, den dieser aus der Ferne auf ihn gemacht , durch ein paar freundschaftliche Worte von Mund zu Munde zu brechen . Dies gedachte er noch vor der feierlichen Ratssitzung zu tun . Sprechers Stimmung gegen Jenatsch konnte , war seine Befürchtung , in Bünden eine verbreitete sein . Ich will ihn beschwören , sagte sich Waser , daß er sich bescheide und , nachdem er das Friedensdokument dem Rate übergeben und so den Höhepunkt seiner ruhmvollen Bahn erreicht hat , sich eine Weile zurückziehe , um den Neid der Götter und der Menschen nicht zu reizen . Er möge , wollte Waser ihm andeuten , seine kriegerische Laufbahn im Auslande fortsetzen , oder den Versuch machen , ob es ihm gelinge durch Begründung eines häuslichen Herdes auf seinen Gütern in Davos seine unruhige Seele auf stillere Wege zu führen . Von Herrn Fortunatus unter die Hauspforte geleitet , hatte sich Waser bei diesem erkundigt , wo Jenatsch absteige , und der Ritter in bitterm Tone geantwortet : » Wie könnt Ihr fragen , verehrter Freund ? Natürlich im bischöflichen Hof . « Als der Bürgermeister von einem Diener geleitet durch die hallenden Gänge der bischöflichen Residenz schritt , tönte ihm durch eine Türe zur Rechten die wohlbekannte Stimme seines Freundes in heftiger Erregung entgegen . Sie war im Zwiegespräch , um nicht zu sagen im Wortwechsel , mit einer andern etwas fetten und schwerfälligen . Er wurde von dem bischöflichen Kammerdiener in ein gegenüberliegendes Zimmer geführt und dieser ging ihn anzumelden . Die fernen Stimmen wurden unhörbar , kurz darauf aber wurde eine Tür im Gange aufgerissen . Es war Jenatsch , der Urlaub nahm . » Macht Euch keine Rechnung darauf , Gnaden « , hörte Waser ihn auf dem Gange draußen mit heiserer fast schreiender Stimme zurückreden . » Daraus wird nichts ! Ich will keine hergestellten Klöster im Lande ! Ich dulde keine geistlichen Übergriffe ! « » An diesem Eurem Ehrentage , Herr Oberst « , beruhigte man von innen mit salbungsvollem Tone , » will ich Euch mit unsern bescheidenen Wünschen nicht belästigen , bin ich doch gewiß , daß unsere kleinen Meinungsverschiedenheiten sich mit der Zeit von selbst ausgleichen werden , jetzt , da Ihr im Glauben wiedergeboren und aus einem Saulus ein Paulus geworden seid . « – Die Zimmertür flog auf und Jürg schritt seinem Jugendfreunde mit ausgebreiteten Armen entgegen . Er faßte ihn an beiden Schultern : » Auch einer , der sein Ziel erreicht hat ! « sagte er mit dem alten , fröhlichen Lachen . » Ich gratuliere , Herr Bürgermeister ! « » Es ist mir eine besondere Freude « , erwiderte Waser , » daß ich , kaum mit meiner neuen Würde bekleidet , von meinen gnädigen Herren zu deinem Triumphe nach Chur abgeordnet bin . Du hast , ich muß es dir sagen , das Unerhörte getan , und das Unmögliche erreicht . « » Wenn du wüßtest , Heini , um welchen Preis und mit welchen Verrenkungen meines Wesens ! Noch in den letzten Augenblicken wollten sie meine Heimat um das von mir Erraffte betrügen . – Da habe ich die letzte Karte ausgespielt – eine schmutzige Karte ... puh ! Aber ich drängte vorwärts , vorwärts , damit der Fieberschauer meine Leben nicht ohne Frucht bleibe , nicht umsonst sei . Nun bin ich am Ziele und gern möcht ich sagen : Ich bin müde ! wäre nicht ein Dämon in mich gefahren , der mich vorwärts ins Unbekannte , ins Leere peitscht . « » Mit jenem letzten unsaubern Mittel « , sagte Waser bang und nur an einem Gedanken haftend , » meinst du doch nicht den Abfall von unserm helvetisch-reformierten Glauben zum Papismus ? . . . das wird nicht , kann nicht sein ! « » Und ist es « , rief der andere mit frevler Heiterkeit , » so hab ich eine Fratze gegen eine Fratze getauscht ! « » Du hast in Zürich Gottesgelahrtheit studiert ... « sagte Waser erschüttert , wandte sich ab und bedeckte das Angesicht mit beiden Händen . Schwere Tränen rannen durch seine Finger . Da schlug Jenatsch den Arm um ihn und sagte in einem zornmütigen Humor : » Flenne mir nicht wie ein Weib , Bürgermeister ! Was ist denn da Besonderes ? Da habe ich ganz andere Dinge auf meinem soliden Gewissen ! « ... Dann plötzlich den Ton wechselnd , fragte er dringend : » Was habt ihr denn in Zürich für Bericht von der bei Rheinfelden von Herzog Bernhard den Kaiserlichen gelieferten Schlacht ? Ich weiß noch nichts Näheres « , fügte er bei , » in Thusis hieß es , Rohan sei leicht verwundet . « Waser versetzte mit unsicherer Stimme : » Sein Zustand war gefährlicher , als man anfangs glaubte « ... hier hielt er inne . » Heraus mit der Sprache , Heinrich « , rief Jenatsch rauh , » er ist gestorben ? « Und es ging wie ein grauer Todesschatten über sein Antlitz . In diesem Augenblicke ertönte – Herrn Waser sehr unwillkommen , der noch gern seinen Freund gewarnt und sein eigenes Gemüt in ruhigem Gespräch mit ihm erleichtert hätte – die Glocke , welche die beiden auf das Rathaus rief . Jenatsch ergriff die Rolle , welche Bündens Rettung enthielt , hob sie gegen Waser empor und rief : » Teuer erkauft ! « Letztes Kapitel Letztes Kapitel Auf dem Rathause zu Chur wurden nach dem Schlusse der feierlichen Sitzung , in welcher Georg Jenatsch das Friedensdokument überreicht hatte , Vorbereitungen zu einem glänzenden Feste getroffen , mit dem ihn die Stadt am Abende desselben Tages ehren wollte . Es war Fastnachtszeit und die Churerinnen freuten sich auf den fröhlichen Anlaß ; der Winter war den durch die Geselligkeit der frühern Jahre Verwöhnten allzu still und ernsthaft vergangen , sie hatten die erfindungsreiche Galanterie der französischen Edelleute vermißt , die allwöchentlich aus der nahen Rheinfestung nach Chur zu eilen pflegten