auf eine Fortsetzung von neulich . Im Schlosse war es heute schon früh lebendig . Das zierliche Stubenmädchen , das auf einen Druck der elektrischen Klingel in Klaudines Zimmer trat , brachte einige Briefe mit . » Weiß man schon , wie Ihre Hoheit sich befinden ? « fragte Klaudine . » Oh , außerordentlich gut ! Hoheit sollen ja schön geschlafen haben und wollen um elf Uhr dem Erbprinzen im roten Saal bescheren . « » Gott sei Dank ! « Als Klaudine fertig angekleidet war , erbrach sie Beates Brief . » Ich komme mit zwei Nichten zum Hofball « , schrieb sie , » wie klingt das ehrwürdig – und wie drollig ist es in Wirklichkeit . Gott gebe , daß Hoheit wohler ist , wenn Du diese Zeilen erhältst . Lothar ist bereits mit den Durchlauchtigsten zur Tafel befohlen . Ich wollte , Klaudine , wenn er denn einmal durchaus eine Prinzessin freien will , er machte die Sache klar . Dies lange Schmachten ist mir fremd an ihm , er ist doch sonst ein so entschlossener Mensch . Vielleicht jetzt , wo die alte Durchlaucht abreisen will ? Ach , Klaudine , ich hatte mir meine Schwägerin einmal anders vorgestellt . Auf Wiedersehen ! « Dann klopfte es und das gutmütige Gesicht der Frau von Katzenstein schaute herein . » Darf ich ? « fragte sie , und gleich darauf stand sie vor Klaudine . » Hoheit wachten so fröhlich auf « , erzählte sie . » Sie wollten selbst den Geburtstagstisch aufbauen . Sie nahmen das Frühstück im Bette ein und verboten noch besonders , Sie , liebste Klaudine , zu wecken , damit Sie ausschlafen könnten . Die Kammerfrau mußte für die Mittagstafel ein rotseidenes Kleid zurechtlegen , und nun – « » Ist Hoheit kränker ? « fragte Klaudine atemlos und tat einen Schritt nach der Tür . » Bleiben Sie , liebstes Kind , ich muß Ihnen noch weiter erzählen . Die Herzogin bekam Briefe heute früh , und plötzlich – ich hatte die Umschläge aufgeschnitten – höre ich vom Nebenzimmer aus einen sonderbaren Ton , wie einen schweren Seufzer , und als ich zurückkomme , liegt die Herzogin mit geschlossenen Augen in den Kissen . Ich bemühte mich um sie , und da sagte Hoheit auf einmal mit eigentümlich schwerer Zunge : › Gehen Sie hinaus , liebe Katzenstein , ich will allein sein . ‹ Ich ging widerstrebend , und als ich vorhin in meiner Angst hinein wollte , hatte die Herzogin sich eingeschlossen . Seine Hoheit hatten schon zweimal geschickt , um sich anzumelden , der Erbprinz vergeht vor Ungeduld , im Garten steht die Kapelle und wartet auf den Befehl zum Beginn des Ständchens , und noch rührt sich nichts in dem Zimmer der Herzogin . « » Mein Gott , sie bekam doch keine schlimmen Nachrichten von ihrer Schwester ? « Die alte Hofdame zuckte die Schultern . » Wer kann es wissen ? « » Kommen Sie , liebste Frau von Katzenstein ! Hoheit war gestern schon so sonderbar , so aufgeregt ! « Das schöne Mädchen mit dem sorgenvollen Gesicht stand an der kleinen Tapetentür , die in das Schlafzimmer der Herzogin führte , und lauschte . Kein Ton zu hören . » Elisabeth ! « rief sie leise und angstvoll . Dort innen wurde der Ruf gehört . Vor ihrem Bette kniete die Herzogin und hob den Kopf , ihre starren Augen wandten sich nach jener Richtung , aber ihre Lippen preßten sich nur noch fester aufeinander . In der Hand hielt sie ein kleines , vielfach gebrochenes Briefchen . Das Zweifeln , das Bangen war vorüber , mit der Gewißheit war Ruhe über sie gekommen , eine schreckliche starre Ruhe , und mit ihr der Stolz , der Stolz der königlichen Prinzessin . Niemand durfte es ahnen , wie arm sie geworden war ! Nur diese kurze Rast noch , nur diese eine Stunde , um das todeswunde Herz zu beschwichtigen , zu betäuben ! Gönnte man ihr auch das nicht ? » Elisabeth ! « klang es wieder . » Um Gottes willen , ich sterbe vor Angst ! « Die Herzogin erhob sich plötzlich . Sie trat einen Schritt auf die Tür zu , die Fäuste an die Schläfen gepreßt wie verzweifelt . Dann ging sie und öffnete . » Was wollen – was willst du ? « fragte sie kühl . Klaudine war eingetreten und blickte in zwei starre , glühende Augen , auf eine hochaufgerichtete Gestalt . » Elisabeth « , fragte sie leise , » was ist dir ? Bist du krank ? « » Nein ! Rufe die Kammerfrau ! « » Kämpfe nicht so dagegen an , Elisabeth , lege dich . Du siehst fiebernd aus , du bist leidend « , stammelte Klaudine , die furchtbare Veränderung gewahrend . » Rufe die Kammerfrau und bringe mir ein Licht ! « Klaudine tat schweigend , wie ihr befohlen . Die Herzogin hielt ein Papier in die Flamme , sie ließ es erst zur Erde fallen , als das Feuer um ihre schmalen , durchsichtigen Finger spielte , und trat dann mit dem Fuße darauf . » So ! « sagte sie , indem sie die Hand auf die Brust legte und tief Atem holte . Ein Zucken flog dabei über ihr Gesicht , als empfinde sie lebhaften körperlichen Schmerz . Sie ließ sich ankleiden , sie ließ alles mit sich tun , als aber die Kammerfrau eine Rose im Haar befestigte , riß die Herzogin ungestüm die Blume herunter und warf sie zur Erde . » Rosen ! « sagte sie mit unbeschreiblicher Betonung . Wie in tiefen Gedanken stand sie dann vor dem Spiegel , Klaudine etwas hinter ihr mit bekümmertem Ausdruck . Endlich begann die Herzogin zu lachen . » Kennst du das Sprichwort « , fragte sie : » › Alles verstehen , ist alles verzeihen ‹ « Und ohne die Antwort