zu siegen , und er ist ihr eifrigster Verbündeter – der Stammtafel der Mainau wird freilich der fürstliche Name mit dem Nimbus der Souveränität einen beneidenswerten Glanz verleihen – « » Ich frage Sie nochmals : wozu sagen Sie mir das alles ? « unterbrach sie ihn plötzlich – sie hatte ihre feste , hoheitsvolle Haltung wieder errungen . » Ich gehe ja freiwillig , wie Sie alle wissen – ich werde der Frau Herzogin und ihrem Verbündeten wenig Mühe machen – aber solange ich den Namen Mainau nicht abgeschüttelt , so lange dulde ich nicht , daß der Mann , dem ich angetraut bin , vor meinen Ohren verunglimpft wird , mag er noch so schuldig sein . Ich bitte , das im Auge zu behalten , Hochwürden ... Uebrigens will ich nicht entscheiden , was schwerer zu verdammen ist , ob der Leichtsinn des Weltmannes oder die Frivolität des Priesters , der , um jenen Frevel wissend , um erschütternden Gebet den Segen des Himmels auf das unwürdige Spiel herabfleht – der eine zertritt Frauenherzen , ganz im Sinne der meisten seiner Standesgenossen , der andere lästert Gott , indem er den Altar zur Bühne herabwürdigt , wo er als glücklich begabter Schauspieler agiert . « – Sie sprach laut , heftig ; sie vergaß alle Vorsicht , alle Selbstbeherrschung . » Dieses Schönwerth ist ein Abgrund , und zu Mainaus Ehre sei es gesagt , er weiß es nicht – er geht unbewußt an finsteren Thaten vorüber , die gleichsam die Luft des Schlosses erfüllen ; er ahnt nicht , daß die Dokumente , auf welche er sich im guten Glauben stützt , gefälscht sind – « sie verstummte erschrocken ; der Hofprediger fuhr mit einer so ausdrucksvollen Gebärde empor , als gehe ihm plötzlich ein Licht auf – blitzschnell griff er in den Kasten , nahm das obenauf liegende Papier und hielt es prüfend in den Lampenschein . » Sie meinen dieses Dokument , gnädige Frau ? Die Gelehrte , die Denkerin hat es mikroskopisch untersucht und hat entdeckt « » Daß es mit Bleistift vorgeschrieben ist , « sagte sie fest . » Ganz recht , mit Bleistift ist jeder Buchstabe auf der Fensterscheibe nachgezeichnet und dann mit Tinte überzogen worden , « bestätigte er vollkommen ruhig ; » ich weiß das ganz genau , weiß auch , daß es eine mühevolle , nervenangreifende Arbeit gewesen ist , denn ich – ich selbst habe dieses Dokument verfaßt und geschrieben – o , nicht diesen Abscheu , gnädige Frau ! Gilt es in Ihren Augen so gar nichts , rührt es Sie nicht , daß ich mich vor Ihnen demütige und rückhaltlos bekenne ? ... Sie könnten getrost diese Hand berühren – nicht um Geld und Gut , nicht um irdische Macht und Ehren , sondern in Verwirklichung hoher Ideen hat sie gehandelt ... Hätte ich nicht ebenso erfolgreich diesem letzten Willen irgend eine Schenkung an Kapitalien oder Grundbesitz zu gunsten meines Ordens anfügen können ? Baron Mainau glaubt an die Echtheit des Dokuments ; er würde auch eine solche Verfügung nicht angetastet haben – und der alte Herr , der Hofmarschall – nun , er hätte aus guten Gründen glauben müssen . – Ein solcher Raub aber lag mir fern – ich wollte nur die zwei Seelen , die heidnische der Mutter für die Taufe , und die des Knaben für die Mission ... Unser Jahrhundert haßt und verfolgt diese selbstlose Hingebung einer glühenden Mannesseele an den Priesterberuf als Fanatismus – man bedenkt nicht , daß eiserne Bande , um einen Feuerkern gelegt , die Flammen zum Himmel lodern machen und – « » Ketzer verbrennen , « warf sie in eisigem Tone ein und wandte sich ab . Er zerdrückte den Zettel in der geballten Hand . » Sie lodern nicht mehr , « murmelte er mit erstickter Stimme ; – der Mann kämpfte schwer mit einem furchtbaren inneren Aufruhre . » Nicht das inbrünstigste Gebet , nicht die verzweifeltste Selbstkasteiung vermögen sie wieder anzufachen – mich verzehrt eine andere Glut . « – Er streckte ihr die Hand mit dem zerknitterten Papiere hin . » Gnädige Frau , Sie können mich der Fälschung anklagen – mit zwei Worten und diesem überführenden Dokument können Sie Gabriel befreien , mich von meiner vielbeneideten Stellung herabstürzen und mir allen Einfluß , alle Macht rauben , die ich über Hochgestellte besitze – thun Sie es ! Ich will stillhalten , ohne auch nur mit der Wimper zu zucken – werfen Sie mich meinen zahlreichen Feinden hin – nur gestatten Sie , daß ich – wenn Sie Schönwerth verlassen haben werden – in Ihrer Nähe leben darf ! « Sie sah ihn mit großen Augen wie versteinert an – war er wahnwitzig ? ... Ihre schöne Gestalt wuchs gleichsam vor ihm empor . » Sie vergessen , Hochwürden , daß mein Bruder als Patronatsherr von Rudisdorf die Pfarrerstelle nur an protestantische Geistliche vergeben darf , « sagte sie mit leicht bebender Stimme , aber kalt lächelnd über die Schulter zurück . » Es ist wahr – der Psycholog hat recht , wenn er die kälteste Grausamkeit in diejenigen Frauenköpfe verlegt , die den blonden Glorienschein über der Stirn tragen . « Das kam fast zischend von seinen Lippen . – » Sie sind klug , gnädige Frau , und hochmütig , wie selten eine aristokratisch Geborene , die Fürstenblut in ihren Adern weiß – mit einer einzigen Wendung Ihres schönen Hauptes meinen Sie sich über das › Gesindel ‹ zu stellen , das in den Staub gehört . Mag es Ihnen bei anderen gelingen – bei mir nicht . Ich folge Ihnen Schritt um Schritt ; ich hänge mich an Ihre Fersen – nicht um eine Linie ziehe ich die Hand zurück , die ich einmal nach Ihnen ausgestreckt habe , und sollte ich sie dabei verlieren ! Schlagen Sie nach mir , treten Sie mich mit Füßen – ich werde alles dulden , schweigend , ohne Gegenwehr