einmal einen leichten Tritt auf dem Sande des Gartenweges , das Rauschen eines Kleides , und Frau v. Bendeleben stand vor der Laube , mit großem , erstauntem Blick das Kind auf meinem Schoße musternd . Ich erhob mich verwirrt und ängstlich . » Bleib sitzen , Gretchen « , sagte sie mit ruhiger Miene und nahm Platz auf dem Sessel , den Frau Renner , die ich eilig auf dem Wege nach Hause verschwinden sah , soeben verlassen hatte . Einen Augenblick blieb es still zwischen uns . Um die Lippen des seinen , blassen Gesichts spielte ein eigentümlicher Zug . Sie sah auf den kleinen , schönen Knaben im weißen Kleidchen , der , unbekümmert um die neue Erscheinung , fortfuhr , mit den Steinchen zu spielen , während er jene unverständlichen und doch zum Herzen gehenden Laute von sich gab , die ein Mutterherz so gut begreift , als hätte das kleine Geschöpf sich in deutlichster Rede ausgedrückt . » Ich hörte bereits gestern abend , als ich ankam « , begann sie endlich , » daß du die Freundlichkeit hast , mein Enkelkind zu pflegen . Wir sind dir in der Tat vielen Dank schuldig und wollen dir nun auch nicht länger die Last aufbürden , die dir die Wartung des Kleinen gemacht hat . Ich werde ihn mitnehmen und sage dir unseren besten Dank für deine Güte . « » Das Kind ist mir keine Last « , sagte ich , vor Angst kaum imstande zu sprechen – » ich habe es lieb und – « » Das glaube ich wohl , und es war , wie gesagt , sehr freundlich von dir « , wiederholte Frau v. Bendeleben , und eine leichte Röte stieg in ihre Wangen . » Es ist allerdings eine eigentümliche Idee von Eberhardt gewesen , das Kind gerade hierherzubringen , indessen – « » Aber mein Gott , gnädige Frau « , rief ich , » wo sollte denn das Kind bleiben ? Sie waren verreist mit Frau v. Eberhardt , die Wärterin lief davon – wie sollte ein Mann , der ohne weibliche Bedienung ist und außerdem noch seinen Dienst versehen muß , es denn anfangen , ein kleines Kind zu beaufsichtigen ? « » So ? Die Wärterin lief davon ? « fragte Frau v. Bendeleben . » Wunderbar ! Es war doch sonst eine ganz vernünftige Person . Nun gleichviel , es wäre am Ende nur in der Ordnung gewesen , daß er das Kind auf das Schloß gebracht hätte , wo es prächtig aufgehoben gewesen wäre bei der Rißmann , anstatt den Skandal noch zu vergrößern und es gerade hierherzubringen . Für Ruth ist dies ein Schlag ins Gesicht , der – das mußt du einsehen – geradezu perfide genannt werden muß . Und nun gib mir den Kleinen , der Wagen hält vor der Tür . « » Gnädige Frau , verlangen Sie alles von mir , nur nicht das Kind « , bat ich und stand von meinem Platze auf . Der Kleine schlang beide Ärmchen um meinen Hals und wandte scheu das Köpfchen zurück . » Ich weiß , wie tief ich in Ihrer Schuld bin , alles will ich tun , um meine unbegrenzte Dankbarkeit , meine Liebe für Sie und den Herrn Baron zu beweisen . Aber das Kind , das er mir anvertraute , kann ich nur ihm , oder auf seinen Befehl herausgeben . « Einen Augenblick sah sie mich wie verdutzt an , dann sagte sie , noch ruhig , obgleich schon ein verhaltenes Beben in der Stimme lag : » Wenn du wirklich dankbar wärest , so würdest du nicht so sprechen – denke nach , in was für eine Situation bringst du dich und uns , wenn du dich weigerst , das Kind herauszugeben . « » Es tut mir leid , aber ich – « » Übrigens ist es lächerlich , daß ich erst noch frage « , schnitt sie mir die Antwort ab . » Du hast überhaupt nicht das mindeste Recht , dich zu weigern . Es ist das Kind meiner Tochter und geht dich gar nichts an . Es ist nicht allein mein Recht , es ist auch meine Pflicht , das Kind seiner Mutter zurückzugeben . « » Seiner Mutter , die sich nie um das Kind kümmerte ? « fiel ich gereizt ein . » Alles , was sie dazu bewegt , es wieder zu verlangen , ist Angst vor der Welt , wenn man erführe , daß sie abreiste , ohne auch nur die geringste Anordnung für die Pflege des Kindes zu treffen ! Sie überließ dies dem Vater , nun mag sie auch zufrieden sein mit dem , was er in dieser Sache zu tun für gut fand . – Ich wiederhole es nochmals , gnädige Frau , es tut mir leid , aber ich gebe das Kind nur in die Hände dessen zurück , der es mir anvertraute . « » Gretchen ! « klang es gereizt und atemlos . Leichenblaß sah sie aus . » Vergißt du ganz , mit wem du sprichst ? Willst du der Unglücklichen nicht nur den Gatten , sondern auch das Kind abspenstig machen ? « » Den Gatten ? « fragte ich . » Und Sie , gnädige Frau , Sie glauben das immer noch ? Sie , die ich so verehrt , so über alles geliebt habe ? Freilich , wie soll ich mich verteidigen , ohne zugleich die Tochter furchtbar anzuklagen . Das Mutterherz würde mir doch keinen Glauben schenken . Aber fragen Sie Hanna oder Bergen , vielleicht urteilen Sie dann anders über mich , wenn sie Ihnen die ganze Wahrheit gesagt haben werden . « » Genug ! « unterbrach mich Frau v. Bendeleben . Ihre Blässe war einer hohen Röte gewichen . Möglich , daß sie ahnte , es könne nicht alles so sein , wie man ihr gesagt hatte . Ihre Augen blitzten mich