ihn durch Drehen seiner Arme , daß er aufschrie . Dann ließen sie nach und herrschten ihn an : » Gesteh ! « Viele Plünderer schleppten ihre Opfer fort , auf daß sie in den Wohnungen verborgene Schätze angeben sollten . O wie schnitt mir die Folter der armen Menschen , das Stöhnen und Kreischen , das Wimmern und Röcheln ins Herze ! Zu mehreren Malen bäumte sich in mir die Rachsucht auf , und ich hätte mit der Muskete in die Plünderer hineinschießen mögen . Doch zügeln mußte ich mich , um meine geliebte Braut nicht zu gefährden . Und so schaute ich tatenlos zu , wie grausam der Feind meinen Landsleuten und Glaubensgenossen mitspielete . Manchesmal wandte ich mich ab vor Entsetzen , schüttelte die Faust und biß hinein in ohnmächtiger Wut . Da legte sich eine Hand auf meine Schulter , Theklas Antlitz stund voll Schmerz und Tränen . Das grausige Schauspiel hatte sie mit angesehen , da auch sie eine Öffnung im Gemälde gefunden . Nun stund sie erschüttert und ratlos , die Hände ringend . Dann warf sie sich an meine Brust und schluchzte . Ich hielt die zitternde Braut umschlungen und streichelte wortlos ihre Wange . » Ach , Johannes , laß uns nicht wieder hinschauen ! Das ist ja die Hölle ! Ihr Anblick weckt böse Geister . « Ich nickte , und wir kauerten uns in eine Mauernische . Aber nun vernahmen wir mit dem Ohre , was in der Kirche geschah ; es war , als ob ein Bann uns zwinge , darauf zu achten . Und es dehnte sich die Zeit - wir seufzeten - aber des Schreckens war kein Ende . Horch , nun scholl aus rauhen Kehlen ein Sauflied und ein Jauchzen , als ob man sich beim Weine verlustiere . Dann Weiberkreischen und wiehernd Gelächter . Die Augen aufgerissen , als ob sie innerlich schaue , brütete Thekla schweigend . Ungeduld quälte mich . Dies Hinhorchen war ja schlimmer als das Zuschauen . Sprang also auf und lugete wieder durch die Öffnung des Gemäldes . Ist das nicht der Prädikant ? Ganz nahe lehnt er an einer Säule , matt zum Hinsinken . Bleich sein Gesicht , der Priesterkragen mit Blut besudelt . Ein Kroat hält die Muskete auf ihn angeschlagen , während ein zweites Feuerrohr am Boden liegt . Als eine reißende Bestia ist der Kerl anzuschauen , wie er die Augen funkeln läßt im gelben Gesicht und , den gepichten Schnauzbart wie Eisen spitzig , in jeder Backe eine Mordkugel vorrätig hält . » Pfaff , gib Geld ! « stößt er heiser hervor . » Gib Geld - oder - « Da wirst sich eine junge Frau , ihr Kindlein im Arm , vor den Kroaten hin und ruft : » Erbarmen ! Gnade ! Pardon ! Wir haben ja kein Geld mehr ! Gnade ! Pardon ! Mein Mann ist geistlich ! « » Ah , Ketzer ! « schnaubt der Kerl . » Pfaff , gib Geld - oder - « Nun legt die Frau ihr wimmernd Kind auf den Boden , nestelt an ihrem Brustleibchen , reißt etwas Glitzerndes ab und beut es dem Eisenbeißer dar . Kalt blickt der Wüterich , bläset darauf die Lunte seiner Muskete an und will schießen . Da ermannet sich die verzweifelte Frau , schlägt ihm die Muskete in die Höhe , wobei der Schuß losgeht , rafft das andere Feuerrohr vom Boden auf und legt es wider den Feind an . Der glotzt wie versteinert . Indem aber tritt ein anderer Feind von hinten zur Frau und trifft sie mit einer Keulhaue auf den Kopf , daß sie taumelt . Zugleich springen von allen Seiten Feinde herbei , geschwungene Säbel blitzen und zerhacken den hingesunkenen Körper wie Fleisch auf dem Metzgerblocke . Hierauf so packen die Mörderfäuste das am Boden liegende Kindlein an den Beinen und reißen es voneinander wie einen Tuchfetzen . Da halte ich mich nicht länger , und wie Thekla mir zuruft : » Ja , schieß ! « stecke ich die Muskete durch die Öffnung , nehme mir einen Bluthund aufs Korn und brenne los . Zugleich knallt Theklas Pistol . Der Pulverdampf verhüllt die Gruppe . Wie er sich verteilt , wälzen sich zween Soldaten im Blute , während die anderen sich fortgemacht haben , und nur einer , den Karbiner angeschlagen , zum Gemälde emporstarrt , verdutzt , weil zwar Rauch , aber kein Schütze zu erblicken . Dann wendet der Soldat sein Gesicht ganz aufwärts , als ob er oben im Gewölbe etwas Seltsamliches gewahr werde . Gleich darauf reißt er die Augen auf und schreit : » Feurioh ! « Wie ich mich bemühe , durch das Loch emporzuspähen , siehe , da bricht an einer Stelle der gewölbten Decke schwarzer Qualm herfür und eine Funkengarbe . Und auf einmal geht ein Gebrüll los : » Feurioh ! Die Kirche brennt ! « Ein Teil der Plünderer rennt zur Kirchenpforte , der andre Teil scheint es nicht eilig zu haben . Aber da kommt ein Soldat zurückgelaufen : » Macht fort ! Das ganze Stadtviertel brennt ! « Nun geht die Flucht erst recht los , alles , was sich regen kann , drängt zum Ausgange . Bis auf wenige Kerle , die entweder kaltblütig oder sinnlos fortfahren , ihren räuberischen und bestialischen Gelüsten zu fröhnen . Einer zerrt am Fuß eines erschlagenen Bürgers , ihm den Stiefel abzuziehen . Ein paar Saufbrüder wanken gröhlend Arm in Arm , den gefüllten Kirchenpokal erhoben . Bald aber sind die Menschenlaute verstummt , und nun haucht und wispert und knattert die Feuersbrunst . Fragend sehe ich Thekla an : » Sollen wir hinaus ? Oder bleiben ? « » Bleiben ! « meint sie . » Denn so wir selbst der Feuersbrunst entgehen , wird uns diese Soldateska empfahen . « » Laß uns zuvörderst kundschaften ! Komm Thekla , wir wollen uns umschauen ! « Mit dem