später unser Abendbrot zu nehmen , worauf gern eingegangen wurde . Als Hanneh mich fragte , wo Kara geblieben sei , sagte ich nur , daß er gegen Abend wiederkommen werde , und ging dann in den Garten , wo , wie ich hörte , sich der Pedehr befand . Er saß auf der Bank , wo ich von Tifl als Pflaumendieb überfallen worden war . Ich setzte mich zu ihm . » Kennst du den Scheik ul Islam ? « fragte ich . » Ja , « antwortete er , sofort aufhorchend ; » doch nicht persönlich . « » Hat man sich vor ihm zu fürchten ? « » Du wohl nicht , aber vielleicht wir . « » Falsch ! Ich bin jetzt Dschamiki , so vollständig Dschamiki , daß ich keine Gefahr kenne , die es nicht für mich gibt , sondern nur für Euch . Der Scheik ul Islam wird morgen zu uns kommen . « » Ist das wahr ? Wer hat es gesagt ? « rief er erschrocken aus . » Der Chodj-y-Dschuna . « » So kommt er allerdings . Der Chodj ist stets gut unterrichtet . Er hat sich nie geirrt , wenn er uns warnte . Wenn der Scheik ul Islam persönlich zu uns kommt , so handelt es sich um eine Sache von allerhöchster Wichtigkeit . Er ist ein Fürst des geistlichen Standes und unternimmt sicher keine solche Reise , ohne die schweren Gründe sorgsam abgewogen zu haben . Effendi , es steht uns nichts Gutes bevor ! « » Warum nichts Gutes . Warum muß es unbedingt Böses sein , was er uns bringt ? « » Weil von dieser Seite überhaupt nichts Gutes kommen kann . Er ist , streng genommen , kein Perser , sondern ein Takikurde . Es gibt ein bekanntes Wort , das lautet : So oft der Taki seinen Blick fromm zum Himmel hebt , tritt er mit dem Fuße einen Menschen nieder . Und dieser tugendheilige Fürst schaut fast immerwährend empor . Wer mag sie zählen , die er schon unter seine leisen , weichen , geräuschlosen Sohlen trat ! Wir werden seinen demütigen , gottseligen Augenaufschlag zu sehen , aber auch seine fanatischen Fußtritte zu fühlen bekommen . In seinen Stapfen hebt sich kein Grashalm wieder auf ! « » So lassen wir ihn nur in Dornen treten ; das wird uns nützlich und ihm heilsam sein ! Ich konnte leider nicht erfahren , ob er allein kommt oder nicht . « » Allein ? Daran ist nicht zu denken ! Er muß sich doch mit Glanz und Stolz umgeben , damit seine Demut um so deutlicher hervortrete ! Wir werden hohe , sehr hohe Gäste haben , und zwar nicht wenig . Es gilt also , uns vorzubereiten ! « » Nein ! Er darf auf keinen Fall bemerken , daß wir von seiner Ankunft gewußt haben . Die Gäste bekommen nur , was grad vorhanden ist . Angeschafft oder zubereitet wird nicht das Geringste . In der Küche darf Niemand Etwas ahnen . Ganz besonders aber hast du dafür zu sorgen , daß Pekala und Tifl nichts erfahren . Das fordere ich streng ! « Er sah still vor sich nieder und sagte nichts dazu . Darum fuhr ich fort : » Also keine Vorbereitungen , schon dieser Beiden wegen , die absolut nichts merken dürfen ! Wo aber werden wir die Gäste unterbringen ? « » In der Halle . « » Wo Hadschi Halef liegt ? « » Wenn du erlaubst , betten wir ihn fort . Es trifft sich gut , daß Hanneh mich vorhin fragte , ob sie ihn nicht bald hinauf zu sich bekommen könne . Die Pflege werde ihr dadurch erleichtert , und er habe dann auch mehr Ruhe als jetzt in der Halle , die doch stets offen sei . « » So bettet ihn gleich nach dem Abendessen hinauf ! Hanneh hat Recht ; ihr Wunsch ist sehr vernünftig . Sag aber auch zu ihr nichts von dem Scheik ul Islam , überhaupt zu keinem Menschen . Wer es erfahren soll , dem sage ich es selbst . Dieser Fürst soll ganz den Eindruck haben , daß er uns vollständig überrasche . Und denke ja nicht an große Gasterei ! Es ist sogar sehr möglich , daß weder er noch einer seiner Begleiter einen Bissen von uns bekommt . « » Effendi , das nimm zurück ! Das ist ausgeschlossen , vollständig ausgeschlossen ! « » Warum ? « » Bedenke zunächst die hohe Pflicht der Gastlichkeit ! « » Die kenne ich ebenso genau wie du , und Niemand kann lieber gastlich sein als ich . Nur habe ich abzuwarten , ob der Scheik ul Islam sich gegen uns so benimmt , daß ich ihm erlaube , unser Gast zu sein . « Da sah er mich groß an . » Das klingt ja , als ob du dir gar nichts aus diesem hohen Würdenträger machtest ! « sagte er . » Ich mache mir ganz genau das aus ihm , wozu er das Material besitzt , nicht weniger und nicht mehr . Teppiche , Polster , Pfeifen , Tabak , Kaffee , Wasser , das ist ja alles da . Wenn Weiteres gegeben werden soll , ist dann , wenn ich es sage , auch noch Zeit . Zugegen sein werden nur du , der Chodj-y-Dschuna und ich . Er ist der Einzige , mit dem du dich besprechen magst . Ob ich noch andere Dschamikun brauchen werde , das kann ich jetzt nicht wissen ; es hat sich erst zu zeigen . Hast du vielleicht einmal vom besten Pferd von Luristan gehört ? « » Schon oft . Es gehört dem Scheik ul Islam und ist der schnellste und ausdauerndste Renner aus der Taki-Zucht . Er wurde nie besiegt , und der Besitzer hat schon manchen Preis mit ihm gewonnen . « » Wie kam er zu diesem