. » Ah , meine gnädigste Frau ! Hocherfreut . Ich schiebe es nicht auf die Arznei ; das schöne Wetter , die hellen , frischen Märztage da fällt die Krankheit ab . Ich beglückwünsche Sie . Und die Frau Mama ? « » Sie ist ausgegangen , Herr Geheimrat , in die Keithstraße , wo wir gemietet haben . Ich erwarte nun innerhalb weniger Tage meinen Mann , den ich mich , wenn in unserer Wohnung erst alles in Ordnung sein wird , herzlich freue Ihnen vorstellen zu können . Denn ich darf doch wohl hoffen , daß Sie auch in Zukunft sich meiner annehmen werden . « Er verbeugte sich . » Die neue Wohnung « , fuhr sie fort , » ein Neubau , macht mir freilich Sorge . Glauben Sie , Herr Geheimrat , daß die feuchten Wände ... « » Nicht im geringsten , meine gnädigste Frau . Lassen Sie drei , vier Tage lang tüchtig heizen und immer Türen und Fenster auf , da können Sie ' s wagen , auf meine Verantwortung . Und mit Ihrer Neuralgie , das war nicht von solcher Bedeutung . Aber ich freue mich Ihrer Vorsicht , die mir Gelegenheit gegeben hat , eine alte Bekanntschaft zu erneuern und eine neue zu machen . « Er wiederholte seine Verbeugung , sah noch Annie freundlich in die Augen und verabschiedete sich unter Empfehlungen an die Mama . Kaum daß er fort war , so setzte sich Effi an den Schreibtisch und schrieb : » Lieber Innstetten ! Eben war Rummschüttel hier und hat mich aus der Kur entlassen . Ich könnte nun reisen , morgen etwa ; aber heut ist schon der 24. und am 28. willst Du hier eintreffen . Angegriffen bin ich ohnehin noch . Ich denke , Du wirst einverstanden sein , wenn ich die Reise ganz aufgebe . Die Sachen sind ja ohnehin schon unterwegs , und wir würden , wenn ich käme , in Hoppensacks Hotel wie Fremde leben müssen . Auch der Kostenpunkt ist in Betracht zu ziehen , die Ausgaben werden sich ohnehin häufen ; unter anderem ist Rummschüttel zu honorieren , wenn er uns auch als Arzt verbleibt . Übrigens ein sehr liebenswürdiger alter Herr . Er gilt ärztlich nicht für ersten Ranges , Damendoktor sagen seine Gegner und Neider . Aber dies Wort umschließt doch auch ein Lob ; es kann eben nicht jeder mit uns umgehen . Daß ich von den Kessinern nicht persönlich Abschied nehme , hat nicht viel auf sich . Bei Gieshübler war ich . Die Frau Majorin hat sich immer ablehnend gegen mich verhalten , ablehnend bis zur Unart ; bleibt nur noch der Pastor und Dr. Hannemann und Crampas . Empfiehl mich letzterem . An die Familien auf dem Lande schicke ich Karten ; Güldenklees , wie Du mir schreibst , sind in Italien ( was sie da wollen , weiß ich nicht ) , und so bleiben nur die drei andern . Entschuldige mich , so gut es geht . Du bist ja der Mann der Formen und weißt das richtige Wort zu treffen . An Frau von Padden , die mir am Silvesterabend so außerordentlich gut gefiel , schreibe ich vielleicht selber noch und spreche ihr mein Bedauern aus . Laß mich in einem Telegramm wissen , ob Du mit allem einverstanden bist . Wie immer Deine Effi « Effi brachte selber den Brief zur Post , als ob sie dadurch die Antwort beschleunigen könne , und am nächsten Vormittage traf denn auch das erbetene Telegramm von Innstetten ein : » Einverstanden mit allem . « Ihr Herz jubelte , sie eilte hinunter und auf den nächsten Droschkenstand zu . » Keithstraße 1 c. « Und erst die Linden und dann die Tiergartenstraße hinunter flog die Droschke , und nun hielt sie vor der neuen Wohnung . Oben standen die den Tag vorher eingetroffenen Sachen noch bunt durcheinander , aber es störte sie nicht , und als sie auf den breiten aufgemauerten Balkon hinaustrat , lag jenseits der Kanalbrücke der Tiergarten vor ihr , dessen Bäume schon überall einen grünen Schimmer zeigten . Darüber aber ein klarer blauer Himmel und eine lachende Sonne . Sie zitterte vor Erregung und atmete hoch auf . Dann trat sie , vom Balkon her , wieder über die Türschwelle zurück , erhob den Blick und faltete die Hände . » Nun , mit Gott , ein neues Leben ! Es soll anders werden . « Vierundzwanzigstes Kapitel Drei Tage danach , ziemlich spät , um die neunte Stunde , traf Innstetten in Berlin ein . Alles war am Bahnhof , Effi , die Mama , der Vetter ; der Empfang war herzlich , am herzlichsten von seiten Effis , und man hatte bereits eine Welt von Dingen durchgesprochen , als der Wagen , den man genommen , vor der neuen Wohnung in der Keithstraße hielt . » Ach , da hast du gut gewählt , Effi « , sagte Innstetten , als er in das Vestibül eintrat , » kein Haifisch , kein Krokodil und hoffentlich auch kein Spuk . « » Nein , Geert , damit ist es nun vorbei . Nun bricht eine andere Zeit an , und ich fürchte mich nicht mehr und will auch besser sein als früher und dir mehr zu Willen leben . « Alles das flüsterte sie ihm zu , während sie die teppichbedeckte Treppe bis in den zweiten Stock hinanstiegen . Der Vetter führte die Mama . Oben fehlte noch manches , aber für einen wohnlichen Eindruck war doch gesorgt , und Innstetten sprach seine Freude darüber aus . » Effi , du bist doch ein kleines Genie « , aber diese lehnte das Lob ab und zeigte auf die Mama , die habe das eigentliche Verdienst . » Hier muß es stehen « , so hab es unerbittlich geheißen , und immer habe sie ' s getroffen , wodurch natürlich viel Zeit gespart und die gute Laune