hier zu schaffen ? « Sie sah den Adler , der in verdächtiger Unruhe den Hals streckte . Aufkreischend suchte sie Kitty mit Gewalt von der Stelle zu reißen . » Aber Gundi ! Ich bin doch kein Kind mehr ! Da ist wahrhaftig keine Gefahr . Herr Forbeck ist doch bei uns ! « » Ich bitte , gehen Sie ! « fiel Forbeck ein . » Sie sehen , in welcher Sorge Fräulein von Kleesberg ist . « » Fort ! Fort ! Hörst du denn nicht ? Herr Forbeck bittet dich ! « Einen Augenblick sträubte Kitty sich noch . Dann sagte sie : » Gut , ich gehe . Aber dann haben auch Sie keine Veranlassung , hierzubleiben . Moser soll allein sehen , wie er seine Dummheit wieder gutmacht . Kommen Sie , Herr Forbeck . « Sie streckte die Hand nach ihm . Da kam der Diener mit dem Netz gelaufen , und der Stallbursche brachte eine hohe Leiter . » Seien Sie vorsichtig , « rief Forbeck dem Burschen zu , der die Leiter aufzurichten versuchte , » stoßen Sie mit der Leiter an keinen Ast ! « Die Warnung kam zu spät . Dem Adler schien die Sache nicht mehr geheuer . Er breitete die Schwingen aus . Des Fluges ungewohnt , vermochte er sich aus dem Gezweig der Ulme nicht hervorzuheben und kam ins Fallen . » Jesus Maria ! « kreischte die Beschließerin . Und die Jungfer schrie : » Der Adler ! Konteß , der Adler ! « Krachend stürzte die Leiter zu Boden , die dem Stallburschen im Schreck aus den Händen geglitten war . Gundi Kleesberg stieß einen gellenden Schrei aus , und Kitty , als sie das erblaßte Gesichtchen hob , sah den taumelnden Vogel schon dicht über ihrem Kopf . Alle Stimmen schrillten , und Moser kam mit einer Flinte durch die Allee gerannt . Die Schwingen des Adlers trafen schon im Niederschlagen Kittys Arm , und seine Fänge streckten sich , um an ihrer Schulter einen Halt zu finden . Da warf sich Forbeck mit ersticktem Laut über Kitty , und während sie unter dem Stoß zu Boden taumelte , haschte er mit beiden Händen die eine Schwinge des Vogels und riß ihn seitwärts . Mit wütender Kraft wehrte sich der Adler , und Forbecks Kopf und Schultern verschwanden unter dem Gewirbel der mächtigen Flügel . Gundi Kleesberg , totenbleich , griff mit den Händen in die Luft . » Forbeck ! Herr Forbeck ! « Wie eine Wahnsinnige stürzte sie auf den Bedrohten zu . Mit der einen Hand griff sie nach der Brust des Adlers , mit der anderen faßte sie seinen Hals . » Um Herrgotts willen ! Fräuln ! Jesses ! Was machen S ' denn ! « kreischte Moser und warf die Flinte ins Gras . » Zruck , sag ich ! Auslassen ! « Er riß das Netz aus den Händen des Dieners und warf es über den mit Schwingen und Fängen schlagenden Vogel . Für ein paar Augenblicke bildeten die drei Menschen mit dem Adler einen wirren Knäuel -doch ehe Kitty sich erhoben hatte und aus den Händen der schreienden Jungfer sich loszureißen vermochte , lag der vom Netz umwickelte Adler schon auf der Erde und unter Mosers Knien . Erblassend flog Kitty auf Forbeck zu . Die Weste war ihm von der Brust gerissen , und in Fetzen hing ein Ärmel von der Schulter . » Sind Sie verwundet ? « Forbeck betrachtete lachend seine Hände und griff an seinem Arm herum . » Ich glaube nicht - « Da sah er die Kleesberg und erschrak . Zitternd , das Gesicht von mehliger Blässe , stand sie vor ihm , als begriffe sie nicht , was geschehen war und was sie getan ; ihr Kleid war verwüstet , die Zöpfe hingen auf die Schulter , und aus dem engen Seidenärmel quollen rote Tropfen . » Tante Gundi ! « stammelte Kitty . Und Forbeck : » Fräulein ! Um Gottes willen ! Was ist Ihnen geschehen ? « Die Kleesberg erwachte , sah verstört an sich hinunter , und als sie die roten Tropfen auf ihrem Arm gewahrte und zwei dünne Blutlinien über ihre Finger schleichen sah , machte sie die Augen zu und setzte sich auf den Boden . Alle drängten sich um die Bewußtlose , während Moser sich noch immer mit dem Adler balgte , dessen wilde Kraft auch durch die zusammengeschnürten Maschen des Netzes nicht völlig gebändigt wurde . Forbeck war der erste , der nach dem Schreck die Besinnung wiederfand , und alle fügten sich seinen Anordnungen . Der Stallbursche rannte davon , um den Arzt zu holen , und die Jungfer lief in das Schloß , um in Fräulein von Kleesbergs Zimmer alles zu richten . Forbeck und Fritz hoben die Bewußtlose auf und trugen sie ins Haus ; dabei stützte Kitty mit zitternden Händen Tante Gundis blutenden Arm , und die Tränen rannen ihr über die blassen Wangen . Es war eine schwere Mühe , die Ohnmächtige über die Treppe hinaufzubringen und auf das Bett zu heben . Während Kitty und die Jungfer bei Gundi Kleesberg blieben , stieg Forbeck mit dem Diener in den Flur hinunter . Hier mußte Forbeck es sich gefallen lassen , daß ihm Fritz den Staub und Flaum von den Kleidern bürstete und mit Stecknadeln an der Weste und an den Ärmeln die Risse schloß ; Forbeck schien nicht zu sehen , nicht zu hören ; als ihn der Diener freigab , trat er auf die Veranda hinaus . In der Ulmenallee krachte ein Schuß . Fritz rannte an Forbeck vorüber , kam nach einer Weile zurück und berichtete : » Der Adler mußte erschossen werden , die linke Schwinge war gebrochen . Auch meinte Moser , daß die Risse , die das arme Fräulein bekam , nicht heilen würden , wenn das Tier am Leben bliebe . Die Leute hier sind schrecklich abergläubisch .