die Angelegenheit liegt in meinen Händen , “ sagte der Prälat kalt , „ laß sie mich auch allein zu Ende führen . Es handelt sich jetzt nur darum , Benedict fern zu halten , und zu verhindern , daß man ihn zu einem Zeugniß herruft , ich werde es verhindern – wegen des Weiteren frage mich nicht . “ Mit einem schweren Seufzer ließ sich der Graf wieder nieder . Sein Bruder hatte richtig gerechnet , er ließ den einst so leidenschaftlich vertheidigten Schützling widerstandlos in seinen Händen – der Schlag hatte zu hart getroffen . [ 238 ] Die Thür ward leise geöffnet und der Kammerdiener erschien in derselben . „ Ist es schon Zeit für die Kirche ? “ fragte der Prälat sich umblickend . „ Noch nicht , Euer Gnaden , aber der Herr Pater Benedict wünscht – “ „ Wer ? “ fuhr der Prälat auf , während auch Rhaneck bei dem Namen emporzuckte . „ Herr Pater Benedict wünscht , sofort vorgelassen zu werden und – “ weiter kam der Meldende nicht , denn der Genannte stand bereits neben ihm auf der Schwelle und sagte fast gebietend : „ Lassen Sie es gut sein ! Der Herr Prälat wird mich empfangen ! “ Der Kammerdiener erschrak beinahe vor diesem Tone , er hatte so gar nichts mehr von der Art , mit der ein Mönch bei seinem Oberen eintritt . Pater Benedict that ja , als hätte er hier zu befehlen , und er drängte auch wirklich den Mann zurück in ’ s Vorzimmer , schloß die Thür und schritt rasch durch das Gemach auf den Prälaten zu . Der Graf war bei seinem Erscheinen aufgesprungen und schaute ihn mit einem unbeschreiblichen Ausdruck von Angst und Schmerz an , aber der junge Priester sah das nicht , oder wollte es nicht sehen , er streifte fast den Arm Rhaneck ’ s , ohne auch nur mit einem Blicke von ihm Notiz zu nehmen . Vor dem Abte blieb er stehen und verneigte sich , es war noch der übliche Klostergruß , aber es schien , als habe der Nacken des Mönches es auf einmal verlernt , sich zu beugen , so gezwungen war die Bewegung . Der Prälat schaute ihn streng an . „ Sie hier , Pater Benedict ? Haben Sie meine Botschaft nicht erhalten ? “ „ Welche Botschaft ? “ „ Den Befehl , unverzüglich den Pfarrer Clemens zu verlassen und sich nach dem Kloster zu begeben , das ich Ihnen nannte , vor allen Dingen aber das Gebiet von E. nicht wieder zu betreten . Der Brief muß schon gestern Abend in Ihren Händen gewesen sein . “ „ Gestern Abend war ich bereits in E. , “ sagte Benedict kalt . „ Und was führte Sie ohne Erlaubniß dorthin ? “ frug Jener drohend . „ Die Verhaftung Bernhard Günther ’ s ! “ Der Prälat ballte unwillkürlich die Hand . „ Sie wissen – “ „ Ich erfuhr , was man mir um jeden Preis verbergen wollte , weshalb ich heimlich entfernt werden sollte , und ich komme , um Sie jetzt zu fragen , Hochwürdigster : verlangen Sie noch mein Schweigen ? “ Es kam zu keiner Erwiderung , denn der Graf , der bisher regungslos der Unterredung zugehört , trat jetzt dazwischen . „ Wenn mein Bruder Dein Schweigen forderte , “ sagte er gepreßt , „ er hatte Recht , Bruno . Ich verlange es auch von Dir ! “ Benedict hatte sich bei dem Klange der Stimme umgewandt , und der unglückverheißende Ausdruck trat wieder in sein Auge . „ Sie auch , Herr Graf ? Also wirklich ! “ „ Laß es an dem einen Opfer genug sein ! “ fuhr Rhaneck dumpf , aber fest fort . „ Ich will kein zweites , Du sollst Dich nicht auch noch in ’ s Verderben stürzen ! “ Einige Secunden lang stand der junge Priester da und sah ihn völlig verständnißlos an , dann auf einmal blitzte die Wahrheit in ihm auf . „ Ich mich in ’ s Verderben stürzen ? “ brach er heftig aus . „ Halten Sie etwa mich , mich für den Mörder Ihres Sohnes ? “ „ Du bist es nicht ? “ schrie der Graf auf und es klang wie der Jubel eines Erlösten von Todesqualen . „ Nein ! “ „ Gott sei gelobt ! – Und Du , “ wandte sich Rhaneck jetzt sprühenden Auges an seinen Bruder , „ Du sagtest mir – “ „ Ich sagte Dir nichts ! “ unterbrach ihn der Prälat finster . „ Erinnere Dich , daß Du es warst , der den ersten Argwohn weckte , nicht ich ! “ „ Aber Du nährtest ihn absichtlich mit Deinem Doppelsinn ! Du wußtest , in welche Verzweiflung er mich stürzte , ein Wort von Dir hätte sie lösen können , und Du schwiegst ! “ Es war , als sei mit der furchtbaren Last , die von seiner Seele gesunken war , auch die Gebrochenheit verschwunden , er stand wieder aufrecht und fest , das Auge flammte wieder in der alten Leidenschaftlichkeit , und die Stimme klang voll und drohend . „ Der Herr Prälat konnte Ihnen den Thäter nicht nennen ! “ sagte Benedict fest . „ Sie hätten alsdann Aufschluß über die völlig räthselhafte That verlangt . Er hätte Ihnen zugleich bekennen müssen , wem sie galt und – wer sie befohlen . “ Das Antlitz des Prälaten wurde wieder fahl wie damals , als er die Beichte des jungen Mönches empfing , aber er richtete sich stolz empor . „ Pater Benedict , Sie vergessen , daß Sie vor Ihrem Abte stehen ! “ „ Vor dem Manne , der meinen Tod beschloß ! Ich klage Sie nicht an deswegen , denn ich weiß , es war kein persönlicher Haß . Sie opferten den Ungehorsamen , den Abtrünnigen , der den Orden bedrohte , und es