und ihm von seiner Heimat aus das Erborgte zurückerstatten . Gustav hatte das Gewissen bereits gepeinigt wegen der heutigen Zeche . Das war von den Ersparnissen gegangen , die er für die Hochzeit bestimmt hatte . Es wurde ihm schwer , dem alten Kameraden die Bitte abzuschlagen , aber es ging nicht anders ! Er war nicht mehr ganz nüchtern , wie er jetzt erst merkte , wo er sich in freier Luft befand , aber er fand noch so viel Überlegung , dem anderen zu erklären , daß er nichts ausleihen könne , er sei selbst nicht in der besten Lage und wolle nächstens heiraten . Häschke bat , daß er ihm dann wenigstens Unterkunft für ein paar Tage verschaffen möge . Er wolle sich seine Sachen instandsetzen und seine Füße ausheilen lassen . Wenn er sich wieder etwas herausgemacht haben würde , werde er seine Straße weiterziehen . Diese Bitte konnte Gustav unmöglich abschlagen . Er überlegte : bei den Eltern war ja Platz . Haschte behauptete , mit jedem Fleckchen , und sei es auf dem Boden oder im Schuppen , zufrieden zu sein , und wenn es nur eine Bucht von Heu wäre . Gustav erklärte , es werde sich wohl noch ein Bett für ihn finden . Er brachte also den Fremden mit nach Haus . Dort saß die Familie bereits beim Abendbrot . Die Angetrunkenheit löste Gustavs Zunge . Mit größerem Wortreichtum als man sonst an ihm gewohnt war , stellte er den Fremdling als einen ehemaligen Kameraden und Freund vor , dem man Obdach gewähren müsse . Die Frauen blickten verdutzt auf den bärtigen Wanderburschen , der in der trüben Beleuchtung des schwachen Öllämpchens nicht gerade vertrauenerweckend sich ausnahm . Der alte Bauer sagte nichts ; ihn brachte jetzt nicht so leicht mehr etwas aus seiner verstockten Gelassenheit . In früheren Zeiten würde er dem schön gekommen sein , der ihm solch einen Strolch ins Haus gebracht hätte . Aber jetzt nahm er auch das mit in den Kauf zu dem übrigen . Die Bäuerin war gewiß nicht erbaut über den Gast ; doch wagte sie nichts zu äußern , aus Furcht , Gustav zu reizen . Therese war die erste , welche Worte fand . Als Gustav fragte , wo ein Lager für den Fremden zu finden sei , meinte sie trocken , drüben bei den Schweinen stehe noch ein Koben leer . Eine Bemerkung , welche ihr Gatte Karl , nachdem er den Sinn erst begriffen , so ausgezeichnet fand , daß er in ein Gelächter ausbrach , welches an diesem Abende nicht mehr enden zu wollen schien . Gustav erbleichte vor Zorn . » Dann wird Häschke eben in meinem Bette schlafen ! « sagte er . » Mir soll keiner nachsagen , daß ich einen Kameraden auf der Straße hätte liegen lassen . Komm , mei Häschke ! « » Und wu wirst du denne schlafen alsdann , Gustav ? « fragte die Mutter besorgt , da sie sah , daß der Sohn Ernst machen wollte mit seinem Vorhaben . » Mutter , ich weeß schon an Fleck für mich ! « sagte Gustav . Und in der Tat , es gab in Halbenau einen Platz für ihn , wo er freudige Aufnahme fand , zur Tages- und Nachtzeit . V. Obgleich gerade Gustav es gewesen war , der dem Aufseheragenten das Geschäft in Halbenau gelegt hatte , ließ ihm doch der Gedanke an den Mann und was er gesagt hatte , keine Ruhe . Er hatte neulich die ganze Sache als Schwindel und Menschenfang bezeichnet , aber im stillen gedachte er jetzt mit heimlich zehrender Sehnsucht der goldenen Berge , die jener in Aussicht gestellt hatte . Wenn nun doch etwas an der Sache war ! - Gänzlich aus der Luft gegriffen konnte das alles unmöglich sein . Gustav entsann sich der gedruckten Formulare , die der Mann vorgezeigt hatte ; sogar Stempel von Behörden waren darauf zu sehen gewesen . Der junge Mann befand sich in eigentümlicher Lage . Seine Seelenstimmung war geteilt . Die Anerbietungen des Agenten lockten ; auf der anderen Seite scheute er sich , wieder in den Bannkreis des Mannes zu geraten , den er soeben mit Erfolg bekämpft hatte . Und schließlich schämte er sich auch vor den Dorfgenossen , die sein Auftreten im Kretscham mit erlebt und Beifall geklatscht hatten . Er hielt sich dem Werber vorläufig ferne , aber in den Blättern verfolgte er die weiteren Schritte des Mannes mit Spannung . In allen Ortschaften ringsum rührte Zittwitz die Werbetrommel und , wie es den Anschein hatte , mit großem Erfolge . Seine Kontrakte bedeckten sich allmählich mit Hunderten von Unterschriften . Es lag etwas Ansteckendes in dieser Bewegung . Man wollte sich einmal verändern , wollte sein Glück in der Ferne versuchen . Der Agent schilderte die Verhältnisse da draußen im Westen in verlockenden Farben . Und wenn der Mann vielleicht auch Schönfärberei trieb seines Geschäftes wegen , schließlich schlimmer als daheim konnte es dort wohl auch nicht sein . Und der Gedanke , zu wandern , ein Stück Welt zu sehen , packte die Gemüter mächtig . Die Fremde lockte mit ihren unklaren , dem Auge im bläulichen Dunst der Ferne verschwimmenden Dingen . Das Frühjahr stand vor der Tür ; da sind die Hoffnungen leicht erregbar in der Menschenbrust . Da wachsen und quellen heimliche Wünsche , ein unverständlicher Drang treibt , ein süßes und beunruhigendes Gefühl quält den jungen Menschen und reizt ihn zu Neuem , Unentdecktem . Der tief in die Menschennatur gesenkte Trieb , sich zu verändern , der Wandertrieb , regte sich . Wie die Zugvögel kamen sie zusammen . Einer sagte es dem anderen ; überall in den Schenkstuben , des Sonntags vor der Kirche , bei gemeinsamer Arbeit , wo immer Menschen zusammenkamen , wurde das Für und Wider eifrig besprochen . Die Hoffnungsfreudigen steckten die Verzagten an ; wer bereits unterschrieben hatte , suchte Gefährten zu werben . Wie der