bejahrte Hauptmann des Berchtesgadnischen Hallturms , erhoffte sich alles Beste von den Schönwetterkräften des heiligen Peter . Dennoch hatte er in dunkler Sorge am hellen Morgen einen reitenden Boten nach Berchtesgaden zu Herrn Pienzenauer gesandt und ihm die rätselhafte Brandschatzung auf dem bayrischen Hirschanger , die unerfüllbare Forderung des Hauptmanns von Plaien und das Nahen eines mächtigen Heerhaufens melden lassen . Bei dieser Nachricht war Fürst Pienzenauer mit dem Stoßgebet aus dem Bette gesprungen : » Hätt doch der Teufel die siebzehn Ochsen geholt , eh Ruppert sie bei den Schwänzen packte ! « Was zu Berchtesgaden ein Eisen schwingen konnte , mußte zum Hallturm marschieren , die neue Anna und die neue Susanne rasselten im Galopp ihrer Gespanne der bedrohten Pforte des Landes zu , die Kugel- und Pulverkarren knatterten hinterdrein , und Fürst Pienzenauer ritt in sausender Hast nach der andern Seite davon , um von Salzburg Hilfe in der Not zu erflehen , und wär ' s auch gegen Verpfändung der Schellenberger Pfannstätte . Lieber ein kostbares Glied aus dem Leibe reißen , als mit dem Kopf bezahlen . Herr Armansperger , während er vom Bord der Mauer Zwiesprach mit dem Sergeanten von Plaien hielt , konnte das Rädergerassel der zwei nahenden Geschütze hören , die man binnen sechsunddreißig Stunden zu Berchtesgaden geschmiedet und gegossen hatte . Als sie über die Innenbrücke des Hallturms fuhren , machten sie einen so dröhnenden Spektakel , daß Herr Armansperger sein eignes Wort nimmer hörte und nicht weiterverhandeln konnte . Er verschwand von der Mauer . Vor den sechs Parlamentären fiel die Kettenbrücke über den Wassergraben herunter . Man sah in eine Halle , die von Gepanzerten wimmelte . An die zwanzig kamen heraus , und der Plaiensche Sergeant , dem man die Augen mit einem weißen Tuch umhüllte , wurde in die Feste geführt . Hinter ihm hob sich die Brücke wieder . Seine vier Geleitsknechte lagerten sich in der schönen Sonne auf dem Boden . Malimmes blieb stehen , auf den Bidenhänder gestützt , und musterte mit prüfendem Blick das Gemäuer und die Türme . Er sah es gleich : Diese Mauer mußte man in schwerem Sturme berennen . Zu umgehen war sie nicht . Zur Linken und zur Rechten , wo sie gegen den Untersberg und gegen den Rotofenkopf des Lattengebirges auslief , war steiles , unwegsames Gehänge . Oder gab es da doch einen Weg ? Irgendwo da droben ? Für Füße , die mit den Bergen vertraut waren ? Zur Rechten , auf dem Rotofenkopf ? Nein . Zur Linken , auf dem Untersberg ? Die Augen des Malimmes spähten . Hoch droben im Sturz des Berges entdeckte er ein Felsband . Das war , auch wenn der Mondschein half , ein übler Weg für die Nacht . Ein Weg , auf dem es bei jedem Schritt ums Halsbrechen ging . Aber ein Weg war es doch . Schmunzelnd musterte Malimmes die Mauer wieder . Wo war auf dieser linken Seite die schwächste Stelle ? Da gewahrte er auf einem Wehrsöller dieser Mauerseite unter andern Leuten der Besatzung das verwitterte Bartgesicht seines Bruders Marimpfel . Als langjähriger Hofmann stand Marimpfel bei der Kerntruppe des Stiftes . Die hatte man hingestellt , wo man die besten Leute brauchte , weil da die Mauer am leichtesten zu fassen war . Hier mußte man also stürmen , hier den Gadnischen in den Rücken fallen . Malimmes umging den Wassergraben , der in dem steinigen Talschnitt nur das Tor und seine Türme schützte . Auf steilem Felsgerölle stieg er gegen den Fuß der Mauer hin und winkte lachend zum Wehrsöller hinauf : » Grüß dich , Bruder ! Auch schon munter ? « Marimpfel war verdrießlich . Er brüllte über die Mauer : » Eh du heut die Augen auf getan hast , hab ich die Hos schon viermal umgedreht . « » Sooo ? « Malimmes lachte . » Wenn du mit dem Eisen so flink bist wie mit dem Hosenbändel , da wird ' s uns schlecht gehen . « » Kann schon sein , daß man dich aufzieht . Beim wievielten Hänfenen bist du schon ? « » Auf den sechsten wart ich . Oder kommt erst der fünfte ? Mir geht ' s wie einer Wittib , die nimmer weiß , was ihr zusteht . « Weil dieses Gleichnis die Mannsleut auf der Mauer erheiterte , lachte auch Marimpfel mit . » Bist du bei denen da drüben ? Soldest dem Landshuter ? « » Das nit . Aber haben hätt er mich mögen . « » Zu dem tatst passen ! Ist ein Feiner , der ! Wissen tut man ' s. Aber sagen darf man ' s nit . Mir scheint , der hat heut nacht auf dem Hirschanger die bayrischen Kinder schiech in den eignen Dreck gewickelt . « » Tu ' s ihm halt verzeihen ! Bedreckte Kinder muß man nit gleich wegschmeißen . Wozu ist das saubere Wasser da ? Geh , Bruder , sei gutherzig ! « » Was Bruder ! Ich bin Hofmann . Bei mir da heißt ' s : Hie Freund , seil Feind ! « Malimmes lachte . » Da bin ich dümmer wie du . Für midi bleibst allweil noch ein Tröpfl aus meiner Mutter Blut . Und da kannst mir als Bruder einen Gefallen tun ! « Im Gesicht des Malimmes spannte sich jeder Zug . » Magst von mir einen Gruß ausrichten an euren Jungherrn Someiner ? « Marimpfel , der lieber nach Ingolstadt geritten wäre , als daß er hier auf der Mauer stand , war seit zwei Tagen auf Lampert Someiner nicht gut zu sprechen . Er brüllte : » Den Gruß richt selber aus ! Aber weit wirst laufen müssen ! « Einer von den Spießknechten auf der Mauer faßte den Schreier am Arm , als wollte er ihn zum Schweigen mahnen . Marimpfel befreite seinen Arm . » Laß aus ! Ich weiß schon , was ich red .