jeder froh werden mußte , der sie ansah . Weil sie doch nun einen Mann hatte und sich nach ihrer Vorstellung nicht mehr des Kindes vor andern zu schämen brauchte , so bekam sie eine besondere Lust , einmal mit den beiden zu ihren Eltern zu reisen , die auf einem Dorfe und mit der Bahn nicht allzu entfernt wohnten . So beredete sie denn eine lange Zeit mit ihrem Mann diesen Plan , und wie die Witterung passend war und sie beide mit Kleidung wohl versehen , daß sie den Eltern gefallen mochten , da erbat er sich für einen Montag Urlaub , und sie fuhren auf zwei Tage nach dem Ort mit großer Freude ; der Kleine war sehr artig unterwegs , und viele , die mitreisten , fragten die Eltern über ihn , ließen sich erzählen und freuten sich seiner . Die Eltern der Frau waren Instleute , die zu einem großen Gute gehörten und ein Häuschen für sich hatten , eine Kuh und zwei Schweine , und ein Stück Acker bekamen sie von der Herrschaft . Sie verwunderten sich sehr über ihre Tochter , daß sie so schön gekleidet war , und über den Schwiegersohn , und über den Enkel , und waren über die Maßen stolz und fröhlich , und mußten die Kinder von allem erzählen , von der Arbeit des Mannes und von seinem Lohn und von ihrer Wohnung in einem so großen Hause , daß in dem einen Hause so viele Menschen wohnten , wie hier in dem ganzen Dorfe , und daß sie polierte Rohrstühle in ihrer Stube hätten . Über das alles schlug die Mutter die Hände überm Kopf zusammen , und der Vater sagte nur : » Ei , ei ! « Und bei dieser freudigen Verwunderung der Alten wurde es den beiden erst so recht klar , wie gut sie es hatten , und wie glücklich sie lebten . Dann nahm die alte Mutter den Enkel auf den Arm , der ganz fein und vornehm aussah in seinem großen , weißen Hut neben ihrem verbrannten und verarbeiteten Gesicht und ging mit ihm hinaus in den Hof , ließ ihn die Schweine im Stall sehen und erzählte ihm , daß die zu Martini geschlachtet würden und daß dann Wurst gemacht würde , und er solle dann auch eine kleine Wurst haben , und dann zeigte sie ihm die Kuh , die vor der Krippe stehend zurücktrat und sich umsah nach den beiden mit ihren großen , sanften Augen . Und wie die Alte so allein mit dem Jungen war und keiner sie sehen konnte , herzte sie und küßte den Enkel fortwährend , denn vorhin hatte sie das nicht gewagt , und das Kind streichelte ihr die Backe und faßte lachend an ihre Nase . Der Alte aber führte den Schwiegersohn im Häuschen herum und zeigte ihm alle Einrichtungen , wie er die Wurst räucherte , und wo er sein Korn aufhob , denn er bekam Dreschanteil , auch das Dach zeigte er ihm und erzählte , daß es früher mit Stroh gedeckt gewesen sei , aber er habe jetzt ein Ziegeldach hergestellt , und zwar habe er Falzziegel genommen , was das Neueste sei und sehr viel besser als die Hohlziegel , die man früher gehabt , und so redete er noch vieles Wirtschaftliche und Verständige mit dem Schwiegersohn . Und weil ihm der so gut gefallen hatte , und er selbst hatte doch auch seinen kleinen Stolz , so nahm er ihn am Ende beim Ärmel und sprach zu ihm , er müsse nicht denken , daß die Eltern seiner Frau Habenichtse wären ; und wenn sie einmal starben , so kamen doch auf jedes Kind etwa hundertundfünfzig Taler , die sie dann erbten . Wie es gegen den Abend ging und die alte Frau daran dachte , das Essen zu bereiten , da taten sich die beiden Alten zu einer heimlichen Unterredung zusammen , und dann brachten sie eine Flasche Wein zum Vorschein , die hatte die Herrschaft vor Jahren einmal geschickt als eine Stärkung für die alte Frau , die damals recht krank gewesen war , aber sie hatte aus eigener Ehrfurcht nicht gewagt , das Geschenk anzurühren , sondern es aufgehoben , wenn einmal ein besonderer und festlicher Tag sein sollte . Sie lachten beide viel in Behaglichkeit und in Unruhe über das Ereignis , daß die Flasche nun entkorkt werden sollte , dann bereiteten die beiden Frauen am Herde das Essen , und die Mutter freute sich , wie flink ihre Tochter war , dachte auch seufzend früherer Zeiten , wo ihre Glieder noch nicht so steif geworden ; ganz leichtfertig ging sie an den Speck und schnitt ein großes Stück ab , auch viele Eier nahm sie und ein großes Stück Butter stellte sie auf , und wenn sie auch eine heimliche Furcht hatte , ob nicht zu viel aufgehe , wenn sie den Tisch so üppig bereite , so freute sie sich doch wieder , daß es ihren Kindern gut schmecken sollte . Das gute Essen und der Wein machte alle Lebensgeister noch froher und munterer , und der alte Vater erzählte aus seiner Jugend und rühmte die heutige Zeit , daß es da jeder besser habe , und wer ordentlich und brav sei , der erreiche auch etwas , sei es nun in der Heimat oder in Amerika ; und seine Bäcklein röteten sich unter den grauen Stoppeln , und er begann sogar die alte Mutter an die Zeit ihrer Verlobung zu erinnern , daß die erst sich schämte und ihm verbot und nachher gerührt wurde und sich mit dem Schürzenzipfel ein Tränlein aus dem Auge wischte ; am meisten lag ihm jedoch das neue Dach aus Falzziegeln am Herzen , und er wurde nicht müde , dessen Vortrefflichkeit zu preisen . Die beiden Alten hätten in ihrem Stolz das Enkelkind gar zu gern ihrer Herrschaft gezeigt , nur wußten sie nicht recht , wie sie das beginnen sollten , denn