das Elend fortgangen die Jahr , bis unser lieber Herrgott ein End gemacht . Nun mag ich nit versaumen , daß ich dich um eine gnädige Absolution bitt zwegen der fünf Gulden , so der Anderl , Gott laß ihn ruhen , selbigsmal von Euch verlangt hat als Bueß , daß du ihm davongangen bist . Habs gwiß nit wollen und ihm fleißig fürgstellt - das aber leider alles vergebens war . Liebster Mathiasl , du fragst , ob ich einen Platz hab für einen kranken Mensch . Wär mir wohl der Gedank nit darwider , daß etwan du dieser Mensch bist , und wollt dich schon gsund machen in unserm Gau ; aber wenn du schreibst , daß du gesund bist , wird schon wer anderst krank sein . Etwan gar deine Hausfrau . - Hast ja nit geschrieben , ob du schon ein Ehweib genommen - was mich leider ja auch nit angehet . Also bring mir die kranke Person und kehr bald bei mir zu . Und nimm Gotts Grueß von deiner getreuen Kathrein Lackenschusterin . « Nun laß ich es sein , von meiner Freud zu sagen ; ist wohl kein Mann noch Frau , so nicht einmal ein Gleiches hätt erlebt . Mein ehrwürdiger Vater Grail aber sagte : » Pack zsamm , Hiasl ! - Ich versorgs Haus schon , bis d ' wiederkommst . Und der Eberhard ist ja auch da , wenn sich grad was fehlen sollt . - Aber - ich mein - es fehlt sich nix ! « Also machte ich mich reisefertig und fuhr den andern Tag dahin - heim . Mag sonst wohl ein kurzweiligs Reisen sein , so durch die Gaue und durch mannigfache Dörfer und Märkt , vorüber an jungen Saatfeldern und Wiesen , an Wäldern und Ortschaften , immer die schneeglänzenden , blauschimmernden Bergketten vor Augen . Diese Reise aber deuchte mir schier wie eine Fahrt durch die Ewigkeit , obgleich ich mit der Eilpost dahinfuhr und die Landschaft mit ihren Hügeln und Tälern rasch an meinem Wagenfenster vorüberglitt . Endlich aber wurde der Weg steiler , die Hügel wurden zu waldigen Höhen , die Bergkette wurde dunkler und rückte näher und näher . Und da es um die Stunde war , daß der Landmann vom frischgeeggten Feld , von der Frühjahrsarbeit heimkehrte zur Abendsuppe , da ließ der Kutscher seine Geißel knallen und fuhr hinein in meinen Heimatort , durch blühende Obstgärten und helle Bauernhöfe , bis er gegenüber der Kirche vor dem Tor des Hauses hielt , darüber das Schild prangte : Postgarten Sonnenreuth . Mit zitternden Knien stieg ich aus dem Wagen und gab meine Weisungen für die Rückfahrt . Dann ging ich langsam hinauf zum Freithof und suchte meine herzlieben Zieheltern heim und wünschte ihnen den Frieden . Indem läutete man zum Rosenkranz , und ein junger Pfarrer trat ein und verschwand in der Sakristei . Darnach kam ein hinkender Bursch im Meßmerrock , öffnete die Kirchentür und das Freithofsgitter und grüßte bald diesen , bald jenen aus der Gemeind . Und dann wandelten sie daher : alte , gebeugte Männer , weißhaarige , runzlichte Mütter , etliche Jungfrauen mit niedergeschlagenem Blick und demütig geneigtem Haupt , und dazwischen die Kinder meiner Altersgenossen und Kameraden . Noch einmal ertönte ein kurzes Zusammenläuten zweier Glocken , - die Uhr schlug fünf , und die Kirchentür wurde leise geschlossen , indes der schrille Ton der Sakristeiglocke das Eintreten des Priesters zum Altar verkündete . In diesem Augenblick erscholl das feierliche Spiel der Orgel , die silbernen Glöcklein der Ministranten tönten während des Segens zu mir heraus , und nach einer Weil vernahm ich das gleichmäßig abgestimmte Beten der Gesätzlein des glorreichen Rosenkranzes : » Der von den Toten auferstanden ist . « Noch ein paar Augenblicke lauschte ich , dann ging ich langsam aus dem Garten der Abgeschiedenen und wandte mein Aug der Stätte zu , da einstmals der Weidhof geprangt hatte . Ein mächtiger Besitz stand nun hier und ließ nicht ahnen , welches Unglück diesen Erdenfleck vor einer Zeit heimgesucht . Mit Bitterkeit und Trauer wandte ich meine Blicke weg und schritt fürbaß , dem Lackenschusterhof zu . Der stand frei auf der mit blühenden Obstbäumen bepflanzten Anhöhe und hob sich massig aus dem bläulichen Dunkel des Abends . Eine feine Rauchsäule stieg aus dem Kamin , und etliche Knecht und Mägd gingen geschäftig ab und zu . Ein zottiger Hund stand vor seiner Hütte und gab knurrend Laut , und eine schneeweiße Katze strich schnurrend um den Türstock , als ich mit klopfendem Herzen einging und mit überquellenden Augen in der Kuchel hinter sie trat : » Kathreinl ! « Als ein schmächtigs , betagts Frauenbild stand sie da und rührte mit dem Schäuflein im Schmarren . Ihr goldrotes Haar war an den Schläfen wie Flachs gebleicht und ihr schmales Gesicht war von der Herdhitz leicht gerötet . Sie hatte mich nicht gehört und mein Kommen nicht weiter beachtet , also daß ich ganz nahe hinter sie trat und wieder sagte : » Kathreinl ! « Da wandte sie ganz langsam den Kopf , ihre Augen glitten wie aus weiter Fern über mein Gesicht , blickten mich eine Weil groß an und wurden langsam trüb und naß . Dann falteten sich ihre Händ wie zum Beten , und sie sagte leise : » Mathiasl - ja - du bist es schon . - Grüaß di Gott ! « Und löste ihre Hände und erfaßte die meinen : » I hab schon gwart auf di . - Kimm nur glei auffa - dei Stüberl is schon gricht . « Darnach rief sie eine Dirn in die Kuchel und führte mich hinauf über die knarzende Stiege in eine reiche Kammer , schob mir einen Stuhl hin und setzte sich zu mir , indem sie sagte : » Lang hab i warten müssen - aber jetz hab i di do no derwart . - Jetz bist do no hoam kommen . « Ja