zu zeigen . Dieses weiße Spitzenkleid , das so duftig Ella ’ s zarte Gestalt umwogte , ließ die meisten jener schweren Sammet- und Atlasroben , welche durch den Saal rauschten , an Kostbarkeit weit hinter sich zurück , und die Perlenschnur , die den Hals Ella ’ s schmückte , war von einem so ungeheuren Werthe , daß [ 574 ] viele der funkelnden Juwelen davor verschwanden . Das Haupt der jungen Frau trug einzig seinen natürlichen Schmuck ; kein Diamant , nicht einmal eine Blume zierte die reichen blonden Flechten , deren matter Goldglanz so eigenthümlich reizend mit der zartrosigen Färbung des Teints harmonirte . Diese Gestalt bedurfte keiner berechneten Toilettenkünste , um sich schön zu zeigen , sie war es , ohne alle künstliche Unterstützung , und wenn die Blicke der Damen bald genug herausgefunden hatten , welch ein Werth sich hinter dieser anscheinend so einfachen Toilette barg , so hatten die Herren nicht weniger Augen für die Poesie der Erscheinung , die an ihnen vorüber schwebte . Die Drei waren etwa bis in die Mitte des Saales gelangt , als sich zufällig eine der Gruppen , deren Mittelpunkt Reinhold gewesen war , auflöste und dieser selbst hervortrat und fast unmittelbar seiner Frau gegenüberstand . Es war nicht die erste derartige Begegnung zwischen den beiden Gatten , und sie mußten an solchem Orte immerhin auf die Möglichkeit eines Zusammentreffens gefaßt sein . Bei Ella schien dies auch der Fall ; nur einen Moment lang bebte ihr Arm in dem ihres Begleiters , und eine fliegende Röthe kam und ging in ihren Zügen , dann aber glitt das große Auge ruhig weiter , und sie wandte sich zu dem Marchese , der ihr soeben die Namen einiger der Anwesenden nannte . Reinhold dagegen stand so fassungslos , als habe er die ganze Umgebung vergessen . Wenn ihm die jetzige Erscheinung seiner Frau auch nicht mehr fremd war , sie sah doch anders aus bei dem matten Lampenschimmer im Gartensaal der Villa Fiorina , bei dem düsteren Regenlichte der Veranda an jenem Sturmtage , und in dem halbdunklen Hintergrunde der Theaterloge . So hatte er sie noch nie gesehen , wie heute . Im blendenden Lichtmeer des Salons , im duftigen Festgewande und trotz des Ortes und der Umgebung wehte es zu ihm herüber , wie eine Erinnerung an jene traumhaft schöne Morgenstunde in Mirando , wo das Meer so tiefblau um die Terrasse des Schlosses wogte und der Blüthenduft aus den Gärten herüberzog , während die weiße Gestalt drüben an der Marmorbalustrade lehnte – freilich , ihr Antlitz war auch hier abgewandt , aber jetzt wandte sie es einem Anderen zu . Bei dem Anblick Cesario ’ s , der noch immer seinen Platz an ihrer Seite behauptete , zerstob Traum und Erinnerung ; vor Reinhold tauchten die Worte seines Bruders auf , die ihm seit jener Unterredung alle Ruhe raubten . „ Vielleicht für einen Anderen , “ klang es in seinem Inneren . Ein heißer drohender Blick fiel aus Cesario , und mit einer heftigen Bewegung in den kaum verlassenen Kreis zurücktretend , entzog er sich dem Gruße oder der Anrede des jungen Marchese . Dieser sah ihm betroffen nach . Er kannte nicht entfernt den Grund dieses plötzlichen Ausweichens , aber er ahnte längst schon , daß hier mehr zu Grunde lag als nur eine Feindschaft zwischen Rinaldo und Erlau , die er früher angenommen hatte . Es war ihm nicht entgangen , daß irgend eine geheime Beziehung zwischen seinem Freunde und Ella stattfand , und das heutige Zusammentreffen bestätigte nur zu sehr diese Annahme . Cesario war zu stolz , um wie Beatrice seine Zuflucht zum Spioniren zu nehmen , und so ertrug er denn eine Ungewißheit , deren Lösung von Ella oder dem Consul zu verlangen er noch kein Recht hatte , und die Rinaldo ihm nicht lösen wollte . Der deutsche Handelsherr war beinahe fremd in der Gesellschaft , dennoch begann die Erscheinung seiner Begleiterin bereits Aufsehen zu erregen . Erlau hatte allerdings die Stirn gerunzelt bei dem unerwarteten Anblicke Reinhold ’ s ; da er aber sah , daß Ella scheinbar ganz ruhig blieb , so gewährte ihm das Zusammentreffen eher eine Genugthuung . Der Consul war augenscheinlich sehr stolz auf seine schöne Pflegetochter und bemerkte sehr wohl