eine Gelegenheit kommen möge , diese Liebe zu bethätigen . Um Fannys Lippen schlich ein Lächeln . Nun kam auch nicht einmal in leisester Aufwallung der Gedanke in Severinas Herz , um Fannys willen zu entsagen , nicht einmal ein Gedanke des Mitleids kam , daß doch auch Fanny leide . » Laß mich allein , « sagte sie , das Mädchen von sich wehrend , » morgen ist auch ein Tag und morgen ... « » Morgen ? « drängte Severina fragend , als Fanny stockte . » Morgen will ich mit ihm sprechen , « flüsterte sie , und dabei ging ein sonderbares Licht in ihren Augen auf . Sechzehntes Kapitel Joachim lag auf dem für Lanzenau im Wohnzimmer hergerichtet gewesenen Lager . Er fühlte sich , abgesehen von einer natürlichen Mattigkeit infolge des Blutverlustes , ganz wohl . Irgend jemand leistete ihm immer Gesellschaft . Lanzenau erschien am frühen Morgen und setzte sich zu ihm . Der ältere Mann hatte dem jüngeren dasselbe unumwundene Geständnis abgelegt wie Fanny . Joachim versteckte dabei sein Gesicht in den Kissen und murmelte nachher , des Barons Hände drückend : » Ich allein - ich bin an allem schuld . « Während dann Lanzenau an dem Bette saß und es überdachte , was seit Monaten um ihn geschehen , in ihm vorgegangen , vollzog sich die Wandlung vollends , die gestern in seinem Herzen begonnen , als er in Fannys schrecklich verwandeltes Gesicht gesehen . All seine eifersüchtige Liebe verklärte sich zu dem selbstlosen , einzigen Wunsch , Fanny glücklich zu sehen . Wenn er sein Alter dann auch nur an ihrer Freundschaft wärmen durfte , das war ihm genug . » Lieber Herebrecht , « sagte er einmal , » könnte sich nicht alles so lösen , daß aus Ihnen und Fanny ein Paar würde ? Severina mit ihren zweiundzwanzig Jahren wird überwinden . Aber sie - aber sie ? ! O , ich kenne sie , die späte Leidenschaft wird sie töten . « » Sie haben mir beide ihr Herz entzogen , « sprach Joachim schwach , » ich fühle es . Severina ging gestern stumm und drohend um mein Lager - und sie ist noch gar nicht hier gewesen . « Er wagte nicht einmal Fannys Namen zu nennen . » Sie wird nachher kommen . Sie hat es Severina gestern abend gesagt . « Adrienne und Graf Taiß kamen , um nach dem Patienten zu sehen . Die junge Frau hatte nun auch alles erfahren , und ihr Blick war ernst , fast kühl . Joachim fühlte es mit Scham . Taiß , dessen lebhafte Natur sich nicht in die allgemeine gedrückte Stimmung finden konnte , scherzte mit dem Verwundeten . Severina kam mit ihrem Pflegevater dazu ; die lebhafte Teilnahme , die der Pastor zeigte , gab Severina die Gelegenheit , sich in die fernste Zimmerecke zurückzuziehen , ohne Joachim zu begrüßen . Aber ihre Augen hingen unausgesetzt an ihm , der bei ihrem Eintritt stark errötete . In das menschengefüllte Zimmer trat nun Fanny . Wie mit einem Schlag erstarb jedes Gespräch . War es möglich - konnte eine Nacht voll Gram eine Frau , die in der Vollblüte ihrer Schönheit geprangt , so altern ? Die Züge scharf , die Farben gelbgrau , die Augen hohl machen ? Joachim schloß die Augen . » Ich bitte , « sagte Fanny laut und ganz sicher , » daß der Leidende nicht von so vielen Personen auf einmal besucht wird . Lieber Herr Pastor , warten Sie vorn , es ist möglich , daß Herr von Herebrecht Ihnen nachher etwas zu sagen hat . Lanzenau , Sie bleiben wohl . « Das hieß doch ohne Zweifel , daß alle bis auf den Baron das Zimmer verlassen sollten . Taiß hatte Erbarmen mit Severina und führte sie . Joachim lag da mit wachsbleichem Gesicht ; er wagte nicht die Augen zu öffnen , denn er fühlte , daß sie neben seinem Lager stand und ihn betrachtete . Ja , mit den brennenden Augen , die noch keine Thräne geweint , stand sie und sah ihn an . » Joachim ! « Er erschrak vor dem Anruf und schlug den Blick zu ihr auf . » Fanny , « stammelte er , » Fanny , vergib mir ! Ich war Deiner Liebe nicht wert , das habe ich Dir immer gesagt . Ich bin schlecht und undankbar . Aber ich weiß nicht - ich konnte nicht anders - ich liebte Dich auch - « » Und Severina auch , « schloß sie mit bitterem Lächeln . » Sage , wie es kam , daß Du ihr von Liebe sprachst . « » Ich - ich sah , « stotterte er , » ich sah , daß sie mich liebte ... « » Und da war ich nicht im stande , ihr Gegenliebe zu versagen ! Und Du sahst , daß ich Dich liebte ... und so hast Du es schon früher bei einem Dutzend gesehen und wirst es noch bei einem Dutzend sehen und immer wieder lieben . So ist Dein Herz kein Herz , es ist nur ein Echo ! « rief sie , endlich der stummen Qual Befreiung in harten Worten gebend . » Fanny ! « mahnte Lanzenau . » Gut , « sagte sie , schon wieder zusammensinkend , » ich habe nichts zu fragen als dies : die Stunde der Entscheidung ist gekommen ; welche von uns beiden wird Dein Weib sein ? « » Fanny ! « rief Lanzenau entsetzt . Joachim sah Fanny an . Ihre Blicke brannten ineinander . Man hörte keinen Atemzug . Lanzenau , der dicht neben Fanny stand , beobachtete diese ineinander wurzelnden Blicke . Er las etwas darin - etwas , vor dem er zitterte . Es war , als ob in diesem bangen Schweigen der uralte Kampf Mann gegen Weib ausgefochten würde . Es war , als flammte die Verachtung des Weibes aus ihren