an ihn , verworrenen Haares , aus der Bleiche ihres geängstigten Lebens so inbrünstig aufweinend , als wenn Einhart jetzt gekommen wäre , ihr die Zauber , die er um ihr kleines , lustiges Leben gewoben , wirklich herunterzureißen . In Einhart war ein Kampf . Eine widerwillige Blutwelle ging in ihm , die seinen Blick zu ihr starr und weh machte . » Sinne nicht ! « schluchzte Johanna hastig . Und sie hatte sogleich seinen Kopf an sich und an ihre weiche Brust gepreßt , indem sie Einhart mit aller Gewalt festhielt . » Sinne nicht ! « flüsterte sie leidenschaftlich . » Es kann besser werden ! Laß uns bald fortgehen ! « redete sie in Überstürzung von allerhand Bekenntnissen . » Auch du hast es mit verschuldet , selber , « sagte sie weinend . » Du hast mir zuerst den Satan gezeigt , und meine Neugier geweckt . Und hast mich nie zurückgehalten ! « » Mir graust vor den harten Lüsten ! « weinte sie kläglich . » Geliebter , ruf mich noch einmal zurück ! hilf mir , hilf mir ! « bat sie und rang sie . » Ich will wieder werden , was ich durch dich geworden war . Ich will meine Schönheit wieder haben ! ich will meine Schönheit wieder haben ! « Einhart war so einfachen und schlichten Anschauens , daß er nie dachte , daß die verklärende Liebe der Seele des Andern wirklich eine Elle zusetzt und sie erhöht über alle , die von dem Geheimnis nichts wissen . Deshalb , wie Johannas Selbstanklage so über ihn herfiel , konnte er nichts als verlegene Güte sein . Er war sanft , wie Moses vor Gott . Er sah durchaus nicht heiter aus , obwohl er doch lächelte . Er wußte es jetzt , was es hieß , diese Verzweiflung . Auch in ihm blutete es . Auch in ihm wollte eine Stimme furchtbar aufschreien , wie der reißende Sturm , der Äste und Blätter tummelt . Es war nichts Ruhiges in ihm . Und doch streichelte seine Hand die weißen Hände und die weiße Stirn Johannas . Einhart wußte : die Frühlinge der Seele kommen selten . Und wer kann sie halten ? Er wußte , daß Johanna jetzt eine nackte Büßerin sich wand nach einem ewig Verlorenen . Und er begann sanft und treu in sie hineinzutrösten mit leisen Worten und sie in seine Arme sanft einzustricken . Er begehrte auch nichts zu wissen weiter . Er redete nur ganz zum Besinnen . Er war so weit gekommen , in alles einzuwilligen . » Wir gehen fort , « sagte er . » Wir gehen ans Meer . « Er war , wie sie dann schon ruhiger erwogen und besprachen , in seiner Art und Sachlichkeit so töricht , gar den alten , lieben Ort neu in Aussicht zu nehmen . » Nein , nein ! um nichts in der Welt dahin zurück , « brach Johanna , noch einmal ganz in die Erschütterung zurücksinkend , aus , » wo alles begonnen . Dort wird mich jeder Stein und jeder Ast treffen und schlagen . Alles wird mich erinnern und zermartern . Ich werde nicht mehr am Meere stehen können , wo der Bann mich blutig gegriffen . « Der Gedanke daran brachte Johanna geradezu in einen Zornesausbruch und eine wahre , reißende Inbrunst , daß sie Einhart noch leidensvoller wieder beschwor , ihr zu vergeben , so daß ihre Versicherungen der Liebe kein Ende fanden . 14 Eigentlich müßten wir uns nach guter Mannesart schießen , mein lieber Poncet ! « sagte Einhart lächelnd . » Aber Leidenschaften muß der Künstler wohl oder übel doch einmal anerkennen . Schließlich muß er davon leben , « lachte er , » wenn sie einen unter Umständen auch verbrennen oder zerbrechen . « Einhart und Poncet besprachen sich mit Offenheit , erwogen das Sinnlose des Hasses oder auch nur Vorwurfs in ihrer Lage , und daß darin die Entscheidung Johannas allein der Sinn wäre , um den es sich handelte . » Johanna hat sich entschieden , « sagte Einhart zu Poncet , als er zuerst bei Poncet eintrat . Und er sagte es noch ein paarmal dann . Und als die beiden von Poncet begleitet am Bahnhofe eine Weile noch vor dem Kupee standen , wußten und fühlten es alle drei . » Johanna hat sich entschieden . « So hatte auch Poncet in Gegenwart Einharts Johanna , die mit blassem , scheuem Gesicht vor ihm stand , die Hand zum Abschied gereicht . Der Sommer am Meer verging wie ein hegericher Tag , den milchige Dünste trüben . Man sah nie das volle Licht . Trotzdem lebte man freundlich , ja froh , kann man sagen . Hoffnungen schwammen nicht wie weiße Schäfchen am Himmel . Die Heidehügel erinnerten an viel ernste Dinge . Aber die schliefen im Blute jetzt . Die Arbeit brachte Ruhe . Johanna war unglaublich sorglich für Einhart . Einhart empfand ihre Güte , und daß sie den Gram wollte vergessen machen . Man hatte sich bei einem alten Kapitänspaar eingemietet . Vor dem Hausgarten ragte wieder ein verwittertes Holztor im Bogen . Darüber blühten auch hier Heckenrosen . Johanna konnte jetzt stundenlang einsam sitzen , einen Rosenzweig in Händen , auf den sie beständig niedersah . Ihr Dunkelblick schien weich und kindlich . Vieles war hingegangen . Sie wollte nicht zurückdenken . Man badete jetzt nicht mehr wie im Paradiese . Einhart trieb Kurzweil und versuchte aus dem Ernst manchmal herauszukommen . Keiner gestand es sich ein , daß etwas in dieser Zeit wie verweht schien . Einhart war eifriger wie je . Er unterhielt sich oft mit dem Kapitän . Er spürte Seemannszauber und allerhand Meersagen nach . Der Alte wußte mancherlei . Er erzählte von Meerfrauen , und daß manche von ihnen in Meervögel verzaubert wären . Er sagte auch , daß alle Meervögel eine ewig sehnsüchtige Seele besäßen ,