dort sein . Sie können es schon sehen . Dort drüben , rechts von der Strasse , das kleine graue Schieferdach zwischen den dichten dunkeln Büschen . « Frau Wohlgebrecht drückte Lottes Hand . Dann schwiegen sei beide wieder , bis der Taxameter in der Nähe des Hauses hielt . » Wir haben uns entschlossen hier zu bleiben « , sagte Frau Wohlgebrecht zu dem Kutscher und lohnte ihn ab . Dann legte sie ihren Arm in Lottes und liess sich zu der Wohnung der Tischlersleute führen . Die Frau , die Lotte wohl erwartet haben mochte , da sie oft um diese Zeit herauskam , stand schon mit Luischen im Arm vor dem niederen grünen Staket , das den kleinen Garten umgab . Jauchzend und lallend streckte das Kind die Arme nach Lotte aus . In tiefer Bewegung drückte sie es einen Augenblick an die Brust , dann reichte sie es Frau Wohlgebrecht , die es auf die Stirn und die blonden Löckchen küsste und dann lange und prüfend betrachtete . » Gottlob « , sagte sie , Lotte das Kind zurückgebend , » es gleicht Dir auf ein Haar und in keinem Zuge diesem - diesem - « Sie sprach nicht weiter , sondern reichte Lotte die Hand . » Ich sage jetzt Du zu Dir , Lotte , Du bist von jetzt ab so gut wie meine Tochter . Was er mir sein sollte , seid ihr mir nun , Du und dieses Kind . « Dann gingen sie , Lotte mit dem jauchzenden Luischen voran , nach der Fliederlaube . Als sie nach einer Stunde ins Haus zurückkehrten , um das Kind zu Bett zu bringen , wusste Frau Wohlgebrecht alles , was ihr eigenes Herz und Frau Korns Andeutungen ihr bisher noch verschwiegen hatten . Sie hatte Lotte erzählen lassen und sie nur selten unterbrochen . Zum Schluss nur hatte sie gesagt : » Wenn der Vater Deines Kindes ein anderer wäre , als Gerhart Schmittlein , würde ich auf eine Heirat dringen . So wie es ist - Du siehst , Kind , ich schneide damit in mein eigenes Fleisch - ist es besser , vielleicht gut , dass es so gekommen ist . Du und das Kind , Ihr kommt zu mir . Ihr seid und bleibt meine Familie . Wie sich das alles am besten einrichten lässt , wollen wir in den nächsten Tagen besprechen . Und nun gieb mir das kleine Ding noch ' mal in den Arm , lange genug hast Du ' s mir vorenthalten . « - Franz und Lena hatten trotz der dauernd schönen Frühsommertage ihre auf einige Wochen berechnete Hochzeitsreise bedeutend abgekürzt . Ueber die Gründe schwiegen sie . Vielleicht war es nur Geschäftseifer gewesen , der sie so bald zurückgetrieben hatte , wenigstens stürzten sie sich beide mit fast krankhafter Energie in ihre Berufsthätigkeiten . Lena hatte selbstverständlich ihren Willen durchgesetzt und war mit ihrem Geschäft in der Potsdamerstrasse geblieben . Gegen die englische Tischzeit aber hatte Franz energisch Einspruch erhoben . Da er doch um fünf oder sechs Uhr nicht Geschäftsschluss machen konnte , hatte diese Einrichtung keinen Sinn für ihn und lief überdies seiner ganzen Lebensweise zuwider . Da nun auch Lena ihre gewohnten Geschäftsstunden von neun Uhr morgens bis zwei Uhr mittags und von fünf Uhr nachmittags bis abends um neun , ja oft um zehn Uhr innehielt , blieb der Verkehr der jungen Eheleute auf die Mahlzeiten und die Sonntage beschränkt . Franz fühlte sich sehr unbehaglich bei diesem Leben . Er war verheiratet und hatte doch keine eigentliche Häuslichkeit . Nichts von alledem , was er früher für eine Ehe erträumt hatte , erfüllte sich ihm . Es fehlte ihm die liebende Gefährtin , die Behagen um ihn her verbreitete , wenn er , von der Arbeit ermüdet , in seine Wohnung hinaufstieg . Es fehlte ihm die sorgende Hausfrau , die sich um sein leibliches Wohl und Wehe kümmerte , die zärtliche Freundin , die teilnahm an den Sorgen und Freuden des Geschäfts . Was fragt ein Mann wie er nach einer modernen Frau , die ihren Kopf d ' rauf setzte , selbst ihren Mann zu stehen ? Lena hatte es nicht mehr nötig zu verdienen , und damit fiel für Franz jeder Grund zur Aufrechterhaltung ihres eigenen Geschäftes fort . Anfangs hatte er nicht den Mut gehabt , auf diesen Punkt , der vor der Ehe so viel und stets zu seinen Ungunsten erörtert worden war , zurückzukommen . Noch stand er zu sehr unter dem Banne von Lenas Persönlichkeit . Er fürchtete sich davor , durch ein Verlangen , das er stellte , den Zauber der wenigen Liebesstunden zu zerstören . War er dahin , was blieb ihm noch ? So verschob er es von Woche zu Woche , ihr Vorstellungen zu machen , sie zu vermögen , wenigstens einen Teil des Tages sich ihm und ihrem Hause zu widmen . Endlich , an einem Sonntag , als Lena selbst anfing , über den Zeitaufwand und die Anstrengung zu klagen , die der weite Weg trotz des Rades bereitete , entschloss er sich zu einem offenen Wort . Lena sah ihn zuerst an , als ob er plötzlich chaldäisch gesprochen und verlangt hätte , dass sie ihn verstehen solle . Dann fuhr sie auf . » Was denn , noch weniger soll ich im Geschäft sein ? Was ich so mühsam begonnen habe , soll ich nun , da etwas erreicht ist , bei Seite werfen ? Einen netten Begriff hast Du von mir . Im übrigen , mein Lieber , hast Du mich wirklich nicht verstanden . Als ich eben über den Zeitverlust infolge des weiten Weges klagte , wollte ich nicht etwa damit sagen , dass ich weniger , sondern ganz im Gegenteil , dass ich mehr in meinem Geschäft sein wolle , und es zu diesem Zweck für sehr wünschenswert halte , dass wir die Wohnung hier aufgeben und hinausziehen . Welcher anständige