draußen , je feuriger wurden seine Phantasien von einer gewaltsamen Wandlung , und er dachte , daß nicht nur das Alte stürzen müsse , damit das Neue komme , sondern daß es gestürzt werden müsse . Er dachte , daß die Städte zerstört , niedergerissen werden , verlassen werden müßten , damit der Mensch wieder sich selbst finde . Er schwelgte in glühenden Traumen , sein jugendlicher Geist saugte sich fest an den Brüsten des Lebens . Und wie er sich Herr über die Kräfte der Natur fühlte , empfand er auch Macht über die Menschen . Er dachte , als er jetzt eine bebende Menge sich um ihn drängen sah , daran , wie die Kinder aus den Dörfern ihm gefolgt , als wären sie durch einen Zauberruf angelockt , wie ihm die Bauern Essen und Trank gegeben , ohne daß er darum gebeten . So , voll von sich selbst , berührte er mit der Hand den Körper eines der vom Blitz Hingestreckten , während die Kommandorufe der Feuerwehrleute erschallten , das Militär dem Zudrang Neugieriger Einhalt tat , das Dach eines benachbarten Hauses vom Feuer ergriffen wurde , die Glocke des Turmes schwächer , gleichsam hinsterbend erschallte , die Dämmerung in der Kirche einer hellen Brunst wich und ein junger Priester in die Flammen stürzte , die auf den Altar herabgefallen waren , um das Allerheiligste zu retten . In diesem Moment bewegte der leblos Daliegende die Hand ; Agathon , selbst bestürzt , wich zurück , Rufe wurden laut , die Kirche müsse geräumt werden . Gebrause und Zischen der Spritzen erschallte ; da stieg Agathon auf eine Bank und gellte hinaus in den Raum mit einer Stimme , als ob es gälte , über den ganzen Erdkreis hinzuschreien : » Laßt sie brennen , die Kirche ! « Er sah viele Gesichter unter sich verzerrt und lauernd zu ihm aufblicken , elende , sorgenvolle Stirnen , Munde mit kriechendem , fast flehentlichem Ausdruck , sogar Kinder , deren kranke Glieder er zu empfinden glaubte , und es war , als könne er durch das ganze Elend der Welt hindurchblicken , den verknoteten Knäuel des Daseins entwirren und er schrie noch einmal : » Laßt sie brennen , die Kirche ! « Er hatte das Gefühl , als schauten alle Menschen sterbend nach ihm , und er dünkte sich wie der Vater eines neuen , freien , Gott-losen Geschlechts . Der fanatische Priester stürzte auf ihn zu und wollte ihn herunterreißen ; seine fahlen Wangen zitterten vor Zier , aber die Menge schützte Agathon . Die Gefahr nahm zu ; Agathon riß eine brennende Leiste vom Altar , hielt sie hoch wie eine Fackel und wandte sich dem Tore zu , gefolgt und umringt von einem erregten Schwarm . Die Glocke hatte aufgehört zu läuten . Fünfzehntes Kapitel Agathon verschwand bald unter der Menge . Obwohl viele ihm nachstürzten , obwohl ein Offizier mit dem Säbel nach ihm deutete und ein berittener Gendarm das Pferd nach ihm lenkte , verlor er sich in fernere Gassen und war in Sicherheit . Sinnend ging er weiter , den Blick ins Unbestimmte geheftet , wie von einem Räderwerk fortbewegt , durch Gassen , die er nicht kannte , die leer waren , in denen die Schritte hallten , an Häusern vorbei , die zu zucken schienen , sich zu besinnen schienen , ob sie ihm den Weg versperren sollten . Der Himmel war licht geworden ; flimmerlose Sterne waren angeheftet wie Perlen , die Milchstraße war wie der Rauch aus einem Bäckerschlot , die Bäume der Alleen standen wie Lanzen am Weg , erleuchtete Fenster im Weiten waren wie große Blutstropfen , durch die ganze Natur ging es wie ein Recken , Sichaufrichten . Dann lag die Stadt im Rücken , ein vielverzacktes Schattenbild , ein Knäuel Unglück , schwarz , ungeheuerlich starr , still , greifbar deutlich , in der Mitte ein glühender Fleck , eine beginnende Säule : der Brand , der im Verlöschen war , da oder dort ein Loch , da oder dort ein Fabrikschlot wie ein riesenhafter Finger . Dann nahm ihn der Wald auf ; groß , dicht , leer von allen Geräuschen der Welt , eine drückende , zentnerschwere Finsternis . Hier atmete Agathon auf . Er legte sich aufs Geradewohl hin ; obwohl es kühl und feucht war , verfiel er sofort in einen bleiernen Schlaf , schlief weiter , als der Tag graute , weiter als es Abend wurde und wiederum Nacht und tat erst die Augen auf , als ein klares , kleines Stück Mond im Herabsinken begriffen war . Er preßte die Hände gegen die Schläfen und meinte , vierzehn Jahre lang geschlafen zu haben , fühlte sich freier , mutiger , reicher an Hilfskräften , an Vertrauen , an Überzeugung . Er starrte eine Weile hinein in den Wald , empfand dann Hunger , erhob sich , erblickte bald das freie Feld , sah den Schmausenbuk unweit im bläulichen Nachtdunst und die Burg sich erheben über der Stadt . Er hatte kein Geld , um in einer Schenke etwas zu sich nehmen zu können . Er hatte auch bisher kein Geld gehabt . Die Leute hatten ihm gegeben , mehr als er gebraucht , um satt zu werden . Sie wurden durch seine Person und sein Wesen in hohem Grade für ihn eingenommen . Er hatte eine außerordentliche Milde , zu lächeln . Er war schön und groß . Auch der einfachste Mann konnte seine tiefen Leidenschaften , sein mächtiges Herz , seinen überlegenen Mut , die Wildheit seiner Wünsche ahnen . Nie grübelte er , sondern träumte nur . Sein Blick hatte etwas von dem unbestimmten Blick eines Pferdes edler Rasse . Er kam in die Stadt zurück . Wieder leere Gassen , dunkle Fenster und eine kaum wahrnehmbare Traurigkeit gleich feinem Reif über allem . Säulen mit Plakaten , verschlafene Schutzleute , hallende Stundenschläge , hallende Schritte . Eine Stadt ohne König , ohne Wille