das keusche Weiß ihrer Blüten auf die üppigen Schultern und das gelbflimmernde Haar des » unseligen Weibes « geschüttelt hatten , sie standen auch jetzt in dem kleinen , von eisernen Kübelreifen eingeschnürten Fleckchen Erbe vor dem thüringischen Schlosse , das Haupt fremd in die herbe , harzige Waldluft hebend . Zu ihren Füßen rauschten seidene Schleppen ; keine süßen italienischen Laute , wohl aber Wortpfeile , aus nichts entstehend und doch für einen Augenblick funkelnd und blitzend , flogen durch das dunkle Laub hin und wider – fürstlich vornehme Konversation , in die sich die weichen Klänge der Morgen- und Abendständchen mischten . Die Lichter des Himmels glitzerten in verlockenden Augen , in Brillanten und in den Fontänen wider ; auf den Rasenflächen sprangen die isabellenfarbenen irischen Windspiele des fürstlichen Herrn , und hoch in den Lüften , von den alten Turmzinnen herab , flatterten Freudenfahnen . Der Fürst hatte schon am zweiten Tag das Neuenfelder Hüttenwerk besichtigt . Das Anwesen mit seinen mächtigen dampfenden Schloten , seinen neuen Häusern und dem Menschenschwarm , der auf und ab wogte , sah doch zu imposant herüber und hatte bereits einen zu großen Weltruf , als daß es sich noch hätte totschweigen lassen . Bei dieser Gelegenheit war auch der neue Besitzer dem Fürsten als Herr von Oliveira vorgestellt worden . Er hatte den hohen Herrn selbst durch alle Fabrikräume geführt , und der Fürst war bezaubert von dem schönen , vornehmen Mann , » der mit seinem interessanten Ernst die eleganten Umgangsformen des Kavaliers und Weltmannes so glücklich zu verbinden wußte « . Es war selbstverständlich , daß sich Herr von Oliveira nun auch im weißen Schlosse Seiner Durchlaucht vorstellte , und der Fürst selbst hatte ihm zu dem Zweck eine Stunde des nächstfolgenden Tages bezeichnet . Es war zwei Uhr nachmittags . Die Sonne hing sengend über dem Neuenfelder Tal , aber unter den Ulmen , die ihre Äste über dem Gittertor des Arnsberger Schloßgartens verschränkten , war es kühl und schattig – kühl auch wehte es aus den schnurgeraden Alleen herüber , und fern plätscherten die erfrischenden Wasser der Springbrunnen . Wohlige Lüfte lockten da drinnen , und doch blieb der Portugiese mit fahlbleichem Gesicht , tief Atem schöpfend , vor dem Gitter stehen , und seine Hand sank jäh vom Türschloß herab , als habe es die ganze Glühhitze der Sonne eingezogen . Die fahle Blässe wich auch nicht von dem schönen , braunen Antlitz des Mannes , als die Torflügel kreischend hinter ihm zufielen , als sein Fuß einbog in die Allee , die direkt nach dem Schlosse führte ... Flatterten die ruhelosen , abgeschiedenen Seelen unmenschlicher Schloßherren und sündiger Edelfrauen , mit denen der Volksglaube das weiße Schloß bevölkerte , auch bei hellem Tageslicht durch Gebüsch und Alleen ? Der einsam dahinwandelnde Fremde sah seitwärts , als schreite ein Etwas neben ihm her , hoch und gewaltig , zu dem er aufblicken müsse – ein Etwas , das ihm schmerzhaft den Atem beklemme und seine Pulse fiebern mache ... Am Portal standen plaudernd mehrere Lakaien , sie stoben beim Erblicken des Portugiesen verstummend auseinander und verbeugten sich bis zur Erde ; ein unbeschreibliches Gemisch von Verachtung und Sarkasmus zuckte um den Mund des Mannes . Einer der Diener flog ihm sofort voraus , um ihn anzumelden – er führte ihn nicht nach dem Fremdenflügel ; die Herrschaften hatten sich eben vom Gabelfrühstück erhoben , das in den Gemächern der Baronin serviert worden war . Die lange Zimmerreihe , die einst das Kind Gisela bewohnte , tat sich auf . In einem großen Salon räumten eben mehrere Diener den Frühstückstisch ab , der in Silber und Kristall blitzte . Die Füße des Portugiesen stießen an umhergestreute Champagnerpfropfen – er durfte demnach sicher voraussetzen , in angenehmer Stimmung empfangen zu werden . Nun trat er in ein Zimmer , dessen Türen und Fenster mit violettem Plüsch behangen waren . Seine Augen glitten unwillkürlich in die Ofenecke – der Fremde , der Südamerikaner konnte doch unmöglich wissen , daß dort vorzeiten auf seidenen Kissen der einzige , zärtlich geliebte Freund der kleinen Gräfin Sturm , Puß , die weiße Angorakatze , ihr gehätscheltes Dasein verträumt hatte ! ... Jedenfalls war die eine der Fensternischen weit interessanter als die öde Ofenecke . Dort unter dem weißen Spitzenstreifen hervor , der die Plüschgardine besäumte , bog sich der braune Lockenkopf der berühmt schönen fürstlichen Hofdame ; sie hatte sich mit einem anderen jungen Mädchen plaudernd in die Nische zurückgezogen , und über beide Gesichter flog eine helle Röte , als der Portugiese grüßend an ihnen vorüberschritt – vielleicht hatten die schönen Lippen eben noch von dem merkwürdigen Fremden geflüstert , der gleichsam im Sturme das hinter strengem Verschluß gehaltene Herz des Fürsten erobert hatte . Der anmeldende Lakai kam aus dem anstoßenden Zimmer zurück und stellte sich mit einem tiefen Bückling seitwärts , um den Portugiesen eintreten zu lassen . Seltsam , da stand die hohe Gestalt mit dem majestätisch getragenen Haupt wie gebannt vor der Schwelle – auf der Stirn erschien ein grellroter Streifen . Diese merkwürdig gezeichnete Stirn , verbunden mit einem nervösen Aufzucken der Lippen , gab dem klassischen Profil für einen Moment ein fast diabolisches Gepräge ... Da drin flutete ein zauberhaft grünes Licht und floß über weiße Marmorgruppen , und in einem Sessel lehnte die schöne Exzellenz im weißen Morgenkleide ; ihr leicht und graziös aufgenommenes Haar fiel über das grüne Polster , und die schmalen Kinderhände spielten mechanisch mit einem prachtvollen Granatblütenbukett . » Sonderbar ! « flüsterte die Hofdame erstaunt ihrer Nachbarin zu , als der Portugiese endlich , wie infolge eines plötzlichen gewaltsamen Ruckes , hinter der Plüschportiere verschwunden war – » der Mann schauderte vor dem Seezimmer ; › er konnte nicht über die Schwelle kommen ‹ , wie die Thüringer Hexengläubigen sagen – ich habe es deutlich gesehen ! « » Das ist leicht zu erklären ! « meinte die zarte , blasse Blondine . » Die gespensterhafter grüne Beleuchtung